28.01.2021

Ursenbach: "Eine vernünftige Versorgung mit Glasfaser ist heutzutage so wichtig wie ein Stromanschluss"

Ursenbach: "Eine vernünftige Versorgung mit Glasfaser ist heutzutage so wichtig wie ein Stromanschluss"

Seit April wird das Glasfaserkabel durch Ursenbach gezogen, auch die alten Strommasten auf den Dächern kommen weg. Deswegen war im Sommer die Ortsdurchfahrt gesperrt. Foto: Dorn
Für die Ursenbacher Ortsvorsteherin Inge Pfrang war das schnelle Internet die wichtigste Entscheidung. Bisher gab es keinen Bevölkerungsverlust im Dorf.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Ursenbach. Das kleine Dorf mit nur gut 160 Einwohnern ist der kleinste Stadtteil Schriesheims. 1973 wurde es eingemeindet, wie im Jahr zuvor das zehnmal größere Altenbach. Seit der letzten Kommunalwahl ist Inge Pfrang Ortsvorsteherin, sie folgte Rosemarie Edelmann nach. Die 55-Jährige ist in Ursenbach aufgewachsen, lebte auch eine Zeit in Ladenburg – dort stammt ihr Mann her – und arbeitet für ein Mannheimer Unternehmen.

Auch deswegen ist ihr eine gute Internetverbindung wichtig – damit sie auch von zu Hause aus arbeiten kann. Im Gegensatz zur Kernstadt und zu Altenbach gibt es in Ursenbach nur eine kommunalpolitische Liste – und damit auch verhältnismäßig wenige Konflikte.

Frau Pfrang, auch wenn das letzte Jahr von Corona dominiert wurde: Gab es denn einen Höhepunkt im Ursenbacher Dorfleben?

Ja, dass die Bauarbeiten für den Glasfaseranschluss, die neuen Stromleitungen und die Straßenbeleuchtung trotz Corona am 1. April begonnen haben. Ich hatte schon Befürchtungen, dass es da zu Verzögerungen kommen könnte.

Und was war für Sie der Tiefpunkt?

Da fällt mir nur Corona ein. Da lag unser Dorfleben völlig brach. Gerade im zweiten Lockdown waren auch Bekannte betroffen, und man erfuhr auch von persönlichen Schicksalen.

Gab es denn auch in Ursenbach Coronafälle?

Ja, das trifft einen kleinen Ort wie uns schon sehr.

Sie haben das schnelle Internet als einen der Höhepunkte bezeichnet. Wieso ist das gerade für Ursenbach so wichtig?

Die Thematik, dass wir keine gute Internetverbindung haben, ist lange bekannt. Seit Jahren arbeiten wir daran, das zu verbessern. Das ist wichtig für alle, die im Homeoffice arbeiten müssen – so ging es auch mir zeitweise. Aber oft klappte das Arbeiten von zu Hause aus nicht, weil man auf die Verbindung warten musste. Ich habe manchmal gesagt: "In dieser Zeit kann man ein Drei-Gänge-Menü kochen." Außerdem trägt Homeoffice auch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Gerade jetzt in Corona-Zeiten wird vielen klar, wie aktuell diese Frage ist. Eine vernünftige Versorgung mit Breitband ist heutzutage so wichtig wie ein Stromanschluss.

Funktioniert denn schon das schnelle Internet?

Nein, es fehlt noch die Anbindung ein Stück vom Abzweig in der Estenklinge. Die Bauarbeiten im Ort sind soweit im Plan.

Und wann ist es so weit?

Das wissen wir noch nicht. Aber ich hoffe im Frühjahr.

In Altenbach haderten manche mit der kreiseigenen Firma Fibernet, die die Glasfaser verlegt. Gab es ähnlichen Unmut auch in Ursenbach?

Nein, Fibernet war alternativlos, nachdem sich die Telekom nicht gerade damit hervorgetan hat, eine Randlage wie Ursenbach anzubinden.

Sind die Ursenbacher ungeduldig, was den Start angeht?

Ja, ich werde ständig gefragt. Gerade jetzt wegen des Homeschooling. Und mit mehr Homeoffice spüren die Leute auch noch deutlicher, dass das schnelle Internet bald kommen muss.

Wie sind denn im Moment die Übertragungsgeschwindigkeiten in Ursenbach?

Das ist bei jedem etwas anders, beispielsweise durch die Einwahl über Funkmasten – aber das ist wegen unserer Topografie nicht überall möglich. Ich bin noch bei der Telekom – und habe die minimalste Übertragungsgeschwindigkeit. Daher musste ich mir noch einen zweiten Anschluss installieren, der einigermaßen funktioniert, aber auch nicht gut.

Wenn die Internetversorgung bisher so schlecht war: Hat Ursenbach mit einem Bevölkerungsverlust zu kämpfen?

Unsere Bevölkerungszahl schwankt immer ein bisschen, aber im Moment haben wir keinen Verlust, denn es haben sich relativ viele Familien mit Kindern angesiedelt. In der Ortsstraße haben wir ein paar Leerstände, aber alles in allem ist das nicht so dramatisch. Schnelles Internet ist heutzutage allerdings schon ein wichtiges Argument beim Hauskauf. Und seit 2016 auch der Tunnel, der uns viel schneller in die Zentren bringt.

Im Gegensatz zu Altenbach gibt es in Ursenbach keine Neubaugebiete. Wieso eigentlich nicht?

Früher hat man das schon versucht, aber das Landschaftsschutzgebiet zieht da enge Grenzen. Wir sollten daher auch eher schauen, ob wir im Ort nicht den einen oder anderen Leerstand wieder füllen. Außerdem ist ganz Ursenbach Sanierungsgebiet. Einige haben die Chance genutzt und mit den Zuschüssen ihre Häuser modernisiert. Das hat sich im Ortsbild schon bemerkbar gemacht.

Ursenbach hat ja keine Läden. Wo kaufen denn die Bewohner ein?

Die meisten wohl auf dem Weg zur Arbeit, in Schriesheim und wohl teilweise auch in Oberflockenbach.

Was würden Sie sich denn in Sachen "Infrastruktur" wünschen?

Eine Gastronomie, als Treffpunkt für unser Dorf. Früher hatten wir zwei Wirtschaften. Aber heutzutage sind die Strukturen anders. Damals waren die Leute längst nicht so mobil.

Ist es denn ein großes Problem, dass es keine Läden und keine Gaststätten gibt? In Altenbach ist das ja ein großes Thema.

Den Leuten, die hierherziehen, ist das bewusst. Und in Ursenbach empfindet man den Verlust von Läden und Gaststätten auch nicht so stark wie in Altenbach, weil wir beides schon seit Jahrzehnten nicht mehr haben. Und dennoch wollen die Leute bei uns wohnen – vielleicht weil sie hier die Ruhe suchen.

Wieso ziehen die Leute noch nach Ursenbach?

Vielleicht weil sie sich ein kleines kompaktes Dorf wünschen und die Freiheit, schnell in der Natur zu sein. Ich höre manchmal: "Hier in Ursenbach ist es ja wie im Urlaub!" Trotzdem sind wir von hier aus schnell in den großen Städten und auf der Autobahn.

Wie sieht es mit dem Gemeinschaftsgefühl aus?

Wir haben schon ein Vereinsleben – mit dem Sängerchor, der Feuerwehr und mit der Sportgruppe. Und wir haben auch Feste, die seit der Pandemie ausgefallen sind. Damit ist schon ein Stück Dorfleben verloren gegangen, was sehr schade ist.

Sie sprechen gerade die Feuerwehr an: Da ist ja deren Halle seit Langem ein ungelöstes Problem.

Ja, aber ich sehe vor allem noch ein anderes Problem: Die Wehr bräuchte mehr Mitglieder, vor allem bei den Aktiven. Ein Dorf lebt von denjenigen, die sich hier engagieren. Das gilt auch für den Sängerchor.

Und wie geht es mit der maroden Feuerwehrhalle weiter?

Die steht wohl im Feuerwehrbedarfsplan, der aber noch nicht fertig ist.

Aus Altenbach hört man manchmal, dass die Kommunikation mit dem Rathaus nicht immer klappt. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Das ist auch bei mir manchmal so.

Im Gegensatz zu Altenbach kommen aus Ursenbach wenige Klagen. Sogar als im Sommer die gesamte Ortsdurchfahrt gesperrt war – und das dann auch noch länger dauerte.

Ja, das war schon ziemlich kurzfristig. Aber die großräumige Umleitung war ja ausgeschildert. Große Probleme gab es nicht, nur einmal kam der Müllwagen nicht durch. Die Baufirma, die sehr kooperationsbereit war, hat es auch ermöglicht, dass die Bewohner zu ihren Grundstücken kamen.

Wieso ist es in Ursenbach so harmonisch, während sich manchmal die Altenbacher streiten wie die Kesselflicker?

Da müssen sie die Altenbacher fragen.

Wie ist denn die Stimmung im Ursenbacher Ortschaftsrat?

Wir haben ja nur eine Liste, es hat sich niemand für eine zweite gefunden. Die Stimmung ist gut, wir tauschen uns viel miteinander aus.

Im letzten Jahr gab es aber durchaus Ärger mit der Busverbindung, also dem Bedarfshalt, der nicht klappt. Ist das besser geworden?

Da hat sich leider nichts verändert. Ich kann nur dazu raten, bei Beschwerden die Stadt zu informieren, damit sie bei den nächsten Verhandlungen mit dem Busunternehmen eine Handhabe hat. Im Moment gibt es zwar wenige Klagen, aber ich glaube schon, dass das nicht nur Einzelfälle sind.

Wer nutzt denn den Bus?

Pendler, Schulkinder, aber auch Wanderer.

Angenommen eine Fee würde Ihnen einen Wunsch erfüllen, was wäre der?

Natürlich dass die Pandemie wieder verschwindet und wir zu unserem früheren Dorfleben zurückfinden. Und dass die Glasfaser so schnell wie möglich angeschlossen ist. Außerdem wünschen wir uns für unseren Spielplatz ein Sonnensegel. Das ist aber noch nicht verwirklicht.

Ganz ehrlich: So richtig ansprechend ist der Spielplatz am Dorfgemeinschaftshaus aber nicht.

Ja, natürlich wäre es schön, wenn man ihn anders gestalten könnte. Aber das ist nicht einfach, weil die Fläche zu klein ist.

Im nächsten Jahr sind Bürgermeisterwahlen. Was erwarten Sie von Höfers Nachfolger?

Zuerst mal, dass sich alle Kandidaten auch bei uns öffentlich vorstellen. Vom neuen Bürgermeister erwarte ich mir eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und Kommunikation und dass er sich für die Belange der Ortsteile einsetzt. Und wir hoffen auf eine stabile Busverbindung.

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Schon seit vielen Jahren hat das Dorf keine Gaststätte mehr – hier eine alte Ansichtskarte des Cafés „Zum Ursenbachtal“. Ginge es nach Inge Pfrang, würde sich das wieder ändern. Repro: pd

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung