16.12.2020

Wieder ein Gasthaus weniger: Das Schriesheimer "Lamm" soll zu einer Heilpraxis werden

Wieder ein Gasthaus weniger: Das Schriesheimer "Lamm" soll zu einer Heilpraxis werden

Seit Ende April steht das Gasthaus „Weißes Lamm“ in der Talstraße leer. Nun soll es umgebaut werden, und ins Erdgeschoss kämen Räume für einen Heilpraktiker. Foto: Dorn
Im Ausschuss wurde die neue Nutzung für das alte Gebäude beraten. Es soll zudem ein neues Glas-Treppenhaus erhalten.

Schriesheim. (nip) Eines der traditionsreichsten Gasthäuser der Stadt, das "Lamm" in der Talstraße, steht seit dem 31. April leer. Nach fast 30 Jahren hatte Pächter Adam Daveloudis aus persönlichen Gründen die Wirtschaft, deren Wurzeln als Weinstube in das Jahr 1797 zurückreichen, aufgegeben. Nun gab es für das Haus eine Bauvoranfrage.

Diese hat zum Ziel, auf dem Weg zum Bauantrag die Meinung der Mitglieder des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) abzufragen. Nicht selten gibt die Verwaltung eine Bauvoranfrage mit Empfehlungen und Wünschen des ATU zurück an den Auftraggeber. So auch beim geplanten Umbau und der Erweiterung des "Lamm"-Gebäudes. Damit einher geht eine Nutzungsänderung, wobei der Verlust einer weiteren Schriesheimer Gaststätte in der letzten Sitzung des ATU in diesem Jahr bedauert wurde. Stattdessen wird die Antragstellerin mit einer eigenen Praxis für Heilpraktik ins Erdgeschoss einziehen. Grundsätzlich gefielen den ATU-Mitgliedern die vorgestellten Pläne, weil sie Alt und Neu auf "sehr geglückte" Weise, wie Ulrike von Eicke (FDP) formulierte, vereinen.

Dass das neue Treppenhaus mit Glas eingehaust wird, gefiel lediglich Sebastian Cuny (SPD) nicht. Jutta Becker (Freie Wähler) fand den Glasbau hingegen "sehr originell". Was alle außer von Eicke stört, sind die geplanten Flachdachgauben. "Es könnten stattdessen auch Schleppgauben sein", fand Georg Grüber (Grüne Liste). Auch die vorgesehene Höhe der Gauben von 2,50 Meter, wobei nur 1,50 Meter in der Altstadt zulässig sind, lehnte der ATU ab. Die anderen angefragten Befreiungen, zum Beispiel Dachreiter und die Überdachung des Hofes mit Glas, trug der Ausschuss mit.

Eine weitere Bauvoranfrage zur Erweiterung des bestehenden Wohnhauses nebst Neubau eines Doppelhauses auf einem großen Grundstück in der Landstraße/Heinrich-von-Kleist-Straße, lehnte der ATU geschlossen ab. Rathausmitarbeiterin Beate Kreis hatte das wegen der engen Zufahrt und der Massivität der Bebauung, die mit dem Neubau zudem komplett außerhalb des Baufensters zu stehen käme, so vorgeschlagen. "Innenverdichtung ja – aber nicht in dieser Dimension", sagte Michael Mittelstädt (CDU). Den Zuwachs an Verkehr vertrage die Gasse nicht. "Die Stellplätze sind ein Problem, und die Zufahrt auch", meinte Georg Grüber (Grüne Liste). "Die Nachbarschaft verträgt diese Innenverdichtung nicht", sagte Sebastian Cuny (SPD). Der ATU empfahl dem Bauherrn, eine kleinteiligere Lösung zu suchen.

Zum wiederholten Mal befasste sich der Ausschuss mit einer Bauvoranfrage zur Errichtung einer Lagerhalle mit Wohnungen für Arbeiter in der Bahnhofstraße. Wegen der ungeklärten Stellplatzfrage hatte der ATU das Vorhaben im September versagt, doch das Landratsamt ist mit Schreiben vom November der Ansicht, das Gebäude füge sich nach Paragraf 34 in die Umgebung ein. "Der ATU kann das nicht ablehnen", meinte Beate Kreis. Einen Lageplan, auf dem die Stellplätze dargestellt sind, hat der Antragsteller inzwischen nachgereicht. Ob sie ausreichen, obliegt der Prüfung der Baurechtsbehörde des Rhein-Neckar-Kreises. Michael Mittelstädt (CDU) lehnte das Ganze dennoch ab: "Das passt an dieser Stelle nicht." Mit einer Bauvoranfrage zum Neubau eines Einfamilienhauses im Griethweg will der Antragsteller grundsätzlich klären, ob der ATU überhaupt willens ist, dort ein weiteres Baufenster auszuweisen. Der Ausschuss sagte dazu nach einer Ortsbegehung nicht nein.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung