28.01.2021

90 Prozent Impfquote im Haus Stammberg

90 Prozent Impfquote im Haus Stammberg

Mitarbeiter des zentralen Impfdienstes und des DRK Heidelberg waren am Montag zum Impfen im Haus Stammberg, dem größten Seniorenheim Schriesheims. Foto: Dorn
Am Montag bekamen erst die Bewohner, dann die Mitarbeiter die erste Dosis des Herstellers Moderna.

Schriesheim. (max) Es geht hoch her im Haus Stammberg an der Talstraße. Aufgeregter Betrieb herrscht auf den Fluren, fast könnte man meinen, ein Fest stünde bevor. Der am Montag anstehende Impftermin für Anwohner und Personal des Pflegeheims würde normalerweise weniger Aufsehen erregen, doch durch die Pandemie werden die Impfungen zum Ereignis.

Drei Teams des zentralen Impfzentrums Heidelberg sind mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes angerückt. Seit kurz vor 10 Uhr werden zunächst die Einwohner nach Bereichen danach das Personal gepikst. Von den 160 Personen, die in Zusammenhang mit dem Seniorenheim stehen, werden 144 geimpft – eine stolze Quote von 90 Prozent. Bei den übrigen ist aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht möglich, oder sie waren nicht zur Impfung bereit. "Wir sind froh, dass es so viele sind", sagt der Leiter der Einrichtung, Michael Meisel. Trotzdem ist die Aufregung groß, und Meisel hat alle Hände voll zu tun, um die letzten Fragen des Personals zu klären: Sollen sie öfter Fieber messen als sonst? Gibt es noch anderes zu beachten? Vor allem viel Aufmerksamkeit soll den Anwohnern nach dieser aufregenden Aktion gewidmet werden, da ein solches Ereignis für die teilweise sehr alten Menschen nervenaufreibend sein kann.

Bereits im Dezember hatte Meisel die Impfungen beim Rhein-Neckar-Kreis beantragt und sofort mit der Organisation des Termins begonnen. Die Anwohner mussten befragt werden, bei manchen die Zustimmung der Angehörigen oder Betreuer eingeholt werden. Außerdem standen medizinische Tests an, um die Impffähigkeit der Senioren einzuschätzen. "Das war alles ein hoher Aufwand und auch viel Bürokratie", berichtet der Heimleiter. Auch die Aufklärung über den Impfstoff musste zweimal erfolgen, da man erst davon ausging, das Vakzin des Mainzer Unternehmens Biontech zu verwenden. Aufgrund der besseren Verfügbarkeit wurde es aber dann das Präparat des US-Konzerns Moderna. Erst am Mittwoch wurde der Termin bekannt gegeben. Bedenken gab es bei den Einwohnern fast keine. Einige wollten lieber anderen den Vortritt lassen, da sie sich selbst schon für zu alt hielten, um noch geimpft zu werden. Beim Personal herrschte teilweise Unsicherheit, und viele wollten erst noch abwarten, um zu sehen, wie andere die Impfungen vertragen. Einige hatten Zweifel aufgrund von Gerüchten und Falschmeldungen. Diese Bedenken nahm die Heimleitung ernst und konnte sie in den ohnehin wöchentlich stattfindenden Personalmeetings ausräumen. "Darauf sind wir auch stolz, dass wir jetzt so eine hohe Impfquote bei uns im Haus erreichen konnten", sagt Meisel. Er selbst war noch nicht an der Reihe, da die Angestellten erst zum Schluss gepikst werden.

Alle sind froh, dass sich etwas tut und man das Gefühl bekommt, es gibt doch noch eine Zeit nach der Pandemie. Für die Angestellten ist die Belastung hoch. Man will den Einwohnern weiterhin Besuche ermöglichen, deshalb wird viel getestet, und auch die Hygienemaßnahmen und das Arbeiten mit FFP2-Maske sind strapaziös. "Ich bin sehr froh, dass es endlich losgeht. Vorbei ist es nicht, das wissen wir, aber der erste Schritt ist getan", sagt Sahiti Cefsere, die im Haus Stammberg arbeitet und noch auf ihre Impfung wartet. Die Mitarbeiterinnen Michaela Stein und Michel Witt verlassen gerade freudestrahlend das Behandlungszimmer. "Ich bin froh, dass es erledigt ist. Nur so ein kleiner Piks – und schon fertig", sagt Stein, und auch Witt ist erleichtert, dass sie schon dran war.

Auch Ursula Donhauser, die seit einem Jahr im Haus Stammberg wohnt, freut sich: "Mir geht es prächtig", sagt die resolute Dame und nippt an ihrem Kaffee. "Aufgeregt war ich nicht, aber es gibt hier schon ein paar Schisshasen, die sich da fürchten. Ich finde es wichtig, dass alle mitmachen. Dann kann es bald besser werden."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung