22.12.2020

So hat Corona die Arbeit in den Sozialbereichen der Stadt verändert

So hat Corona die Arbeit in den Sozialbereichen der Stadt verändert

Bürgermeister Hansjörg Höfer (stehend) und die Mitarbeiter des Rathauses, die sich um soziale Angelegenheiten kümmern, berichteten darüber, wie Corona ihre Arbeit erschwert hat. Foto: Dorn
Zwölf Mitarbeiter beschäftigt die Stadt in verschiedenen Sozialbereichen - Jetzt berichteten sie über ihre Arbeit

Schriesheim. (vkn) Zum Jahresabschluss haben die Mitarbeiter der verschiedenen Sparten der Sozialpolitik in Schriesheim die Vielfalt und den Umfang ihrer Arbeit vorgestellt. Dabei erläuterten sie die besonderen Herausforderungen aufgrund der Corona-Pandemie.

Diese breit gefächerte Hilfe in der Stadt mit vielen ehrenamtlichen Kräften einmal vorzustellen, "war mir vor Weihnachten und in Corona-Zeiten ein besonderes Anliegen", erläuterte Bürgermeister Hansjörg Höfer bei der Präsentation: "Menschen, die Hilfe brauchen, sind nicht allein." Als aktuelles Beispiel verwies er auf die Notbetreuung an den Kindergärten, die aufgrund der Schließung der Einrichtungen wegen der Corona-Pandemie im Moment eingerichtet werde.

Karin Reichel ist in Schriesheim für das Thema Inklusion zuständig. Sprich: Sie ist Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, den städtischen Raum barrierefrei zu gestalten. Sie unterstützt Menschen mit einem Handicap, aber auch Senioren. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März dieses Jahres liefen bei ihr die Fäden für die Unterstützungsaktion "Schriesheim hilft" zusammen. Die Aktion war von Bürgern und Initiativen in der Stadt angestoßen worden, damit Menschen aus den Risikogruppen nicht selbst einkaufen gehen mussten. "Ich konnte auf einen unheimlich großen Kreis von rund 300 ehrenamtlichen Helfern zurückgreifen", freute sich Reichel. Weiter kümmerte sich die Inklusionsbeauftragte um die Be- und Versorgung von Masken, als die noch knapp waren. Auch hier erhielt sie große Unterstützung aus der Bevölkerung, etwa durch selbst genähte und gespendete Masken.

Die Integrationsmanagerinnen Helena Weber und Barbara Gutruf-Schröder kümmern sich um aktuell 261 geflüchtete Menschen in Anschlussunterbringung. Sie beraten und begleiten in Alltagsfragen und erstellen individuelle Integrationspläne. "Corona hat unsere Arbeit wesentlich verändert", so Gutruf-Schröder. Gab es zuvor pro Woche drei offene Sprechstunden, sind nunmehr Gespräche ausschließlich über Terminvereinbarungen möglich.

Nicht alles wird ins Netz verlagert

Generell sind Ämter und Leistungsträger schwerer oder nur auf digitalem Weg erreichbar, haben die indirekten Kontakte über Telefon oder E-Mail stark zugenommen. Für die Geflüchteten stellt das eine hohe Hürde für die Kontaktaufnahme dar, so Gutruf-Schröder. Ehrenamtliche Angebote, beispielsweise bei der Nachhilfe für die Schüler, sind lediglich eingeschränkt nutzbar. Viele ehrenamtliche Kräfte gehören selbst Risikogruppen an. Nach Ende der coronabedingten Einschränkungen steht zunächst die Wiederaufnahme und Erweiterung des Angebots sowie verstärkt aufsuchende Sozialarbeit im Fokus der Integrationsmanagerinnen.

Die aufsuchende Sozialarbeit ist eines der Tätigkeitsfelder von Ngan Pham. Seit Frühjahr in Schriesheim beschäftigt, kennt Pham ihre Arbeit nur unter den Vorzeichen der Pandemie. "Aufsuchende Sozialarbeit lässt sich auch nicht ins Homeoffice verlagern", machte sie in der Beschreibung ihrer Arbeit deutlich. Die Pandemie-Bedingungen mit Mund-Nase-Masken oder 1,50-Meter-Abständen erschwerten ihre Arbeit enorm, bei der es ja gerade auf den persönlichen, direkten Kontakt ankommt. "Aufsuchende Besuche werden daher weiterhin stattfinden", unterstrich sie. Abstriche wären hierbei unmöglich, verdeutlichte sie anhand der Obdachlosenunterbringung im Wiesenweg 25. Diesen Menschen sei eine gesellschaftliche Teilhabe nur sehr eingeschränkt möglich. Dort plane die Stadt die Einrichtung eines Begegnungszentrums, erläuterte Pham in ihrem Ausblick auf die Zukunft. Zu Phams Tätigkeit gehört außerdem die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) sowie die Begleitung des Jugendgemeinderats. Beides werde durch Corona erschwert, beziehungsweise sorgt für reduzierte Angebote bei der OKJA.

Sozialamtsleiterin Christine Söllner unterstrich die enorme Bedeutung des aus Spenden gespeisten Sozialfonds der Stadt für die Arbeit des Sozialamts, der ersten Anlaufstelle für hilfsbedürftige Bürger. Dort können sie neben Beratung über staatliche Hilfen auch eine schnelle, unbürokratische Hilfe in Notfällen erhalten – sei es in Form von Lebensmittelgutscheinen, "Strahlern" oder Zuschüssen. "Dafür ist der Sozialfonds eine wichtige Säule", so Söllner. 120 Strahler und 11.000 Euro an Gutscheinen oder Zuschüssen wurden zuletzt im Jahresschnitt vergeben. Generell stellt Söllner eine Zunahme von staatlicher Hilfeleistungen aufgrund der Pandemie fest. Wohngeldanträge kämen nach und nach auch aus der Mittelschicht.

Sechs Schulsozialarbeiter betreuen an den Schulen in Schriesheim und den Ortsteilen rund 2000 Schüler. In die digitalen Plattformen für Fernunterricht ist die Schulsozialarbeit inzwischen integriert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung