21.01.2021

Langsam spielt sich "Click and Collect" ein

Das Bestellen klappt auch telefonisch. Prinzipiell ist auch oft ein Lieferservice möglich. Damit soll die Kundenbindung erhalten werden.

Von Max Rieser

Schriesheim. Seit dem 11. Januar haben die gebeutelten Einzelhändler die Möglichkeit, einen Abhol- und Lieferdienst anzubieten, um trotz geschlossener Läden ihre Waren an den Kunden zu bringen. Eine vollständige Liste der teilnehmenden Geschäfte liegt seitens der Stadt noch nicht vor, wird aber aktuell von Schriesheims Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger zusammengestellt. Mit einigen hatte er schon Kontakt und weiß zu berichten: "Der Januar ist generell ein schwieriger Monat für den Einzelhandel, aber die Lage jetzt macht es natürlich noch komplizierter." Bis jetzt sind fünf Läden auf der städtischen Homepage aufgeführt. Um die Liste aktuell zu halten, können sich die Betriebe per E-Mail an wirtschaftsfoerderung@schriesheim.de oder per Telefon 06203/602140 melden.

Doch wie läuft das Angebot? Viele konnten zwar im Frühjahrs-Lockdown 2020 schon einige Erfahrungen sammeln, ungewohnt bleibt es trotzdem, in den leeren Läden zu stehen. "Ich habe es schon ins Schaufenster geschrieben", berichtet Ingrid Bosselmann-Weinland, die Inhaberin des Geschenk- und Inneneinrichtungshauses "Opus". Die Kunden können sich die Waren im Schaufenster oder auf der Internetseite des Geschäftes ansehen und dann per Telefon bestellen.

"Während der normalen Öffnungszeiten sind wir kaum auf das Onlinegeschäft angewiesen, aber jetzt können die Leute sich dort wenigstens die Sachen anschauen", berichtet die Inhaberin. Zögerlich werde es angenommen, was vielleicht auch am Angebot liegt, das zum Stöbern einlädt, was aus der Distanz schwierig ist. "Es ersetzt jetzt nicht den normalen Umsatz, aber so kann man ein bisschen für die da sein, die uns auch gern unterstützen wollen. Und das machen auch viele Stammkunden."

Von ihrer Internetpräsenz profitiert auch Violaine Munkes. Sie übernahm das "Kinderlädchen" in der Heidelberger Straße vor eineinhalb Jahren und baute auch gleich eine Internetseite auf. Hier können die Kunden einen großen Teil des Sortiments einsehen und wie bei einem Online-Versandhaus bestellen: "Der große Aufwand für die Internetseite lohnt sich jetzt doch ein wenig", sagt Munkes. Zu festen Abholzeiten kann man die vorbestellten Artikel aber auch persönlich am Laden abholen: "Alle Artikel sind leider nicht auf der Seite, das ist schon sehr aufwendig, alles reinzustellen, die Kleidung ist aber fast komplett auf der Seite zu finden." Das sei auch wichtig, berichtet Munkes, da die Artikel für die kommende Saison, die im Herbst bestellt werden mussten, schon geliefert wird, und es langsam zum Stau kommt. Und die Kunden kommen. Das liegt vielleicht am Winterschlussverkauf, den das "Kinderlädchen" anbietet, mutmaßt die Inhaberin, aber mit der ersten Woche des "Click and Collect" ist sie zufrieden.

"Utes Bücherstube" hat das "Fenster zum Hof" auch seit einer Woche zum telefonischen Bestellen und Vor-Ort-Abholen geöffnet und: "Es wird gern wahrgenommen, und die Leute freuen sich auch, wenn sie in dem Laden, wo sie auch die Leute kennen, einkaufen können. Das ist für viele auch etwas Positives zwischendurch", sagt Eigentümerin Regine Hindorf. Einen Internetkatalog hat sie nicht, das sei aber weniger wichtig, da der telefonische Kontakt mit den Kunden auch die persönliche Beratung erleichtere.

Daniela Schmidt, die mit ihrem Bruder Florian Kimmel das Blumengeschäft Kimmel führt, berichtet: "Es ist ja jetzt auch die einzige Möglichkeit, für die Kunden da zu sein, und wir brauchen natürlich auch ein bisschen was in die Kasse." Eine Bestellung ist per Telefon möglich. "Das Abholen läuft auch gut an seit letzter Woche, da freuen wir uns natürlich", sagt Schmidt.

Ähnliche Erfahrungen macht Angelika Gottschling, deren Blumenladen "Blumen Angelika" auch kontaktloses Abholen der Blumen vor dem Laden möglich macht, indem man einen Strauß wegnimmt und das Geld einwirft: "Wir sind froh, dass die Leute wieder kommen dürfen. Das hat im Frühjahr schon super geklappt, und das war ein großes Übel, dass das die ganze Zeit nicht ging." Im Winter sei das Geschäft zwar immer etwas schwieriger, aber sie ist erleichtert, dass sie wieder Kundenkontakt hat.

Stephanie Parketta von "Wilhelm Müller Haus- und Gartenbedarf", bemerkt, dass das Verbot für die Abholung im Dezember und Anfang Januar die Geschäfte aus der Aufmerksamkeit der Kunden genommen hat: "Wenn der Faden da abgerissen ist, ist es schwierig, die Leute wiederzugewinnen. Im Frühjahr kam das gut an, und wir hoffen, das wird wieder mehr." Seit dieser Woche kann zwischen 10 und 12 Uhr bestellt und abgeholt werden. Das Sortiment kann am Telefon erfragt und im Schaufenster begutachtet werden.

Ein Lieferservice ist gerade für ältere oder weniger mobile Menschen, die aber trotzdem den regionalen Einzelhandel unterstützen wollen, interessant – und die RNZ erreichten schon die ersten Beschwerden von Menschen, die kein Internet haben und nicht gut zu Fuß sind. Dabei zeigen sich die meisten Läden prinzipiell offen. "Ich kann es nicht jeden Tag ausfahren, aber immer, wenn sich ein bisschen was gesammelt hat, dann machen meine Mitarbeiterinnen und ich unsere Runden und liefern es aus", sagt Munkes.

Ingrid Bosselmann-Weinland gibt an: "Innerhalb Schriesheims liefere ich alles kostenfrei. Wenn es dann nicht nur etwas für 4,95 Euro ist, bringe ich es aber natürlich auch außerhalb Schriesheims vorbei." Hindorf von der Bücherstube sagt: "Wir liefern da, wo es notwendig ist und wir es bewerkstelligen können, aber es ist ein Kraftakt. Wir haben dafür eigentlich nicht die Infrastruktur." Außerdem hofft sie, dass die Leute sich das Einkaufen in den Geschäften nicht abgewöhnen. Stephanie Parketta ist viel unterwegs. Auch die Haushaltswarenhandlung liefert innerhalb Schriesheims und ähnlich wie das Opus: "Wenn es nicht nur ein Artikel für drei Euro ist" auch in die umliegenden Gemeinden.

Bevor die Abholungen möglich waren, bot Blumen Kimmel auch schon einen Lieferdienst an, um Beerdigungen mit Blumen zu versorgen und auch das Weihnachtsgeschäft etwas zu überbrücken. Diesen Dienst bieten sie auch weiterhin innerhalb Schriesheims kostenlos an.

So macht es auch Angelika Gottschling, die sagt: "Wir konnten darüber sogar neue Kunden gewinnen, die jetzt jede Woche einen Blumenstrauß geliefert kriegen, um auch mal etwas Positives zu berichten. Ich denke aber, viele werden weiterhin zum Abholen kommen, um auch einfach mal ein bisschen raus zu gehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung