30.12.2020

Schriesheimer Vereine im Lockdown: Wenn es immer schwerer wird zu helfen

Auch bei den sozialen Vereinen fehlt das gesellige Zusammenkommen. Nicht alle Mitglieder können die moderne Kommunikationstechnik nutzen.

Schriesheim. (max) Wie steht es um die Organisationen, die vor allem anderen Menschen helfen, wenn sie ihre Tätigkeiten gar nicht wie gewohnt ausführen können? Vor allem die Älteren und Alten trifft die Isolation hart. Doch auch die Lebensretter sehen sich mit einer schwer lösbaren Situation konfrontiert. "Bei uns ist die Situation so, dass seit März bis auf den Einsatzbetrieb der komplette restliche Betrieb ruht. Wir sind eine Einrichtung der kritischen Infrastruktur, und wir müssen eine Verschleppung durch Infektionen vermeiden. Deshalb wurde der Übungsdienst komplett heruntergefahren", sagt Oliver Scherer, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Schriesheim. Das bedeutet, dass die Feuerwehrleute bis auf den tatsächlichen Dienst keine Übungen machen dürfen.

Gäbe es während den Übungen eine infizierte Person, müssten alle Teilnehmenden in Quarantäne, was den Feuerwehrbetrieb lahmlegen würde. Das macht die Arbeit der Feuerwehr schwierig. "Wir sind alle sehr gut ausgebildet und können unsere Sache, aber es gibt spezielle Einsätze, die muss man regelmäßig üben, und das geht auf Dauer so nicht. Ich bin aber optimistisch, dass sich das im Laufe des nächsten Jahres durch den Impfstoff etwas entspannt", schätzt Scherer die Situation ein.

Durch die Anschaffung modernster Kommunikationstechnik versucht die Feuerwehr auch, die Ausbildung neuer Kräfte wieder aufzunehmen, die pandemiebedingt eingestellt werden musste. Und auch die regelmäßigen Treffen nach den Übungen fallen aus. Diese sind aber ein essenzieller Teil der Kameradschaftspflege innerhalb der Feuerwehr und somit lebenswichtig, meint der Kommandant. Trotzdem bleibt er mit seinem Team immer in Kontakt – sei es über Whatsapp, E-Mail oder Telefon. Und die 200 teilweise schweren Einsätze, die bisher in diesem Jahr anfielen, konnten alle bewältigt werden.

Beim örtlichen Ableger von Amnesty International ist die Situation vor allem schwierig, weil ihnen die so wichtige öffentliche Aufmerksamkeit genommen ist, berichtet die Sprecherin Bärbel Luppe. "Das große Problem ist, dass Corona im Moment die Öffentlichkeit beherrscht, und unsere Arbeit für die Menschenrechte liegt vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit, um die Aufmerksamkeit der Leute auf Menschenrechtsverletzungen zu lenken." Und das teilweise erfolgreich. So konnte letztes Jahr durch einen Briefmarathon das Todesurteil eines 16-Jährigen aus dem Südsudan abgewendet werden.

Der Briefmarathon, der sonst von Amnesty International unter anderem im Schriesheimer Rathaus und in den Schulen beworben wird, findet dieses Jahr fast ausschließlich online statt. Über die Internetseite des Vereins kann man seine Unterschrift gegen eine Menschenrechtsverletzung setzen. Viele der Mitglieder seien schon älter und nicht so vertraut mit Plattformen wie Zoom oder Skype. Deshalb fallen die sonst regelmäßigen Treffen weitestgehend aus.

Auch der Arbeitskreis Schriesheimer Senioren, der sich sonst um Menschen in Pflegeheimen kümmert und auch Nachhilfe an Schulen anbietet, ist in seinem Wirken sehr beschränkt. "Viele brauchen die Gesellschaft, die sind jetzt einsam, und gerade in unserem Alter sind wir eine Risikogruppe. Das ist schon sehr traurig. Für viele Senioren haben die Treffen ihre Zeit sehr strukturiert. Die Woche oder der Monat hatte dann feste Termine – und dadurch, dass das nicht stattfinden kann, fällt auch ein bisschen der Halt weg", sagt Maren Fahmi. Im Sommer traf sich der Verein alle zwei Wochen ersatzweise zum Minigolf, um ein Zusammenkommen weiterhin zu ermöglichen. Doch auch das fällt jetzt aus, was für viele Mitglieder Isolation bedeutet.

Rainer Dellbrügge, der Vorsitzende der Schriesheimer Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt, erklärt: "Es gehören fast alle zur Risikogruppe, wir treffen uns jetzt eigentlich gar nicht mehr – und das schon seit März." Die Arbeit der AWO beschränkt sich aktuell auf Telefonkontakte mit den Mitgliedern. Mehr sei momentan einfach nicht möglich, so Dellbrügge weiter.

Auch Wanda Straka, die Vorsitzende des Schriesheimer Ortsverbandes des VdK, sieht vor allem eine Personengruppe stark benachteiligt: "Vor allem für die Alten ist es sehr schlimm. Wenn sie dann noch verwitwet sind, dann sind sie jetzt ganz allein." Der VdK ist mit 440 Mitgliedern im Ortsverband gut aufgestellt, und die Angebote für Senioren werden dankbar angenommen. Die aktuellen Beschränkungen lähmen jedoch alle Aktivitäten. "Wir wollten gerade das Kaffeekränzchen ausweiten, weil die Nachfrage sehr groß war, das kann man jetzt alles über den Jordan kicken", beklagt Straka. Ihre Arbeit beschränkt sich jetzt ebenfalls ausschließlich auf telefonische Beratungen. "Am schlimmsten ist es für die in den Pflegeheimen, die niemand besuchen darf. Viele von den sehr Alten haben auch Angst und trauen sich gar nicht raus. Und wenn ich dann höre, wie sie am Telefon anfangen zu weinen, dann ist das sehr schwer."

Auch andere Vereine konnten von den Aktionen des VdK profitieren. So tritt normalerweise immer ein anderer Schriesheimer Chor bei der alljährlichen Weihnachtsfeier auf und erhält zum Dank eine kleine Spende. Wann solcherlei Aktivitäten wieder möglich sein werden, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung