07.01.2021

Metzgerei Schäfer schloss zum Jahresende

Filiale in der Heidelberger Straße zu - Gründe: zu wenig Fachpersonal und Kunden - Wieder ein Geschäft weniger

Schriesheim. (hö) Zum Jahresende verschwand wieder ein Geschäft aus der Heidelberger Straße: Die Ladenburger Metzgerei Schäfer machte ihren Schriesheimer Ableger dicht. Vor knapp sieben Jahren, Ende April 2013, hatte Manfred Schäfer in einem ehemaligen Käseladen die neue Filiale etabliert; neben dem Hauptsitz in Ladenburg, wo produziert wird, gibt es ein weiteres Geschäft in Dossenheim. Bei diesen ist keine Änderung geplant. Damit hat Schriesheim nur noch eine Metzgerei, 13 Hausnummern weiter: den Traditionsbetrieb Urban, den Alexander Urban in vierter Generation 2009 von seinem Vater Klaus übernommen hatte. Hier hatte Manfred Schäfer übrigens 1975 gelernt.

Dass sich Schäfer aus Schriesheim zurückzieht – die Filiale leitete sein Sohn Dennis –, habe mehrere Gründe: Erstens gebe es viel zu wenig Fachpersonal. Im ganzen Rhein-Neckar-Kreis würden nur gut 20 Lehrlinge in dieser Branche ausgebildet, "dabei ist das doch ein hochinteressanter Beruf", meint Schäfer, "auch wenn nicht jeder mit den schwierigen Arbeitszeiten klarkommt". Und zweitens werde es immer schwieriger, Kunden ins Geschäft zu lotsen. Ihnen sei oft die Parkplatzsuche zu mühselig – Schäfer: "Am liebsten wollen alle direkt ins Geschäft fahren" –, da steuern viele lieber die großen Märkte an, wo man problemlos davor parken könne. Und dort bekommt man alles unter einem Dach – da muss man nicht extra zum Metzger.

Diese Tendenz kennt Schäfer auch aus Ladenburg, wo in den letzten Jahren viel weggebrochen sei – noch nicht mal mehr einen eigenen Bäcker gibt es in der Altstadt, Schäfer ist der letzte verbliebene Metzger – von einst sieben. Der große Wandel habe vor gut 15 Jahren eingesetzt, als die Kunden im Zuge von "Geiz ist geil" besonders auf den Preis achteten – und die Lebensmittel, gerade bei den Discountern, immer billiger wurden: "Die gelten heute nichts mehr", sagt Schäfer bitter.

Der 62-Jährige findet zudem, dass die Attraktivität der Heidelberger Straße nachgelassen habe: So hielt sich direkt gegenüber das Obst- und Gemüsegeschäft auch nicht lange – und Kurzzeitparker müssten mit Strafzetteln rechnen. Zudem, so hat er es zumindest im Falle des Ladenburger Stadtmarketings beobachtet, kümmere sich die Stadt eher um die Gastronomie, "dabei sind wir Läden es, die das ganze Jahr über Leben ins Zentrum bringen". Und so würden die Innenstädte langsam aussterben, im Grunde würden nur noch diejenigen einen Laden betrieben, dessen Besitzer sie auch sind. Allerdings beteuert Schäfer, dass die Schließung keinesfalls an einer zu hohen Miete gelegen habe: "Der Vermieter war immer sehr kooperativ."

Er und sein Sohn hätten "viel Herzblut" in die Schriesheimer Filiale gesteckt, und viele Kunden hätten ihr Aus bedauert. Manche kündigten an, nun eben nach Ladenburg oder Dossenheim zu gehen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung