07.12.2020

Schriesheimer Lärmaktionsplan: Weniger Lärm erstmal mit Tempo 30

Der neue Aktionsplan schlägt auf einigen Verkehrsachsen eine Geschwindigkeitsreduzierung vor. Noch mehr würde Flüsterasphalt bringen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Der Lärm ist eines der größten Themen – nicht nur wegen der jüngsten Berichte um Kling-Malz. Deutlich mehr Auswirkungen für die meisten Schriesheimer haben die Geräusche, die der Verkehr verursacht, denn an der Stadt vorbei verläuft mit der A5 nicht nur eine besonders frequentierte Hauptverkehrsader, durch sie führt mit der B3 auch noch eine wichtige Nord-Süd-Verbindung. Auch die Ost-West-Richtung – also vom Odenwald in die Ebene – ist nicht zu unterschätzen. Hier hat der Branichtunnel zwar eine gewisse Entlastung gebracht, aber so sagt der Bauingenieur Martin Reichert, "noch nicht ganz so viel wie erhofft".

Reichert und sein Karlsruher Büro Modus-Consult erstellen gerade den aktualisierten Lärmaktionsplan, den seit 2002 EU-weit jede Kommune alle fünf Jahre aufs Neue vorlegen muss (weswegen auch immer die Fahrzeugbelastung neu gezählt wird) – mit dem Ziel, dass es für die Anwohner der Verkehrsachsen leiser wird.

Dieser Lärmaktionsplan gilt nicht nur für Schriesheim, sondern auch für Hirschberg und Dossenheim, wo es im Prinzip dieselben Probleme gibt. Welche Kommune am schwersten vom Lärm betroffen ist, kann Reichert nicht sagen, denn die Verhältnisse sind zu unterschiedlich: In Großsachsen beispielsweise stehen die Häuser dicht an der B3, in Schriesheim etwas weiter weg. Im Moment, so belegen Reicherts Zahlen, sind 41 Schriesheimer gesundheitsgefährdendem Lärm (über 70 Dezibel am Tag) und weitere 306 gesundheitskritischem (über 65 Dezibel) ausgesetzt. Und diese Zahl der Hochbetroffenen soll sinken.

Die schnellste Maßnahme, die auch Reichert am Mittwoch im Gemeinderat vorstellen wird: Geschwindigkeitsbegrenzungen. So wird es in Zukunft Tempo 30 statt 50 auf der gesamten B3 der Ortsdurchfahrt Schriesheim geben, wie es der Gemeinderat schon vor einem halben Jahr beschlossen hat, aber auch auf der Talstraße zwischen der Schönauer und der Bismarckstraße und zudem auf der Ladenburger Straße im Abschnitt zwischen der B3-Kreuzung und der Dresdener Straße. Und, ganz neu auch für Altenbach: Auf dem größten Teil der Hauptstraße soll fortan Tempo 30 gelten – wie es der Ortschaftsrat schon lange fordert, was aber die Verkehrsbehörde ständig ablehnt. In diesem Fall schlägt aber der Lärmschutz die Argumente des Landkreises, der die Geschwindigkeit nur dann reduzieren will, wenn eine konkrete Gefährdung vorliegt.

Der Vorteil: Die neuen Schilder kosten wenig, aber bringen viel, ist sich Reichert sicher: Mit Tempo 30 statt 50 sinkt der Geräuschpegel um 2,5 Dezibel – was sich fast so anhört, als hätte sich der Verkehr halbiert – zum Vergleich: Tempo 40 mit einem Dezibel weniger ist fast nicht wahrnehmbar. Aber auch Reichert weiß: Das wird nicht reichen, denn auch dann würde der gesundheitskritische Grenzwert bei 259 Schriesheimern überschritten. Daher empfiehlt er als mittelfristige Maßnahme, die Straßen mit Flüsterasphalt zu sanieren, denn das bringt noch einmal fünf Dezibel weniger – und die Zahl der Lärmbetroffenen würde sich im Vergleich zu jetzt auf 158 Personen halbieren. Doch das ist der ganz große Haken.

Bis auf die Talstraße ist im Moment kaum an neue Fahrbahnbeläge gedacht, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern bei einem Pressegespräch zugab. Dafür könne die Aufstellung der Tempo-30-Schilder "ganz schnell gehen", so Reichert: "Ich kenne Kommunen, da hat es kein halbes Jahr gedauert." Den seit der A5-Sanierung besonders lärmgeplagten Fensenbäume-Anwohnern macht Höfer indessen wenig Hoffnung: "Dafür ist die Stadt Schriesheim nicht zuständig." Aber ein Tempolimit auf der Autobahn kann er sich schon vorstellen: "Das wäre die schnellste Maßnahme."

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung