02.01.2021

Silvesternacht: Die Bergsträßer blieben eher vernünftig

Silvesternacht: Die Bergsträßer blieben eher vernünftig

Im Erdgeschoss eines Dossenheimer Mehrfamilienhauses hat es am Neujahrstag gebrannt. Dabei waren auch Schriesheimer Feuerwehrleute gefordert. Foto: FFW Schriesheim
Feuerwehrleute verbrachten einen ruhigen Jahreswechsel - Schriesheimer leisteten an Neujahr Hilfestellung für Dossenheimer Wehr

Von Annette Steininger und Philipp Weber

Region Bergstraße. Die Politik hatte im Vorfeld des Jahreswechsels den Verkauf von Feuerwerkskörpern und deren Abbrennen im öffentlichen Raum untersagt – und zudem zum Verzicht aufs Böllern aufgerufen. Zwischen Schriesheim und Weinheim scheint der Appell zumindest zum Teil gefruchtet zu haben. Völlige Stille herrschte zwar nirgends, aber die Feuerwehren verzeichneten deutlich weniger Einsätze als in den Vorjahren. Viele Kräfte konnten den Jahreswechsel sogar vollständig im Kreis ihrer Familien verbringen. Lediglich in Schriesheim war morgens wieder mehr los.

> In Schriesheim ist es in der Nacht auf den 1. Januar eher ruhig geblieben. Das teilte Feuerwehrkommandant Oliver Scherer mit. Seinen Angaben zufolge waren die Kräfte erst am Neujahrsmorgen um 7.47 Uhr in Dossenheim gefordert. In der dortigen Heinrich-von-Kleist-Straße brannte eine Erdgeschosswohnung. Das Gebäude musste geräumt werden, 40 Menschen waren davon betroffen. Die Feuerwehr aus Schriesheim unterstützte die Dossenheimer Brandschützer mit zehn Kräften und drei Fahrzeugen. Schon um 10.07 Uhr stand der nächste Einsatz bevor. Direkt vor dem Alten Rathaus brannte ein Mülleimer. Acht Kräfte fuhren mit zwei Fahrzeugen vor und löschten rechtzeitig genug, um eine Ausbreitung der Flammen auf das Gebäude oder den großen Weihnachtsbaum zu verhindern. Damit sei dieses Mal kein "klassischer" Silvestereinsatz zu bilanzieren, so Kommandant Scherer im RNZ-Gespräch: "In den Vorjahren gab es solche Einsätze immer mal wieder, wenn auch nicht ständig." Er habe den Eindruck, dass in Schriesheim deutlich weniger geböllert wurde als sonst.

> In Weinheim trug der stellvertretende Feuerwehrkommandant Volker Jäger in der Nacht auf Neujahr die Hauptverantwortung. Auch er und seine Kräfte mussten keine Einsätze absolvieren und keine Menschenleben retten. Das hatte beim Jahreswechsel 2019/20 noch anders ausgesehen. Damals hatte die Feuerwehr fünf Einsätze, die eindeutig auf das Abbrennen von Feuerwerk zurückzuführen waren. Überhaupt hatte man es in den Vorjahren zumeist mit Kleinbränden zu tun, sobald der Verkauf von Leuchtraketen und Knallern begonnen hatte. Aus seiner Sicht hätten die vielen Verzicht-Appelle ihre Wirkung nicht verfehlt, so Feuerwehrsprecher Ralf Mittelbach: "Es wurde deutlich weniger geknallt. Und als ich an Neujahr in der Stadt unterwegs war, habe ich auch viel weniger Überreste von Feuerwerk wahrgenommen als sonst", sagte er der RNZ. Auch Stadtsprecher Roland Kern schätzt, dass die Menge an gezündeten und zuvor wohl gebunkerten Böllern nur einen Bruchteil von der Feuerwerksmenge des Vorjahrs ausgemacht hat; wenngleich ihm durchaus Überreste aufgefallen seien, gerade in der Umgebung der Stadt.

Feuerwehrsprecher Mittelbach unterstreicht zudem, dass es bei den Appellen nicht allein darum gegangen sei, die Kliniken zu entlasten: In Pandemie-Zeiten sei es für die Arbeit der Feuerwehren extrem hilfreich, wenn die Zahl der Einsätze überschaubar bleibt. Schließlich sollten auch und gerade die freiwilligen Brandbekämpfer möglichst wenige Kontakte außerhalb ihrer Bezugsgruppen haben.

> In Hirschberg hat die Freiwillige Feuerwehr das Jahr "in Ruhe" abgeschlossen, wie Kommandant Peter Braun auf Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung sagt. Die Wehr musste über den Jahreswechsel nicht ausrücken. Allerdings habe sie auch in den Vorjahren, als es noch keine Einschränkungen beim Böllern gab, keine großen Einsätze vom 31. Dezember auf den 1. Januar gehabt. "Da hat höchstens mal Abfall gebrannt", berichtet Braun. Und fügt schmunzelnd hinzu: "Die Hirschberger sind eben vernünftig." Ansonsten war 2020 "ein normales Feuerwehr-Jahr", was die Zahl der Einsätze betrifft. Insgesamt 83 Alarmierungen verzeichneten die Hirschberger Einsatzkräfte. "Wir sind im Schnitt immer bei um die 70 bis 80 Einsätzen", so der Kommandant.

> Auch am Neckar ist es über Silvester offenbar ruhig geblieben. So hatte Stephan Zimmer, Feuerwehrkommandant in Edigen-Neckarhausen, in der Nacht auf Neujahr keinen einzigen Einsatz seiner Freiwilligen zu verzeichnen. Auch in Ladenburg wurden ebenfalls keine größeren Vorkommnisse bekannt.

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Ein Einsatz, wie er wohl immer mal vorkommen kann: Schriesheimer Kräfte löschten am Vormittag des Neujahrstags den Mülleimer vor dem Alten Rathaus. Foto: FFW Schriesheim

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung