25.01.2021

Homeschooling: Schriesheimer sammelt Laptops für Realschüler

Schon 20 wurden fürs Homeschooling zur Verfügung gestellt - Bitte um Spenden

Von Maren Schenk

Schriesheim. Ein Bedarf, eine gute Idee und dann die Umsetzung – nun können sich rund 20 Schüler der Kurpfalz-Realschule Schriesheim über Geräte fürs Homeschooling freuen. Eine verbindende Rolle spielte dabei ein Bandoneon, ein akkordeonähnliches Instrument. Doch der Reihe nach.

> Der Bedarf: Von den 420 Realschülern haben einige kein Endgerät zu Hause – und damit wird Homeschooling schwierig bis unmöglich. Während des ersten Lockdowns hat die Schule einige Chromebooks ausgeliehen, die am Ende des Schuljahrs zurückgegeben werden mussten, berichtet Schulleiterin Petra Carse. Der Bedarf wurde bei den Eltern am Schuljahresende angefragt – und so bestellte die Schule über das Sofortausstattungsprogramm des Bundes für mobile Geräte 30 iPads, die im August 2020 zugesagt worden waren. Wegen Lieferproblemen ist bisher kein Gerät angekommen. Seit Ende letzten Jahres sind die Schulen wieder geschlossen – und der Bedarf an Geräten wegen Homeschooling ist wieder da.

> Die Idee: "In den Kellern von Firmen und Privatleuten schlummert sicher noch einiges funktionsfähiges Equipment, das noch nutzbar wäre", sagt Peter Mandos, Berater, IT-Spezialist, Gestalter von "Projekten für alles, was durch Kreativität geschaffen und unterstützt werden kann". Eine Weiterverwendung von Geräten sei auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

> Das Bandoneon: Norbert Kotzan, Musiklehrer an der Realschule und dort auch Medien- und IT-Beauftragter, unterrichtet privat Peter Mandos am Bandoneon. Dabei kommen sie auch auf die fehlenden Geräte in der Realschule zu sprechen. Und die beiden Männer setzen die Idee um. Mit Unterstützung eines Netzwerks von selbstständigen Beratern, zu dem auch Mandos gehört – mit dem Namen TCI: Transforming Consulting International, Mannheim –, startete er eine Kommunikationskampagne mit dem Ziel, PCs von Privatpersonen und Organisationen zu erhalten. Die Voraussetzung: Die Computer müssen leistungsfähig genug sein, um über das Internet und mit einer Videokonferenz-Software ausgestattet im Homeschooling zu funktionieren, und sollten über ein Betriebssystem nicht älter als Windows 7 verfügen. Bisher wurden 40 Geräte für die Realschule gespendet, die meisten von Vitagroup, einem Unternehmen mit Hauptsitz in Mannheim, berichtet Mandos. Die Firma Vitagroup entwickelt und etabliert digitale Lösungen und Produkte für eine vernetzte Gesundheitsversorgung.

> Die Arbeit: "Die erste Hürde des Projekts war die Datensicherheit", so Mandos. Die alten Daten mussten sicher und endgültig gelöscht werden – und nicht etwa missbraucht werden können; erst dann können die Geräte weiterverwendet werden. Mandos holte sich Unterstützung von IT-Experten – und mit den angewendeten Lösch-Verfahren seien die Daten vollständig gelöscht. Damit begann die Arbeit von Kotzan: Er machte die Geräte fit fürs Homeschooling – installierte Windows 10 und Software wie MS Office 365 und MS Teams. "Die zahlreichen Stunden habe ich gern für etwas Gutes investiert", sagt Kotzan. Inzwischen konnten etwa 20 Laptops an Schüler ausgeliehen werden.

Die Geräte bleiben Eigentum der Schule, sie müssen nach Schulabschluss zurückgegeben werden. "Der Freundeskreis der Realschule unterstützt das Projekt ebenfalls, indem er die Windows-10-Lizenzen bezahlt", so Kotzan. "Wir haben noch etwa 20 Standgeräte, die wir jetzt nach und nach aufrüsten." Christiane Haase startete daher einen Aufruf über die Facebook-Seite des Gesamtelternbeirats, Monitore zu spenden – die Resonanz sei gut, berichtet sie. "Wir rechnen mit weiteren Anfragen von Eltern nach Geräten", so Schulleiterin Carse.

> Die Bitte: Daher suchen die beiden Initiatoren nach weiteren Geräten: Wer noch ungenutzte, aber funktionsfähige Geräte im Keller hat, kann sich an Peter Mandos wenden (E-Mail: mandos@petermandos.de) – sowohl Privatpersonen als auch Firmen. "Die Geräte könnten dann auch an andere Schulen weitergegeben werden", sagt Kotzan. "Mit der laufenden Initiative haben wir am Beispiel der Kurpfalz-Realschule bewiesen, dass es funktioniert – und wir werden immer schneller in der Umsetzung. Unsere Erfahrungen und unser Wissen möchten wir anbieten, um solche Projekte auch in größerem Rahmen anzuschieben", sagt Mandos. Ihm schwebt vor, dass auch die vielen ausgemusterten Endgeräte in Universitäten, Fachhochschulen und Verwaltungsinstitutionen des Landes für ein solches Projekt genutzt werden könnten. "Bisher stoße ich noch auf Widerstand im Wissenschaftsministerium", bedauert er. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung