12.12.2020

Ausgangssperre? Vielen reichen Einkäufe und Spaziergänge

Ausgangssperre? Vielen reichen Einkäufe und Spaziergänge

In der Heidelberger Straße war es am Freitag eher ruhig – auch ohne Ausgangssperre. Foro: Dorn
Wie sehen die Schriesheimer die Ausgangssperre? - Die meisten Befragten sind für einen noch schärferen Lockdown - Doch der Einzelhandel bangt

Von Max Rieser

Schriesheim. Es war absehbar, aber doch wird sich in den nächsten Wochen das Leben gravierend verändern, gerade mit den Ausgangsbeschränkungen, die ab dem heutigen Samstag gelten. Wie gehen die Schriesheimer mit dieser Situation um?

Der Einzelhandel schwankt zwischen Hoffen und Bangen: Regine Hindorf von "Utes Bücherstube" fürchtet eine etwaige Geschäftsschließung – die ja bisher von Seite der Landesregierung nicht geplant ist –, zumindest wenn sie kurzfristig erfolgen sollte. Denn gerade das Weihnachtsgeschäft ist in ihrer Branche extrem wichtig. Auch Violaine Munkes vom "Kinderlädchen" hofft, "dass wir in der nächsten Woche noch öffnen dürfen" – aber sie rechnet durchaus damit, dass kurz vor Weihnachten alle Läden dichtmachen müssen, die keine lebensnotwendigen Waren anbieten. Zumindest wäre es für sie wichtig, dass sie das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen kann. Ansonsten hofft sie auf den Erfolg ihres Internet-Shops, den sie während des ersten Lockdowns aufgebaut hat – und natürlich auch auf die Möglichkeit von Liefer- und Abholdiensten, die sich durchaus ab Mitte März bewährt hätten. Aber glaubt sie nicht auch, dass Ausgangssperren den Leuten die Freude am Bummeln verleiden, selbst wenn die Geschäfte geöffnet haben sollten? "Das kann ich noch nicht einschätzen, aber mein Gefühl sagt mir, dass das wohl eher die Großstädte betrifft. Schon beim ersten Lockdown hat man gemerkt, wie sehr die Schriesheimer die Einzelhandelsgeschäfte vor Ort unterstützen. "

Und was halten diejenigen, die am Freitagnachmittag in der Heidelberger Straße unterwegs waren, vom harten Lockdown? "Solange man in den Weinbergen oder im Wald spazieren gehen kann, finde ich das völlig in Ordnung", sagt Vera Schallermin. Sie findet, dass die Verschärfung zu spät kommt: "Man hört, dass mehr Menschen sterben – und das finde ich sehr schlimm". So sieht das auch die Schülerin Valerie Preißler. Sie geht in Heidelberg zur Schule und hat dort beobachtet: "Die Läden sind gerade sehr voll, man hätte die strengeren Maßnahmen schon für den ganzen Dezember treffen sollen." Auch dass der Schulsport nach wie vor stattfindet, hält sie für problematisch. "Wir sind zwar in kleinere Gruppen aufgeteilt und müssen eine Maske tragen, aber wenn alle schwer atmen, ist das Risiko höher, sich anzustecken."

Hannelore Reibold aus Schriesheim fühlt sich durch die Ankündigung nicht mehr eingeschränkt, da sie das Rentenalter bereits erreicht hat: "Einkaufen kann man immer gehen, und dann ist man ja versorgt." Auch ihr gehen die Maßnahmen nicht weit genug: "Eigentlich wäre es das Beste, man würde für eine Zeit wirklich alles zu machen, was geht." Rolf Kutsch aus Schriesheim, der sich schon an das Arbeiten im Homeoffice gewöhnt hat, hat zwar Bedenken, ob die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen eine Wirkung haben, sagt aber dennoch: "Ich finde es in Ordnung, und man sollte die Schulen am besten auch gleich schließen." Ralf Holtzmann meint: "Wir sehen das alles ja aus einer privilegierten Komfortzone. Wir haben genug Platz, da machen einem die Ausgangsbeschränkungen nicht viel aus. Da geht es vielen schlechter." Seine Frau Petra Teutsch ist Erzieherin und musste schon im Frühjahr in Kurzarbeit, was jetzt wohl wieder bevorsteht. Trotzdem machen sie sich nicht allzu große Sorgen. Traurig finden sie nur, dass ihre Töchter, die außerhalb studieren, sie zu Weihnachten nicht besuchen können.

Das betrifft auch die Ärztin Petra Krömer mit ihren Söhnen. Sie selbst arbeitet in der Krebsberatung von zu Hause aus und hat auch mit Risikopatienten zu tun: "Es ist jetzt besonders wichtig, dass die Risikogruppen geschützt werden. Das hat in letzter Zeit gar nicht geklappt." Auch sie sieht die Verschärfung als verspätet an: "Ich weiß von Ärzten in Krankenhäusern, dass sich die Situation zuspitzt", sagt sie und befürchtet eine hohe psychische Belastung bei Eltern mit kleinen Kindern, fühlt sich selbst aber nicht eingeschränkt: "Ich bin schon maximal zurückhaltend. Und wenn ich spazieren gehe, dann nur im Wald."

Lydia Karolius sieht es von der anderen Seite. Sie studiert Medizin in Heidelberg und würde ihre Familie in Hessen gern über die Feiertage besuchen. Ob das unter den gegebenen Umständen möglich sein wird, weiß sie jetzt noch nicht, findet aber: "Toll ist es nicht, aber natürlich sinnvoll."

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Ausgangssperre? Vielen reichen Einkäufe und Spaziergänge-2
Regine Hindorf von „Utes Bücherstube“. Foto: Dorn

Ausgangssperre? Vielen reichen Einkäufe und Spaziergänge-3
Violaine Munkes vom „Kinderlädchen“. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung