07.12.2020

Kein Wildschwein bei der Drückjagd in Ursenbach erlegt

Die 20 Teilnehmer gingen nach viereinhalb Stunden Jagd leer aus. Anderswo wurden am Samstag 16 Tiere erlegt.

Schriesheim-Ursenbach. (hö) Das hatte sich der Ursenbacher Jagdpächter Michael Schwöbel schon anders vorgestellt, als er sich am Samstagmorgen mit 19 weiteren Teilnehmern zur Drückjagd unter Coronabedingungen auf der Ursenbacher Höhe traf: Zwölf Jäger, acht Treiber und ein Hund wollten Wildschweine aufspüren. Nur: Auch nach viereinhalb Stunden wurde kein Tier erlegt. "Da waren die Wildschweine wohl schlauer als wir", meint Schwöbel. Im Jagdrevier Leutershausen von Frieder Habenicht war das mit zwölf geschossenen Sauen anders, in Schriesheim – da wurde im Weiten Tal gejagt –erlegten Georg Bielig und Kollegen vier Tiere.

Frustriert ist Schwöbel angesichts der relativ mageren Ausbeute aber nicht, denn es geht auch darum, den Landwirten zu zeigen, dass es den Jägern eine Verpflichtung ist, die Wildschweine zu jagen. Denn insbesondere um Ursenbach sind die Schäden auf den Wiesen groß – erst tags zuvor hatte eine Rotte wieder ein Feld verheert. Aber in diesem Jahr kam noch ein weiterer Grund dazu: die Afrikanische Schweinepest. Auch wenn sie bisher nur in Brandenburg nachgewiesen wurde, ist nicht auszuschließen, dass sie irgendwann auch einmal die Bergstraße erreicht. Deswegen wurden alle Jagdreviere aufgefordert, den Wildschweinbestand möglichst kleinzuhalten.

In diesem Jahr war die von Schwöbel organisierte Drückjagd in mehrfacher Hinsicht speziell, denn wegen Corona herrschten "besondere Bedingungen", die Regeln gibt der Landesjagdverband vor – im Prinzip das, was jeder aus dem Alltag kennt: Maskenpflicht, Abstandhalten, mehrfaches Händedesinfizieren und der Verzicht auf das gesellige Beisammensein hinterher. Auch von der Witterung her war es an diesem Samstag speziell, denn in Ursenbach lag noch Schnee: "Das war superglatt, die Treiber leisteten Schwerstarbeit", sagt Schwöbel. Aber ansonsten sei alles reibungslos gelaufen, sagt der Ursenbacher Jagdpächter dann doch einigermaßen zufrieden.

Wie immer wiesen Schilder und die geschlossene Schranke auf die Jagd hin, aber das nützt nicht viel, im Wald waren viele Besucher unterwegs: "Die Leute halten sich einfach nicht dran", weiß Schwöbel aus Erfahrung. Immerhin können sich die Spaziergänger und Mountainbiker sicher sein, nicht in den Kugelhagel der Jäger zu geraten: "Die Regeln sind klar: Vor und hinter dem Ziel darf es kein Hindernis geben, außerdem ist gewachsener Boden als Kugelfang Pflicht. Da wird also im Zweifelsfall lieber nicht geschossen."

Proteste wie unlängst erst in Viernheim (RNZ vom 23. November) musste Schwöbel nicht befürchten. Eher im Gegenteil: Er berichtet davon, dass die Akzeptanz der Jagd eher zugenommen habe. Auch die Rückmeldungen der Waldbesucher am Samstag waren positiv. Und nicht zuletzt: Wildfleisch aus der Region wird immer beliebter – gerade in dieser Jahreszeit. Und so ist es kein Zufall, dass für den ersten Dezembersamstag in den Schriesheimer Revieren traditionell eine Drückjagd angesetzt ist.

Trotz des ausbleibenden Erfolgs in Ursenbach ist Schwöbel nach wie vor von diesem Konzept überzeugt, denn mit den am Ende 16 erlegten Tieren in den angrenzenden Revieren sieht er sich bestätigt.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung