14.02.2021

Zeigt das diskutierte Foto doch nicht die Talstraße? (Update)

Zeigt das diskutierte Foto doch nicht die Talstraße? (Update)

An diesem Bild links, das Georg Berg in die Facebook-Gruppe „Schriesheim – Historische Bilder“ eingestellt hat, scheiden sich gerade die Geister: Ist das nun die Talstraße oder nicht? Foto: privat
Es mehren sich die Zweifel, dass das im Internet so heftig besprochene Bild wirklich Schriesheim zeigt.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die Stadt hat ihr "Winterloch"-Thema gefunden: Auslöser ist ein Bild, das Georg Berg am Freitag in die Facebook-Gruppe "Schriesheim – Historische Bilder" eingestellt hatte – und von dem er annahm, es zeige die Talstraße. Daraufhin entwickelte sich eine sehr muntere Diskussion mit mehr als 80 Kommentaren (RNZ vom Montag). Da nicht jeder Leser im Internet mitdebattiert, rief gestern Werner Merkel an, der selbst seit 80 Jahren in der Talstraße gegenüber vom Besucherbergwerk wohnt. Er ist als Ur-Schriesheimer der felsenfesten Überzeugung: "Das ist nie und nimmer die Talstraße." Seine Begründung ähnelt der der Zweifler: "Das Ewald-Haus (Anm. d. Red.: das letzte Haus auf der rechten Straßenseite) sah ganz anders aus, es gab hier nie einen Rundbogen. Und auch einen Friseursalon an dieser Stelle (Anm. d. Red.: das Schild am rechten Bildrand) hat es hier nie gegeben."

Reiner Frank Hornig schrieb an die RNZ: "Also ich persönlich finde es höchst erfreulich, wenn sich die Schriesheimer in diesen Zeiten der Pandemie wieder mehr für die Belange ihrer Heimatstadt zu interessieren beginnen, als nur gelangweilt vor der Glotze zu sitzen. Erst kürzlich die Debatte um das große Ladengeschäftssterben, jetzt um ein historisches Foto." Das hatten auch schon andere Kommentatoren im Internet an der Debatte besonders angenehm empfunden: Endlich geht es mal nicht nur um Corona. Gerhard Zittel schrieb auf Facebook: "Was ich richtig toll finde, ist, dass hier so eine angeregte Diskussion stattfindet. Auch, dass die Blickwinkel so unterschiedlich sein können."

Hornig, dessen vollständige Zuschrift die RNZ in Kürze abdruckt, fiel etwas anderes auf: "Das Bild zeigt uns vor allem, dass die Parkplatzsituation in der Talstraße damals weitaus weniger entspannt war als heute, wo man zum Einkaufen darauf angewiesen ist, einen freien Platz auf dem Festplatz zu suchen. Auf dem kleinen Talstraßen-Abschnitt, den das Foto uns zeigt, gab es damals dort noch zwei Geschäfte! Einen ,Spar’-Laden und einen Frisör! Und trotz allem, das ist deutlich zu erkennen, ging es mit der Talstraße offensichtlich immer mehr bergab." Und eine Wirtschaft, den "Grünen Baum", nicht zu vergessen.

Die offene Frage ist: Wenn es nicht die Talstraße ist, welche Ansicht zeigt Georg Bergs Foto dann? Es gibt ein paar Anhaltspunkte: Die Straße ist recht gut frequentiert – es läuft im Hintergrund sogar eine richtige Gruppe –, also muss es sich um eine Touristendestination handeln; wahrscheinlich führt die steile Straße zu einer "Attraktion", also einer Burg oder ähnlichem; es ist zumindest ein Fachwerkhaus (zumindest eines mit einen Aufsatz) zuerkennen, an dem sich Reben ranken; ein Haus hat eine Sandsteineinfassung. Das deutet auf eine Weingegend in der Region hin, möglicherweise die Pfalz – wogegen aber die Laubbäume in der Bildmitte sprechen, denn in der Pfalz dominieren Kiefern.

Die RNZ hat am Montag unzählige Ortsansichten von steilen Straßen in Weinbauorten – von Miltenberg und Klingenberg am Main bis hin zur gesamten Pfalz – durchforstet. Bisher leider ohne Ergebnis.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung