05.02.2021

Trächtiges Reh von herrenlosem Hund gerissen (Update)

Der Vorfall ereignete sich am Montagnachmittag in Altenbach.

Schriesheim-Altenbach. (hö) Am Montag gegen 15.45 Uhr beobachtete ein Zeuge, wie ein Hund in der Oberen Kippstraße ein Reh aus dem Wald auf ein Grundstück hetzte und dabei mehrfach zubiss. Einer Zeugin gelang es schließlich, den Hund zu vertreiben. Das trächtige Tier rannte durch ein Gartentor und blieb schließlich mit gebrochenem Rückgrat auf einer Terrasse regungslos liegen; für das Reh kam jede Hilfe zu spät, ein beherzter Anwohner erlöste es letztlich von seinem Leiden.

Bei dem Hund soll es sich um einen etwa kniehohen Mischling handeln, dem ein grau-blaues Regencape übergezogen war; sein Besitzer konnte bisher nicht festgestellt werden. Nun ermittelt der Polizeiposten Schriesheim. Der Hundebesitzer oder weitere Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon 0 62 03 / 6 13 01 zu melden.

Jagdpächter Michael Schwöbel ist von der Tat entsetzt – aber ganz neu ist das für ihn nicht: "Das ist nicht das erste Mal. Gerade jetzt in den Coronazeiten ist der Publikumsverkehr in den Wäldern besonders hoch – was man auch an dem vielen Müll sieht." Das gelte nicht nur für Altenbach, sondern im Grunde für das gesamte Stadtgebiet: "Praktisch läuft dort jeder Hund frei, das ist das Problem." Deswegen haben die Jäger überall im Wald Schilder aufgestellt, auf denen Hundebesitzer gebeten werden, ihr Tier an der Leine zu lassen. Aber alle Appelle fruchteten nichts: "Das interessiert niemanden, teilweise werden die Schilder sogar abgerissen", berichtet Schwöbel. Er weiß: Er kann nur ermahnen, denn im baden-württembergischen Waldgesetz gibt es keine Regelung, dass die Hunde an der Leine geführt werden müssen. Und bei einem solchen Vorfall wie am Montag sei es fast unmöglich, den Halter festzustellen – es sei denn, er würde sich von sich aus melden, "was ich sehr begrüßen würde", so Schwöbel.

In diesem Fall war es besonders tragisch, weil das weibliche Reh trächtig war, es hatte zwei Föten im Bauch. "Im Grunde sind damit drei Rehe gestorben", sagt Schwöbel. Auch für die Jungtiere des toten Rehs sei es jetzt nicht leicht: "In diesem Alter suchen sie noch die Nähe der Mutter" – auch wenn sie wahrscheinlich überleben werden. In diesem Bereich Altenbachs sei es sehr steil, deswegen werde dort auch kaum gejagt, wie Schwöbel berichtet: "Die Tiere fühlen sich dort sicher und wohl."

Die Jäger selbst sind in der Zwickmühle, denn im Prinzip dürften sie rechtlich die wildlaufenden Hunde erschießen – aber sie scheuen sich, wegen der Konsequenzen. Als das vor sechs Wochen ein Jäger in der Nähe von Heppenheim doch einmal tat – er tötete zwei Hunde, die zuvor elf Rehe gerissen hatten – bekam er Morddrohungen an seine Hauswand gepinselt, und in den Sozialen Medien gab es Wellen der Empörung. Über den Jäger, nicht über den Hundehalter.

Update: Dienstag, 2. Februar 2021, 20.41 Uhr

Hund hetzt und reißt ein Reh

Schriesheim-Altenbach. (pol/mün) Für das Reh kam jede Hilfe zu spät, es musste von seinem Leiden erlöst werden. Das Wildtier war am Montagnachmittag im Schriesheimer Ortsteil Altenbach von einem Hund aus dem Wald gehetzt und mehrfach gebissen worden. Einer Zeugin gelang es schließlich den Hund zu vertreiben, teilt die Polizei mit.

Bei dem Hund soll es sich um einen etwa kniehohen Mischling gehandelt haben, dem ein grau-blaues Regencape übergezogen war. Der zuständige Jagdpächter wurde verständigt.

Die weiteren Ermittlungen führt der Polizeiposten Schriesheim. Der Hundebesitzer und weitere Zeugen sollen sich unter der Rufnummer 06203/61301 melden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung