09.01.2021

Das ist der Stand bei den Impfungen in Altenheimen

Ende Dezember kam das Gesundheitsamt im Altenbacher "Haus Ella" vorbei. "Stammberg" und "Edelstein" warten noch auf Termine.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Von den drei Schriesheimer Altenheimen ist das kleinste, das "Haus Ella" in Altenbach, durchgeimpft. Zudem bietet die Initiative "Schriesheim hilft", die bereits im ersten Lockdown Lebensmittel- und Medikamententransporte für ältere Mitbürger angeboten hat, konkrete Hilfe, also bei der Organisation von Impfterminen oder beim Transport zu den Impfzentren, an. Denn nicht jeder kommt bei der Impfhotline 116117 durch, auch das Ausfüllen der Onlinebögen ist für viele Impfberechtigte – im Moment vor allem Über-80-Jährige – nicht möglich. Allein in Schriesheim zählen dazu rund 1150 Personen.

Wer Hilfe benötigt oder selbst seine Mitarbeit anbieten möchte, kann sich an Lissy Breitenreicher wenden. Sie ist erreichbar unter Telefon 0170/4839966 oder per E-Mail an liseloreb@web.de. Oder man kontaktiert das Rathaus (Telefon: 06203/602-124, E-Mail: hilfe@schriesheim.de). Das ist der aktuelle Stand in den drei Altenheimen im Stadtgebiet:

> Stammberg: Heidi Farrenkopf vom Betreiber Evangelische Stadtmission hat alle nötigen Unterlagen abgegeben, sie wartet allerdings noch auf einen Termin für fast alle ihre sieben Seniorenheime; am Donnerstag war das Hanna-und-Simeon-Heim in Dossenheim an der Reihe – wohl, weil es eine eher kleine Einrichtung ist; der Stammberg" ist mit 80 Bewohnern (und etwa genauso viel Pflegern) das mit Abstand größte Altenheim in Schriesheim. Allgemein sei unter Bewohnern und Pflegern das Interesse an den Impfungen groß, allerdings weiß auch Farrenkopf wie begrenzt gerade die Dosen sind. Mittlerweile seien auch alle Betreuer angeschrieben worden, auch wurden Aufklärungsgespräche geführt – was durchaus aufwändig war. "Ich hatte gehofft, dass es schneller gehen würde", bekennt Farrenkopf. Und wie zieht das Personal mit? "Das Spektrum ist breit: Das reicht von fast 100 Prozent Impfbereitschaft bis hin zu etlichen, die noch zögerlich sind. Wir versuchen jetzt, mit Aufklärungsarbeit die Mitarbeiter zu motivieren."

Als Gründe für das Zögern nennt Farrenkopf "diffuse Ängste, da gibt es die wildesten Gerüchte". Sie sagt aber auch: "Keiner wird von uns zum Impfen genötigt."

> Edelstein: Auch Hubertus Seidler vom Betreiber Senioren-Wohnstift Bühl (SWB) wartet noch auf einen konkreten Impftermin. Aber noch arbeitet die Firma an den nötigen Unterlagen, denn bisher ist der Rücklauf von Betreuern und Bewohnern eher zögerlich. In den insgesamt 19 SWB-Heimen mit seinen 1950 Bewohnern – davon 40 im Edelstein – würden nur "zwischen zehn und 15 Prozent einer Impfung zustimmen", so Seidler. "Das gibt ein Desaster", meint Seidler, "die Leute sind verunsichert" – nachdem sie von angeblichen Komplikationen oder gar Todesfälle nach der Impfung gehört hätten: "Die Leute verwechseln das Sterben im Altenheim mit angeblichen Folgen von Impfungen", sagt Seidler, dabei liege die Sterberate im letzten Jahr unter der des vorletzten Jahres. Gründe seien vor allem die Maskenpflicht und die Zugangsbeschränkungen, denn die Infektionen – und zwar nicht nur Corona – würden nun mal von den Besuchern eingeschleppt. Dass das Haus Stammberg wie auch die beiden anderen Schriesheimer Altenheime von einem Covid-19-Ausbruch verschont blieb, sei in erster Linie Glück. Aber es liegt auch an seiner Struktur: Während hier vor allem Pflegefälle liegen, betreibt SWB vor allem "Betreutes Wohnen": Hier sind die Bewohner mobiler – und fangen sich leichter etwas ein. Und deswegen kam es in solchen Einrichtungen von SWB auch schon zu größeren Infektionen.

Und wie sieht es bei dem Personal aus? Die Impfbereitschaft sei, so Seidler, "unterschiedlich", erreiche aber bisher nur 20 Prozent. Das liege daran, dass die Pfleger ständig auf die Hygienevorschriften achteten, "sie schützen sich täglich". Zudem warteten viele ab, denn nicht jeder traut dem eilig hergestellten Impfstoff. Allein deswegen rechnet Seidler nicht mit einer schnellen Durchimpfung: "Das wird nur Stück für Stück funktionieren, bis alle zugestimmt haben. Einmal hingehen und alle impfen – das ist unrealistisch."

> Haus Ella: Leiter Joachim Veigel ist erleichtert, denn sein Haus ist seit dem 29. Dezember vollständig geimpft. Bereits kurz vor Weihnachten forderte das Gesundheitsamt die Impfdaten an, über die Weihnachtsfeiertage telefonierte Veigel mit den Betreuern: "Ich habe alle erreicht, die meisten sind sowieso Angehörige – und die wurden dann auch noch vom Gesundheitsamt kontaktiert." Schließlich rückte ein Impfteam mit vier Personen an – das Altenbacher Seniorenheim war das zweite auf der Liste der Impfer. Veigel: "Ich vermute mal, dass das an unserer Größe lag, als erstes kamen die kleinen Häuser dran." Bis auf einen ließen sich alle Bewohner piksen darunter auch das Ehepaar Traudel und Ludwig Weiß, das am zweiten Weihnachtstag seinen 80. Hochzeitstag feiern konnte. Der 104-jährige ehemalige Altenbacher Lehrer hatte noch gefragt: "Lohnt sich das bei mir noch?" Es lohnte sich – zumal Komplikationen bis auf schwere Arme ausblieben.

Beim Personal liegt die Impfquote allerdings niedriger als bei den 27 Bewohnern, bei rund 50 Prozent. Veigel erklärt sich das so: "Da gibt es viel Nichtwissen, und dagegen kann man nur schwer dagegen argumentieren." Sich selbst und seine Familie hat Veigel auch impfen lassen. Einen Coronaausbruch hat es in diesem Heim noch nicht gegeben: "Wir passen aber auch auf wie die Schießhunde", sagt Veigel.

Zudem gebe es hier immer das gleiche Personal, also keine Leihkräfte. Zum zweiten Mal, für die nächste Dosis, kommt das Gesundheitsamt am 19. Januar wieder. Eine Mitarbeiterin, die während der Impfaktion im Weihnachtsurlaub war, musste sich um einen Termin beim Impfzentrum in Heidelberg bemühen – "das ging ganz fix".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung