08.12.2020

Hochlandrind verendet an hingeworfenen Gemüseresten

Auf der Viehweide bei Altenbach wurden größere Abfallmengen gefunden. Die Polizei sucht nun die Täter. Jetzt sollen "Füttern verboten"-Schilder kommen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim/Heiligkreuzsteinach. Die Bäuerin Janina Werther ist traurig – und auch wütend: Unbekannte warfen wohl am Wochenende auf eine Wiese bei Altenbach, auf der acht Schottische Hochlandrinder weiden, relativ große Mengen an Gemüseabfällen – und dann verendete eine Kuh. Werther berichtet: "Da waren Orangen, Zitronen, Paprikaschoten, Lauch, Rosen- und Blumenkohl dabei. Davon bekommen unsere Tiere Blähungen bis hin zu Koliken." Und daran starb offenbar ein Tier; ein Kalb nagte noch an einem Blumenkohl, bis Hans-Peter Werther ihm das Gemüse abnahm – es erholte sich bald.

Am Montag zeigten die Werthers diese – je nach Lesart – illegale Müllentsorgung oder Tierfütterung bei der Polizei an. Diese vermutet, dass die Gemüsereste zwischen Samstag, 7 Uhr, und Sonntag, 10 Uhr, dort abgelegt wurden. Zeugen melden sich bitte unter Telefon 06203/61301 beim Polizeiposten Schriesheim.

Deswegen bittet die Familie aus Heiligkreuzsteinach-Bärsbach, die seit 2008 die Rasse "Highland Cattle" züchtet, inständig darum, diese Tiere nicht zu füttern – in den nächsten Tagen wollen die Werthers "Füttern verboten"-Schilder aufhängen. Dabei glaubt Janina Werther noch nicht einmal, dass die Leute, die die Abfälle auf die Wiese unweit der Landstraße in den Schriesheimer Odenwaldortsteil warfen, Böses im Schilde führten. Offenbar dachten die Unbekannten, dass die an sich robusten Hochlandrinder, die auch im Winter im Freien stehen, so etwas gut vertragen.

Doch das ist nicht so: "Vielleicht mal eine Karotte, einen ungespritzten Salat oder trockenes Brot. Das ist ja auch unser Lockmittel", sagt Werther. Aber am liebsten wäre ihr, wenn sich die Tierfreunde von den Tieren in Sachen Füttern fernhalten würden: "Das sind doch Rinder und keine Schweine." Im Moment gibt es für die vor allem Heu und Heu-Silage zu essen.

Die Familie Werther hält im Moment über 30 Hochlandrinder. Alles begann als Hobby im Neckarsteinacher Ortsteil Lanzenbach, später kamen weitere Flächen in Altenbach – dort gibt es auf zwei getrennten Weiden insgesamt 13 Exemplare – und im nahen Lampenhain dazu: "Meinem Mann haben diese Tiere gut gefallen, und auch ich bin ganz verliebt in sie – zumal sie auch den Menschen sehr zugetan sind", gesteht Janina Werther.

Probleme mit illegaler Fütterung hat es in der Vergangenheit bisher noch nicht gegeben, der jüngste Fall in Altenbach ist eine Ausnahme. Nur vor einem Jahr warfen mal Kinder von einer nahen Streuobstwiese Äpfel auf die Wiese, die die Tiere dann fraßen – und Blähungen bekamen. Aber auch davon erholten sie sich bald. Dafür machte ganz anderer illegal entsorgter Müll in der Vergangenheit den Werthers mehr Probleme: Autofahrer warfen von der Landstraße aus achtlos ihren Müll auf die Viehweide – und die Werthers sind immer in großer Sorge, dass gerade ein Kalb sich vielleicht an Plastikteilen verschlucken könnte.

Der Altenbacher Ortsvorsteher Herbert Kraus ist ein großer Freund dieser Art von Weidewirtschaft als Landschaftsschutz: War früher das idyllisch gelegene Grünland an dem Bach – er heißt Altenbach, wie das nahegelegene Dorf – regelmäßig verbuscht, ist das nun eine richtige Wiese. Einziges Manko: "Nur Butterblumen sieht man nicht mehr. Die scheinen den Hochlandrindern wohl zu schmecken."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung