30.11.2020

Auf der Großbaustelle Gymnasium läuft es bisher glatter als gedacht

Großbaustelle ist im Kosten- und Zeitrahmen - Dritter Zuschuss ist genehmigt - Abschiedsrundgang mit Bauamtsleiter Markus Schäfer

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die Großbaustelle "Gymnasium" muss in Zukunft ohne Bauamtsleiter Markus Schäfer auskommen. Denn in dieser Woche hat er seinen letzten Arbeitstag bei der Stadt, im neuen Jahr wechselt er zur Berufsgenossenschaft nach Mannheim – und ist dort für den Einkauf tätig. "Nichts mehr mit Bauen", sagt der 40-Jährige – und lässt dabei offen, ob er das vermissen wird.

Einen harten Bruch soll es aber nicht geben, so Bürgermeister Hansjörg Höfer: "Das läuft nahtlos weiter, zumal Bauamtsmitarbeiter Detlef Schäfer hier jede Ecke kennt – er ist auch hier zur Schule gegangen." Befürchtungen, wie sie unlängst erst Robert Hasenkopf (Grüne Liste) geäußert hatte, die Baustelle brauche einen Koordinator, lässt Höfer nicht gelten: Ich sehe in der Vakanz der Stelle kein Risiko." Diese wurde am vorletzten Wochenende per Anzeige in der RNZ ausgeschrieben – die Bewerbungsfrist endet am 31. Dezember.

Sozusagen zum Abschied Schäfers hatte Höfer zu einem Rundgang durch den mittlerweile entkernten ersten Bauabschnitt eingeladen, und von Sebastian Bohnekamp vom Darmstädter Architekturbüro Dierks-Blume-Nasedy, das die Sanierung betreut, kamen erst einmal lobende Worte für den scheidenden Schäfer: "Die Zusammenarbeit mit Ihnen hat Spaß gemacht!"

Und in dieser Woche kam noch eine besonders gute Nachricht: Schriesheim erhält für das 21,5-Millionen-Projekt eine Extra-Förderung von etwas über 700.000 Euro für den ersten Bauabschnitt, der momentan läuft. Das kommt aus dem sogenannten Ausgleichsstock des Landes für finanzschwache Kommunen, damit die sich größere Vorhaben leisten können. "Wir haben darauf spekuliert", sagt Höfer – und natürlich will die Stadt auch für den zweiten und dritten Bauabschnitt einen ähnlichen Antrag stellen. Im Grunde sind diese Zuschüsse schon in der Finanzrechnung eingepreist, denn die Stadt rechnete bereits vor dem Beginn der Sanierung mit einem Eigenanteil von 14 Millionen Euro. Stand heute kann sie, wenn es die gut zwei Millionen aus dem Ausgleichsstock geben sollte, auf 6,4 Millionen vom Bund und 1,2 Millionen vom Landesprogramm "Klimaschutz-Plus" an Zuschüssen rechnen, an ihr blieben dann "nur" noch 11,6 Millionen Euro hängen.

Doch zurück zur Baustelle: Bemerkenswert allein ist schon das ungewöhnliche Gerüst, das eher in die Breite geht – aber man konnte es nicht an der Fassade befestigen. Außen sind im Moment Fassadenbauer am Werk. Die weißen Bleche werden gereinigt und dann wieder eingebaut, nachdem die neue Dämmung montiert ist: "Die sind hochwertig, vier Millimeter dick", erklärt Bohnekamp.

Drinnen wird gerade weiter entkernt – und hier erkennt man auch die beiden unterschiedlichen Bauabschnitte des Gymnasiumsbaus aus den frühen Achtzigern: Im älteren Teil mit der größeren Brüstung wurden unter den Fenstern Nachtspeicheröfen eingebaut, im neueren brauchte man die wegen der Fußbodenheizung nicht mehr. Weil mit der Sanierung das gesamte Gebäude energetisch saniert wird – auch wenn man Passivhausstandard nicht erreicht –, wird es in den Klassenräumen kleine Lüftungsgeräte geben – und das hat nichts mit Corona zu tun: "Wir haben die Lüftung, die von außen aussieht wie Lamellen, von Anfang an geplant", berichtet Bohnekamp. Aber die Fenster kann man trotzdem aufmachen.

Ansonsten sieht es im Inneren ziemlich karg aus, von der Ausstattung sind nur die Tafeln geblieben – ein bisschen Farbe gibt es nur durch die großen Wandgemälde, mit denen sich die Abi-Jahrgänge verewigt haben. Die sollen auch zum Großteil erhalten bleiben. Was man vom einst so großzügigen zweigeschossigen Aufenthaltsraum für die Oberstüfler nicht sagen kann. Der weicht einem Klassenzimmer: "Ich habe noch nie einen so großen Oberstufenraum gesehen", staunt Bohnekamp. Eines der großen Themen ist der Brandschutz: So erhalten die Klassenzimmer ohne direkten Zugang zur Treppe eine Tür als neuen Fluchtweg. Auch die Treppenhäuser selbst müssen umgebaut werden, denn bisher gab es hier keinen Notausgang. Auch wenn im Moment im Keller die Heizung für die Container läuft: Gearbeitet wird hier trotzdem, schließlich wird hier ein Blockheizkraftwerk gebaut.

Im Moment macht die Baustelle, mit der im Mai begonnen wurde, keine großen Probleme, so Bohnekamp; Schadstoffe wurden kaum gefunden. Bis zu den Herbstferien soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein, "der ist auch schwieriger als der zweite – vor allem, was die Technik angeht". Aber ob nicht doch unangenehme Überraschungen lauern, kann der Architekt auch nicht sagen, nur: "Die gibt es immer in Bestandsbauten" – auch wenn hier die Bausubstanz vor allem im Vergleich zur älteren Grund- und zur Realschule recht gut sei.

Wenig Hoffnung machten Höfer und Bohnekamp, was das Wunschprojekt "Bürgersaal in der Aula" angeht: Erstens sei der nicht förderungsfähig, und zweitens müsste man den gesamten Bauantrag umschreiben: "Damit gibt es eine ganz neue Situation, gerade was die Belüftung angeht." Aber immerhin, so resümiert Schäfer: "Kostenmäßig liegen wir voll im Plan" – und er warnt davor, die bisher günstigen Ausschreibungsergebnisse für andere Projekte zu "verbraten". Man weiß ja nie.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung