04.01.2021

Dauerstreit in Altenbach lähmt die dringendsten Projekte

Das Klima im Ortschaftsrat ist rau - Allerdings liegt das auch an völlig unterschiedlichen Auffassungen, was vier Vorhaben angeht

Schriesheim-Altenbach. (hö) Das Klima im Ortschaftsrat ist schon seit Jahrzehnten rau. Doch auch das letzte Jahr brachte keine Abkühlung der Gemüter – im Gegenteil. Regelmäßig beharken sich Ortsvorsteher Herbert Kraus (Freie Wähler) und sein schärfster Kontrahent Christian Wolf (Grüne Liste). Neben persönlichen Animositäten geht es dabei auch um unterschiedliche Auffassungen bei wichtigen Projekten.

> Die Feuerwehrhalle: Im Juni eskalierte der Streit, dabei ist grundsätzlich unstrittig, dass die Wehr einen Extra-Standort benötigt, weil es im alten Gerätehaus zu beengt zugeht. Doch die große Frage ist, wo eine Halle für zwei Fahrzeuge hinkommen soll. Die Grüne Liste ist für die Hauptstraße 28, ein überwuchertes Brachgelände, das eigentlich zu einem Parkplatz hergerichtet werden sollte. Doch der unmittelbar angrenzende Nachbar hat angekündigt, gegen diesen Bau rechtlich vorzugehen, weil der direkt an sein Haus kommen würde. Unterdessen hatten sich die Freien Wähler für das Areal Hauptstraße 26 ("Bretschi-Scheune") stark gemacht, was wieder um Feuerwehrkommandant Daniel Hermann ablehnte, weil die Zufahrt zu eng ist. Er favorisiert wie die Grüne Liste die Hauptstraße 28. Unterdessen scheiterte Karin Malmberg-Weber (SPD) mit ihrem Vorstoß für einen kompletten Feuerwehr-Neubau am Ortseingang Richtung Schriesheim.

> Trauerhalle: Das Gebäude auf dem Friedhof ist in einem beklagenswerten Zustand. Ende September scheiterte Ortsvorsteher Kraus mit seinem Vorschlag einer Mini-Sanierung für 50.000 Euro, genauso wie Malmberg-Weber, die einen 300.000 Euro teuren Neubau gefordert hatte. Am Ende setzte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer durch, der eine vergleichsweise günstige Renovierung – vor allem die Sanierung der desolaten Toiletten – befürwortet hatte. Geschehen ist aber noch nichts.

> Dorfladen und Café: Schon seit 2018 ringt eine Bürgerwerkstatt mit der Frage, ob Altenbach, dessen Infrastruktur immer weiter ausdörrt, nicht einen Dorfladen braucht. Doch in diesem Jahr türmten sich die Probleme: Die Arbeit der Bürgerwerkstatt wurde durch Corona unterbrochen, die Standortfrage des Ladens ist weiterhin ungeklärt, alle Optionen (Volksbank-Filiale oder Café Flößer) haben ihre Tücken. Und nicht zuletzt funkte das Projekt eines Cafés im evangelischen Gemeindehaus dazwischen. Denn eigentlich hätte ein Ausschank zum Dorfladen gehört. Unterdessen ebneten Stadt, Kirche und Förderverein ab September diesem Projekt den Weg.

> Spielplatz: Das Gelände ist ein Bild des Jammers, seitdem der TÜV im Mai die letzten Spielgeräte – bis auf Sandkasten und Schaukel – abmontieren ließ. Dabei stand Geld für eine Sanierung bereit. Doch alles hakt an der unklaren Frage, wie der Besitzer einer Wiese hinter dem Spielplatz dorthin gelangen kann – die einzige Zufahrt führt über den Spielplatz. Im November und Dezember eskalierte der Streit, zumal Wolf voreilig einen Durchbruch verkündete – auch wenn sich eine Lösung für die Zufahrt abzeichnete. Der Rest des Ortschaftsrates warf Bürgermeister Höfer und Wolf vor, das Gremium übergangen zu haben.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung