12.12.2020

Elektromobilität: Wo kann man Strom zapfen?

Kommunen an Bergstraße und Neckar sind unterschiedlich mit Ladestationen ausgestattet - Der Bedarf wächst

Neckar-Bergstraße. (ans, hö, krs, web) Immer mehr Menschen legen sich ein Elektroauto zu. Dann stellt sich schnell die Frage nach entsprechenden Ladestationen. Die RNZ hat sich an Neckar und Bergstraße umgehört, wie die Kommunen mit solchen Stationen ausgestattet sind.

> Ladenburg: Im Neubaugebiet in der Ladenburger Nordstadt baut eine Familie ihre eigene E-Ladestation ans Haus, weil sie zum Tanken bisher immer nach Schriesheim fahren muss. Denn in der Römerstadt gibt es noch keine öffentliche Ladestation für Elektroautos. Auf Anfrage erklärt Nicole Hoffmann, Referentin des Bürgermeisters, dass es lediglich im Bauhof eine E-Ladestation für die zwei eigenen Elektrofahrzeuge gebe. Auf die Frage, warum es in der Römerstadt noch keine öffentliche Station gibt, erklärt Hoffmann schlicht: "Die Planung ist noch nicht umgesetzt." An insgesamt neun öffentlichen Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten sollen Bürger künftig Strom für ihr E-Auto zapfen können. Zwei sollen laut Hoffman im Neubaugebiet östlich der Benzstraße, sechs im Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann und eine im Bereich des Rathauses entstehen – Letztere noch in diesem Jahr. Vorteil bei der Installation der Stationen im Neubaugebiet sei, dass dort die notwendige Leistung des Stromnetzes von Anfang an mitgeplant werden könne. Die Stadt geht davon aus, dass der Bedarf mit den neun Anlagen erst einmal gedeckt ist.

> Edingen-Neckarhausen: In der Doppelgemeinde gibt es zwei öffentliche E-Ladestationen: eine am Sport- und Freizeitzentrum und eine am Schloss in Neckarhausen. Weitere plant die Gemeinde derzeit nicht. Thea-Patricia Arras erklärt: "Die beiden Ladesäulen decken den momentanen Bedarf sehr gut ab. Sollte sich der Bedarf erhöhen, wird die Gemeinde reagieren." Die Stationen betreibt die Netze BW.

> Hirschberg: Die erste öffentliche Ladesäule für Elektrofahrzeuge in Hirschberg ist am 20. November dieses Jahres in Betrieb gegangen und am 2. Dezember eingeweiht worden. In diesem Zeitraum gab es am Großsachsener Marktplatz elf Ladevorgänge, wobei 307 Kilowattstunden Strom geladen wurden. Diese Station soll aber nicht die letzte sein, sagte Bürgermeister Ralf Gänshirt bei der Einweihung des Kooperationsprojekts der Gemeinde und der Stadtwerke Viernheim. Über eine Lademöglichkeit in Leutershausens Ortsmitte sei man in Gespräch. Anfang 2021 wird sich die Verwaltung zudem neben dem bisher vorhandenen E-Bike ein eigenes Elektrofahrzeug für den Botendienst zulegen. Nebst Lademöglichkeit direkt am Rathaus. Und im Gewerbepark gibt es schon eine "Tesla-Tankstelle". Tesla Motors, der führende amerikanische Elektrofahrzeug-Hersteller, arbeitet hier mit dem Energie-Riesen MVV zusammen. 2014 wurde in der Hirschberger Goldbeckstraße 1 die erste Ladestation in Betrieb genommen, die mit Ökostrom von MVV Energie versorgt wird. Teslas "Supercharger" sind strategisch entlang viel befahrener Autobahnen stationiert. Unweit des "Superchargers" gibt es in Hirschberg noch eine Besonderheit: Ende 2017 eröffneten die Unternehmen Air Liquide und Total auf dem Gelände des Total-Autohofs im Gewerbepark die damals 43. Wasserstofftankstelle in Deutschland.

> Schriesheim: Bisher gibt es nur eine Ladestation in der Weinstadt, hinter dem Fass auf dem Festplatz. Diese wurde Ende März 2019 in Betrieb genommen und gehört zum Versorgungsnetz von EnBW. An der Smight-Ladesäule mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt können zwei E-Autos gleichzeitig "betankt" werden. Schon damals war klar, dass es in Schriesheim eine weitere Ladestation geben sollte, Bürgermeister Hansjörg Höfer sprach davon, dass sie in der Nähe des Bahnhofs geplant sei. Die hätte den Vorteil, dass die E-Autofahrer hier ihren Wagen abstellen und aufladen können, während sie umweltfreundlich mit Bussen und Bahnen weiterfahren. Das wäre dann die erste E-Tankstelle, die die Stadt Schriesheim selbst aufstellt und betreibt – zumindest rechtlich. Allerdings sorgen eher die "Ökostromer" und der Generalunternehmer, die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und ihr Partner Parkstrom für die technische Seite. Die EWS sind schon seit Langem der Stromversorger der "Ökostromer". Die Schwarzwälder Firma ging aus der Anti-Kernkraft-Bewegung hervor, 1991 übernahmen sie das Stromnetz des Schwarzwaldstädtchens Schönau – mit dem Ziel, fortan 100 Prozent Ökostrom, zunächst vor allem aus Wasserkraft, neuerdings immer stärker aus Windrädern und Solaranlagen, zu produzieren. Allerdings zog sich das Projekt dann doch hin. Die Schriesheimer "Ökostromer", ein Verein, der für klimafreundliche Energie wirbt, machte sich dafür stark, und der Grüne-Liste-Stadtrat Wolfgang Fremgen, selbst ein "Ökostromer", hakte immer mal wieder beim Bauamt nach. Zuletzt Ende Juli. Tatsächlich deutete sich eine Lösung am Schillerplatz an, wie die RNZ vom scheidenden Bauamtsleiter Markus Schäfer Ende August auf Nachfrage erfuhr: "Die E-Ladestation Schillerstraße wird nach aktuellem Stand im November diesen Jahres in Betrieb gehen." Dazu ist es offenbar nicht gekommen. Auch Fremgen weiß nichts Genaues über den Stand der Dinge, rechnet aber damit, dass diese zweite Ladesäule "wohl zu Beginn des neuen Jahres installiert wird". Er ist sich sicher, dass es angesichts steigender Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge auch einen Bedarf dafür gibt.

> Weinheim: Die Stadtwerke Weinheim (SWW) betreiben allein in der "eigenen" Stadt sieben Ladestationen für E-Autos, einer davon im Ortsteil Hohensachsen. Am Standort "Rote Turmstraße", der sich in direkter Nachbarschaft zum Touri-Hotspot Marktplatz befindet, gesellt sich noch eine Ladestation für E-Bikes dazu. Eine wichtige Änderung trat im September in Kraft: Die Weinheimer Stationen wurden vollends in den Ladeverbund "e-Laden" integriert. Neben den SWW gehören ein halbes Dutzend weiterer kommunaler Energieversorger dazu. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange: Innerhalb der "Ladestruktur" der SWW sind für das kommende Jahr weitere fünf bis sieben Stationen geplant. Konkrete Standorte seien bereits in der Diskussion, "allerdings noch nicht final abgestimmt und beschlossen", teilt eine Unternehmensvertreterin mit. Die neuen Stationen würden gut angenommen, erklärt sie: Allein im November hätten die SWW 125 Ladevorgänge registriert. Getankt werde dabei ausschließlich Ökostrom.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung