02.12.2020

Neues gärtner-gepflegtes Grabfeld auf dem Friedhof

Neues gärtner-gepflegtes Grabfeld auf dem Friedhof

Bürgermeister Hansjörg Höfer (Mitte) weihte mit Heinz und Florian Kimmel (3. und 2. v.l.) sowie Harald Haug (Badische Friedhofsgärtner, l.) das neue Grabfeld auf dem Friedhof ein. Foto: Dorn
"Die Begräbniskultur hat sich geändert" - Der Trend geht zur Urne

Von Volker Knab

Schriesheim. Auf dem Friedhof tut sich was: Rund 35.000 Euro hat dort die Anlage des neuen gärtnergepflegten Grabfelds zu Buche geschlagen, das zweite an dieser Stelle. 95 einzelne Urnen können auf der Anlage versenkt werden, mit Urnengemeinschaften sind es 118.

Errichtet wurde das gärtnergepflegte Grabfeld in enger Kooperation zwischen der Stadt, der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner und der Friedhofsgärtnerei Blumen Kimmel. Die Investition mit allen Pflanzungen, Erde und den Weganlagen des neuen Gräberfelds in Schriesheim trägt die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner, deren Mitglied Blumen Kimmel ist. Die Stadt stellt die Infrastruktur auf dem Friedhofsgelände. Bei der Einweihung des neuen Gräberfeldes erläuterten die Auftraggeber das Konzept hinter dem neu angelegten Grabfeld. Pfarrerin Suse Best sprach ein Gebet.

"Die Begräbniskultur hat sich geändert", erläuterte Bürgermeister Hansjörg Höfer zum Hintergrund der Umgestaltung des Friedhofs. Diese Entwicklung gehe mit dem demografischen Wandel der Bevölkerungsstruktur einher. Es werden auf dem Friedhof immer weniger Menschen in umrandeten Einzelgräbern bestattet, die dann anschließend von Angehörigen gepflegt werden. Deshalb hat die Stadt Schriesheim in Kooperation mit der ortsansässigen Friedhofsgärtnerei Kimmel bereits vor neun Jahren ein erstes parkähnliches Gräberfeld für Urnengräber anlegen lassen. Es ist inzwischen belegt.

Mit dem neuen Gräberfeld reagiert die Stadt auf die Entwicklung hin zur Urne. "Die Tendenz geht eindeutig in Richtung Feuerbestattungen. 80 Prozent sind heutzutage Urnengräber", nannte Gärtner Florian Kimmel bei der Einweihung aktuelle Zahlen. Aber natürlich wären nach wie vor immer noch Sarggräber dabei.

Der Geschäftsführer der Badischen Friedhofsgärtner Harald Haug verdeutlichte anhand von Zahlen, die Dimension des neuen Gräberfelds innerhalb des Friedhofgeländes und die hohe Summe, mit der die badische Gärtner-Genossenschaft bei der Anlage des zweiten Gräberfelds in finanzielle Vorleistung gegangen ist. Etwa 7000 Pflanzen im Kleinformat sowie Sträucher und Bäume zieren das neue Gräberfeld. 1000 Kubikmeter Erde wurden bewegt und aufgebracht.

Die Anlage mit ihrem parkähnlichen Charakter erstreckt sich von der Friedhofsmauer mit geschwungenen Wegen nach oben. Die verschiedenen Flächen sind von sanft geschwungenen Wegen durchtrennt und abwechslungsreich mit Stauden und Gräsern bepflanzt. Je nach Jahreszeit sollen blühende Saisonpflanzen hinzukommen. Die einzelnen Grabstätten sind ohne Einfassungen vorgesehen und sollen sich im späteren Gesamtbild dem Betrachter als Einheit mit der Bepflanzung zusammenfügen. Die 118 im Grabfeld möglichen Bestattungen sind als Urnenbeisetzungen mit individuellem Grabmal oder in einer Urnengemeinschaft gedacht, es sind aber auch Gräber für Särge möglich. Zu den Grabsteinen wird dreimal jährlich ein Blumenbeet im Frühjahr, Sommer und Herbst bepflanzt.

Der parkähnliche Charakter des neuen Grabfelds war Gestaltern und Auftraggebern bei der Konzeption ein besonderes Anliegen. "Der Friedhof ist auch ein Treffpunkt der Menschen", sagte Bürgermeister Höfer bei der Einweihung des neuen Grabfeldes, und wies damit darauf hin, dass Friedhöfe ebenso Orte der Begegnung wie der Erinnerung sind. "Es gibt verwitwete Menschen, die sich auf dem Schriesheimer Friedhof kennen- und lieben gelernt haben", gab Pfarrerin Suse Best dazu ein fast schon romantisches Beispiel. Und das sei gar nicht mal ein Einzelfall gewesen, ergänzte der Bürgermeister.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung