19.12.2020

Neuer Mühlenhof ohne "Streichelzoo"

Im Moment stehen hier nur vier Pferde - Rein private Nutzung - Im Wohngebäude kommen Altenpflegeschüler unter - "Incluso" bleibt

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Vor einem halben Jahr endete eine Ära im Mühlenhof: Heinz Waegner ging in Pension – und damals deutete sich schon an, was nun Gewissheit ist: Die alten Tage von Streichelzoo, Stallöffnungen oder Kindergeburtstagen sind gezählt (RNZ vom 13. Juni). Aber damals war noch nicht klar, wie es mit dieser Einrichtung der Evangelischen Stadtmission Heidelberg weitergehen wird. Das ist nun geklärt: Die Tiere, um die sich Wohnungslose aus dem Talhof und dem Heidelberger Wichernheim kümmerten, gibt es nicht mehr.

Und doch: Pferde sind jetzt wieder hier – auch wenn sie für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Michael und Bernd Schenk, deren Vater in der Pappelbach vor über 60 Jahren einen kleinen "Tierpark" als Hobby etabliert hatte, haben hier seit September vier Isländer stationiert. Davon wurden zwei an den Voltigierverein abgegeben, der sich unlängst vom Reiterverein abspaltete und auf der Suche nach eigenen Trainingsmöglichkeiten war. "Es ist praktisch, eine weitere Stallung und eine Halle zu haben", sagt Michael Schenk auf RNZ-Anfrage. Dabei ist es dem Schriesheimer, den man vor allem als Geschäftsführer des Medien- und Veranstaltungsunternehmens "Epicto" kennt, wichtig, dass er hier rein als Privatmann auftritt: "Ein reines Hobby und eine rein private Nutzung."

Allerdings heißt das auch, dass es die früheren Angebote, etwa das therapeutische Reiten, nicht mehr geben wird: "Dafür sind wir auch gar nicht ausgebildet." Wichtig sei für die Stadtmission gewesen, dass das Gelände nicht privatwirtschaftlich genutzt wird, also Geld damit verdient wird. Darauf kommt es auch der Manfred-Lautenschläger-Stiftung als Eigentümerin der Anlage, an. Und so sieht Schenk seine Aufgabe vor allem darin, "dass das Anwesen in Ordnung gehalten" werde.

Was es allerdings weiter geben wird, das ist das "Incluso"-Projekt für behinderte Menschen, die hier einen eigenen Garten haben, um den sie sich kümmern. Die Pflege des 20.000 Quadratmeter großen Areals ist auch weiter eine Aufgabe für die Wohnsitzlosen – auch wenn sie sich jetzt eher weniger als früher um Tiere kümmern.

In die Wohngebäude am Mühlenhof werden Altenpflegeschüler des Hauses Stammberg und der Erlbrunner Höhe in Wilhelmsfeld einziehen; beide Einrichtungen sind ebenfalls in Trägerschaft der Stadtmission; die Zimmer werden möbliert, in den nächsten Wochen werden hier sechs Personen wohnen, die es als Geringverdiener auf dem teuren Bergsträßer Wohnungsmarkt schwer haben.

Von den ganzen Veränderungen nicht betroffen ist "Das Wirtshaus" von Jürgen Opfermann, das allerdings seit Anfang November lockdownbedingt geschlossen ist und seit Mai nur noch freitags bis sonntags geöffnet hatte. In der Etage obendrüber wird ein Gemeinschaftsraum eingerichtet. Baulich ändert sich also nichts auf dem Gelände, auf dem eine der mindestens zwölf Schriesheimer Mühlen stand – als "Oberes Werk" der Papierfabrik Ehrmann, aus der 1936 die Kerzenfabrik Högg wurde (von der aber neben dem eingeschossigen Wohnhaus nur noch das Hauptgebäude steht).

Mit dieser neuen Nutzung hat sich der Mühlenhof, den viele Schriesheimer in erster Linie als Streichelzoo wahrgenommen haben, doch ein ganzes Stück von seiner Ursprungsidee entfernt, für die sich der Mäzen Manfred Lautenschläger 2008 begeisterte: Leute ohne festen Wohnsitz bekommen in der freien Natur und in der Arbeit mit Tieren eine sinnvolle Beschäftigung. Aber die Umsetzung dieses Konzepts war eng mit dem Namen Heinz Waegner verbunden. Und schon vor einem halben Jahr sagte Heidi Farrenkopf, die bei der Stadtmission die Wiedereingliederungshilfe leitet: "Vieles hat im Mühlenhof nur deswegen funktioniert, weil Waegner hier so viele Aufgaben mit viel Aufwand übernehmen konnte." Und mit seinem Ruhestand ab Juni gab es niemanden mehr, der sich in Vollzeit um alles kümmern konnte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung