07.01.2021

Hundehasser am Werk: Gibt es eine Giftköder-Serie in Schriesheim?

Ein Mischling kam an Silvester in die Tierklinik, nachdem er auf den Feldwegen in Richtung Leutershausen unterwegs war

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es ist am Ende noch einmal alles gut gegangen, aber bei Astrid Spies sitzt der Schock immer noch tief. Spies, die man aus dem WG-Laden und als ehemalige Moderatorin der Weinhoheiten-Krönung kennt, war am Silvesternachmittag mit ihrem zweieinhalbjährigen Mischling Tommy auf einem Feldweg Richtung Leutershausen unterwegs. Dort ließ sie ihn zwar von der Leine, aber Tommy blieb eigentlich immer dicht bei ihr. Dass sie sich von den Weinbergen fernhielt, hatte einen Grund: Schon vor einigen Wochen hatte ihr ein anderer Hundehalter berichtet, dass gerade am Waldrand Giftköder ausgelegt seien, es seien sogar Warnzettel aufgehängt.

Als sie dann nach Hause kam, begann der Hund zu zittern, schließlich wurde er apathisch. Sofort fuhr sie mit ihrer Tochter zur Heidelberger Tierklinik, in der nach ein paar kurzen Tests festgestellt wurde, dass Tommy vergiftet worden war. Er wurde an eine Infusion angeschlossen, "und dann lief alles raus", sagt Spies. Sie hatte allerdings nicht beobachtet, dass Tommy irgendetwas gefressen hatte. Mittlerweile hat der robuste Mischling, der vorher noch nie beim Tierarzt war, alles gut überstanden – aber laut der Tierärztin lässt sich nicht feststellen, womit der Hund vergiftet wurde. "Jetzt ist er wieder der alte", meint Spies erleichtert, "wir hatten einfach Glück."

Am nächsten Tag fasste sich Spies ein Herz und informierte per Whatsapp andere Hundehalter, auch beim Gassigehen sprach sie alle an, die mit ihrem Tier unterwegs waren, um sie zu warnen. Dabei erfuhr sie, dass es durchaus bekannt ist, dass Unbekannte Giftköder auslegen; Leutershausener Hundebesitzer hätten ihr sogar gesagt, dass sie deswegen schon nicht mehr mit ihrem Tier Richtung Schriesheim gingen. Wer hinter dieser mutmaßlichen Serie steckt, ist nicht bekannt, Spies vermutet dahinter radikale Hundehasser. "Ich verstehe persönlich die Wut der Leute, gerade was die vielen Hundehaufen angeht. Als Winzerin gibt es nichts Schlimmeres, als ständig in Kot zu stapfen." Und viele Tierhalter hätten auch überhaupt kein Unrechtsbewusstsein, wenn sich ihr Hund im Wingert erleichtert oder dort herumwühlt. Dass allerdings derart gewaltsam gegen die Hunde vorgegangen werde, das habe sie doch sehr schockiert.

Angezeigt hat Spies die versuchte Vergiftung bisher noch nicht. Denn das Gift sei nicht mehr festzustellen: "Da habe ich nichts in der Hand." Deswegen habe sie sich in den letzten Tagen darauf beschränkt, eventuell Betroffene zu informieren – und vor allem darauf hinzuweisen, dass man bei Vergiftungserscheinungen nicht lange fackeln und am besten gleich bei der Tierklinik anrufen sollte.

Beim Polizeipräsidium Mannheim wusste ein Sprecher am Dienstag bisher noch nichts von der Schriesheimer Giftköder-Serie, er müsse sich beim Schriesheimer Polizeiposten erst noch schlau machen. Einige seiner Beamten hingegen, so berichtet Spies, hätten sich schon nach dem Befinden Tommys erkundigt – die Nachricht von den Giftködern macht also schon ihre Runde in der Stadt.

Generell würden solche Fälle nicht allzu oft angezeigt, weil der Nachweis so schwer zu erbringen sei, sagte ein Polizeisprecher der RNZ. Meist warnten die Hundebesitzer sich gegenseitig. Allerdings wurde Anfang Dezember ein solcher Fall aus Dossenheim gemeldet, im Mai 2019 wurden zwei tote Tiere im Wald am Naturfreundehaus Kohlhof gefunden. Am 6. Juni berichtete die RNZ über einen Labrador aus der Schönauer Straße, der mit Schinken umwickeltes Rattengift gefressen hatte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung