05.02.2021

A5 bei Schriesheim: Autofahrer bestätigen den "Brüllbeton"

Seit der Sanierung der A 5 dröhnt es in ihren Wagen. Ein Anwohner misst Werte von bis zu 72 Dezibel. Nur sonntags ohne Laster ist es ruhig.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Solch ein Tag ist selten geworden – und zwar so, dass Winfried Plesch sein Erstaunen der RNZ mitteilte. Denn am letzten Sonntag herrschte endlich einmal Ruhe in seinem Reihenhaus in den Fensenbäumen. "Wir haben einen dieser kalten Wintertage mit einer ganz schwachen Brise aus Ost – sieben Stundenkilometer sagt die Meteomedia-Wetterstation in Ladenburg. Und man höre und staune: Von der A 5 hört man – nichts! Weil es Sonntag ist, sind auch keine Lkw unterwegs – also insgesamt eine Wohltat fürs Gehör und fürs Gemüt." Der Blick aufs Handy, auf dem seit Dezember eine Lärm-App installiert ist, bestätigt: unter 50 Dezibel.

Plesch hat sich mit anderen Anwohnern im Fröchweg zusammengetan, weil sie finden, dass die Autobahn seit der Sanierung lauter geworden ist – was wiederum die Behörden bestreiten und sich deswegen weigern, etwas dagegen zu tun. Denn der für diesen Teil Schriesheims errechnete (und nicht etwa gemessene) Geräuschpegel lag bei knapp über 55 Dezibel am Tag; erst ab 64 Dezibel müsste man eine Lärmschutzwand errichten (die RNZ berichtete mehrfach, zuletzt am 19. Dezember).

Auch wenn die Behörden – neuerdings ist die neue Autobahngesellschaft des Bundes zuständig, vorher war es das Regierungspräsidium Karlsruhe – mauern: Pesch hat seit Anfang Dezember mit der Lärm-App an verschiedenen Stellen seines Hauses gemessen, manchmal mehrmals am Tag. Am lautesten war es im Rahmen seiner Terrassentür und im Fensterrahmen im ersten Stock, beide sind zur Autobahn ausgerichtet. Bei neun von 26 Messungen wurden die 64 Dezibel teils deutlich überschritten; viermal zeigte die App sogar Werte von 70 Dezibel an – das entspricht einem Staubsauger –, einmal wurden sogar 72 Dezibel gemessen. Für Plesch ist dieser Geräuschpegel "unerträglich", schon bei 60 Dezibel könne man nicht mehr im Garten sitzen. Auffällig war dabei die Richtung und Geschwindigkeit des Windes: So richtig laut wurde es, wenn es stark aus West oder Südwest wehte und die Wolken tief hingen.

Unterdessen erreichen die RNZ immer mehr Einschätzungen von Autofahrern, die den rauen Straßenbelag, zumindest in Fahrtrichtung Heidelberg, als den Schuldigen für die Lärmentwicklung ausgemacht haben. Das hatte auch Plesch beobachtet und zog Parallelen zum "Brüllebeton" anderswo (RNZ vom 18. Dezember); zuvor hatte er vor allem die Betonleitplanken im Verdacht. Werner Heckmann aus Leutershausen berichtet, dass es ein "enormes Geräusch" gebe, wenn er mit seinem Kleinwagen nach Heidelberg fährt. In der Gegenrichtung merkt er nichts. "Ich meine, der Belag müsste geglättet werden", findet Heckmann, "da hat man irgendeinen Fehler gemacht." Ihm sei das schon aufgefallen, als im Juli die sanierte A 5 freigegeben wurde, "noch lange vor der Schriesheimer Bürgerinitiative". Er kennt dieses Problem von einer anderen Strecke: Wenn er die A 3 von dem niederländischen Arnheim nach Oberhausen fuhr, wurde es dröhnend laut im Wagen – in der Gegenrichtung aber nicht. Vor ein paar Jahren, so Heckmann, wurde dann der Asphalt ausgetauscht.

Auch Hannelore Bredl aus Laudenbach, die oft nach Heidelberg fährt, meint: "Schon als die Baumaßnahmen beendet waren, fiel mir beim Befahren dieses Abschnitts auf, dass es in meinem Auto sehr laut wurde. Der Spuk war erst weg, als ich wieder auf dem alten Belag fuhr. Da war mir klar, dass mit dem neuen Belag etwas ,nicht stimmte’. Das war in der Zeit, wo noch nichts darüber in der Zeitung stand. Ich habe mich, gelinde gesagt, richtig erschrocken und dachte, an meinem Auto stimmt etwas nicht." Das Regierungspräsidium hatte allerdings auf RNZ-Anfrage erklärt, dass beide Fahrbahnen identisch saniert worden seien. Mängel seien bei der Abnahme nicht festgestellt worden – und es lägen auch keine Beschwerden vor.

Da die A 5 ab Mitte August zwischen Schriesheim und dem Autobahnkreuz Weinheim saniert werden soll – und zwar mit genau derselben Methode wie 2019 und 2020 zwischen Schriesheim und Dossenheim –, könnte dazu führen, dass es auch in Hirschberg lauter wird (RNZ vom Samstag). Zumindest befürchtet das die CDU-Landtagsabgeordnete Julia Philippi, die nach dem Kontakt mit der Schriesheimer Anwohnerinitiative ein Gespräch mit der neuen Autobahngesellschaft führte – und darum bat, auch auf die Lärmproblematik stärker zu achten. Der Vertreter der Autobahngesellschaft sagte, er sei sich dessen bewusst und wolle sich Gedanken machen, wie das in die Ausschreibung einfließen könne. Plesch meint: "Mich würde es für die Hirschberger freuen, wenn man die Fehler, die bei uns gemacht wurden, dort verhindert." Ob das Konsequenzen nun doch für den Schriesheimer "Brüllbeton" haben würde, konnte Philippi noch nicht sagen: "Ich werde da nachhaken."

Ist ihr selbst aufgefallen, dass es auf der A 5 in Richtung Heidelberg im Auto lauter geworden ist? "Ja, ich habe bewusst einmal darauf geachtet. Es hörte sich lauter an."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung