14.02.2021

Zoff um Feuerwehr-Standort: Altenbacher Bernd-Bau-Halle wird jetzt doch geprüft

Zoff um Feuerwehr-Standort: Altenbacher Bernd-Bau-Halle wird jetzt doch geprüft

Ortsvorsteher Herbert Kraus (l.) und Ortschaftsrat Carsten Junghans (Freie Wähler) plädieren, die Halle der Baufirma Bernd als alternativen Standort der Feuerwehr zu prüfen – trotz deren ablehnender Haltung. Foto: Dorn
Die Appelle des Bürgermeisters und der Grünen Liste halfen nichts. "Über die Köpfe der Feuerwehr entschieden".

Schriesheim-Altenbach. (hö) Die Halle des Bauunternehmens Bernd, rund 400 Meter vom Gerätehaus entfernt, soll jetzt ein Ingenieur prüfen – ob sie als Feuerwehrstandort geeignet ist. Das beschloss der Ortschaftsrat mit fünf Stimmen bei drei Enthaltungen der Grünen Liste. Damit setzte sich nach harter Debatte der Vorschlag der Freien Wähler durch.

Bereits in der Bürgerfragestunde hatte sich Martin Stauder, einst Ortschaftsratskandidat der Grünen Liste, zu Wort gemeldet und gefragt, wieso die Freien Wähler jetzt wieder mit ihrem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen seien. Dabei habe es doch im Sommer eine Begehung mit der Feuerwehr gegeben, die diesen Standort abgelehnt hatte (siehe Hintergrund): "Was hat sich seither verändert?", fragte Stauder. "Ich habe nicht den Eindruck, dass das Urteil der Feuerwehr etwas gilt." Das alles sei "ein Schlag ins Gesicht" der Ehrenamtlichen. Der Ortschaftsrat solle jetzt zusammenrücken und eine Lösung finden, forderte Stauder.

Ortsvorsteher Herbert Kraus konterte, man habe mitnichten vor, etwas gegen die Feuerwehr zu entscheiden. Im Moment gebe es in Sachen Standort nur einen Beschluss des Ortschaftsrates, nämlich den Bebauungsplan für die Hauptstraße 28 zu ändern. Hier soll, gegen den Widerstand eines direkten Nachbarn, eine Halle für zwei Fahrzeuge entstehen: "Aber hier ist noch nichts in trockenen Tüchern." Später in der Debatte sagte Carsten Junghans (Freie Wähler), dass es gute Gründe gab, trotz der ablehnenden Haltung der Wehr, jetzt noch einmal die Halle von Bernd-Bau überprüfen zu lassen. Erstens gab es seit Herbst keine Ortschaftsratssitzung mehr, und zweitens sei die Baufirma mit ihren Verlagerungsplänen noch nicht so weit gewesen. Zudem werde mitnichten die Feuerwehrhalle in der Hauptstraße 28 gestoppt, beide Projekte würden parallel verfolgt.

Zudem solle die Prüfung des Bernd-Bau-Gebäudes "völlig ergebnisoffen" ablaufen. Die Stellungnahme der Feuerwehr in allen Ehren, aber "wir brauchen Hinweise eines Ingenieurs, ob diese Halle umgenutzt werden kann". Für Karin Malmberg-Weber (SPD) war die Meinung der Feuerwehr "eine Stellungnahme und kein Gutachten". Zudem handele es sich ja um ein bestehendes Gebäude, an das man nicht zwingend die Anforderungen eines Neubaus anlegen müsse: "Da sind Kompromisse möglich" – und deswegen die Beauftragung eines Ingenieurs. Und als Karl Reidinger (CDU) von einer "überlegenswerten Variante" sprach, stand die Mehrheit im Ortschaftsrat fest.

Dagegen wandte sich Christian Wolf (Grüne Liste), der noch einmal die Einwände der Feuerwehr gegen die Bernd-Halle ins Feld führte: "Zu klein und zu niedrig. Da kann auch ein Bauingenieur nicht viel machen." Zudem forderte er, die Feuerwehr in die Debatte einzubeziehen: "Wir wollen nicht, dass wir eine Entscheidung gegen sie treffen – oder ohne mit ihr geredet zu haben". Schließlich schaltete sich auch noch Bürgermeister Hansjörg Höfer ein: "Ich schließe mich der Stellungnahme der Feuerwehr an. Die versteht ihr Handwerk." Außerdem sei ein externes Gutachten teuer ("bis zu 30.000 Euro") und dann zögen sich die Verhandlungen für einen eventuellen Zuschuss für den Umbau noch hin. Für Höfer ist die Bernd-Immobilie auch deswegen ungeeignet, weil obendrüber Wohnungen sind: "Wenn die Feuerwehr nachts ausrückt, stehen die Leute senkrecht im Bett." Er appellierte an den Ortschaftsrat, sich jetzt auf die Halle in der Hauptstraße 28 zu konzentrieren – und er drohte: "Wenn Sie das jetzt beschließen, muss der Gemeinderat die Feuerwehr hören."

Am Ende aber siegten die Freien Wähler – und Höfer war sichtlich genervt. Dabei wandte Ortsvorsteher Kraus als Sitzungsleiter einen Trick an: Er stimmte zuerst über den Antrag der Freien Wähler ab – und ließ den eigentlich weitergehenden Antrag Wolfs, eine gemeinsame Sitzung des Ortschaftsrates mit der Feuerwehr einzuberufen, erst einmal unberücksichtigt. Und so erhielt der Vorschlag, die Bernd-Halle von einem Bauingenieur prüfen zu lassen, eine Mehrheit, die düpierten Grünen enthielten sich. Und Wolf schäumte: "Das haben Sie über die Köpfe der Feuerwehr entschieden!" Danach leerte sich die Mehrzweckhalle, viele Besucher gingen schimpfend nach draußen.

Bei allem Gerangel ging eine nicht ganz unwichtige Bemerkung Malmberg-Webers völlig unter: "Eigentlich warten wir alle auf den Feuerwehr-Bedarfsplan. Der sollte doch die Basis für alle Überlegungen sein."

Hintergrund: (hö) Was sagt eigentlich die Feuerwehr zur Standort-Diskussion, insbesondere zum Vorschlag der Freien Wähler, die Halle der Baufirma Bernd als Alternative zum Gerätehaus zu prüfen? Feuerwehrkommandant Oliver Scherer ist erst einmal diplomatisch: "Wir begrüßen es, wenn sich der Ortschaftsrat Gedanken macht und verschiedene Objekte in die Diskussion einbringt." Und er verstehe auch, wenn Räte frustriert sind, wenn die Wehr ständig mit Bedenken komme.

Im Fall von Bernd-Bau habe er sich das Gebäude Ende Juni mit dem Altenbacher Feuerwehrkommandanten Daniel Hermann und dessen Stellvertreterin Tanja Spiegelhalter nicht nur angeschaut, sondern auch vermessen. Grundlage für die Beurteilung waren die DIN-Norm 14092 für den Neubau von Feuerwehrhäusern und die Vorgaben der Unfallversicherung. Er sei zwar kein Architekt, "aber ich kann DIN-Normen lesen". Und demnach hielt keiner der vier Stellplätze hier diese Vorschriften ein. Es haperte stets an der Höhe, Breite und Tiefe – dabei würden, so Scherer, "die Feuerwehrfahrzeuge immer größer". Sein Urteil: "Allein bei diesen Kriterien scheidet diese Immobilie aus". Zudem gebe es, zumindest im Vergleich zum Gerätehaus, kaum mehr Lagerfläche, die Umkleide sei zu klein, es fehlten Schulungs- und Aufenthaltsraum, vor allem aber Parkplätze: Ideal wären 23, das Minimum wären zwölf. Außerdem könne der in diesem Bereich verdohlte Altenbach die Halle überfluten.

Nun legte Scherer bei seiner Analyse die Maßgaben für einen Neubau an, aber hier geht es ja um ein Bestandsgebäude. Er sagt: "Nach meiner Rechtsauffassung ist eine Umnutzung wie ein Neubau zu betrachten." Dass ein Bauingenieur zu einem anderen Ergebnis als er kommt, "kann ich mir nicht vorstellen". Das war auch beim Gebäude der ehemaligen Wäscherei Schmitt so, als der Gutachter über diesen Standort vernichtender urteilte, als es zuvor die Feuerwehr getan hatte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung