14.02.2021

Der Blumenhandel kämpft um seine Existenz

Der Blumenhandel kämpft um seine Existenz

Heinz (r.) und Florian Kimmel (2.v.l.) befürchten für ihr alteingesessenes Unternehmen im zweiten Lockdown das Schlimmste. Daher waren jetzt Hans-Georg Biller (l.), Geschäftsführer des Mannheimer Blumengroßmarktes, und CDU-Landtagsabgeordnete Julia Philippi vor Ort, um sich die Sorgen anzuhören. Foto: Dorn
Volle Lager, kaum Kunden und restriktive Regelungen: Die Supermärkte-Konkurrenz bietet so viele Pflanzen an wie noch nie.

Von Max Rieser

Schriesheim. Weitläufige Gewächshäuser voller bunter Blumen. Eigentlich ein herrlicher Anblick möchte man meinen. Für Heinz und Florian Kimmel ist der Zustand allerdings durchaus besorgniserregend: "Wir haben hier Hunderttausende junge Pflanzen stehen, und wenn wir für den Verkauf weiter nicht öffnen dürfen, müssen wir das alles wegwerfen."

Für Heinz Kimmel, der das Blumengeschäft bis 2014 führte, ist das eine absolute Katastrophe. Sein Sohn Florian, der den Betrieb mit seiner Schwester Daniela Schmidt leitet, berichtet: "Wir haben hier eine Riesenmenge Frühlingspflanzen stehen. Wir können das Wachstum zwar etwas hinauszögern, aber wenn wir sie nicht bald verkaufen können, muss alles vernichtet werden." Außerdem kommen wöchentlich neue Setzlinge aus der eigenen Aufzucht, die im Gewächshaus zur Blüte gebracht werden, und bereits bestellte Frühjahrsware an. Das führt trotz der großzügigen Räumlichkeiten zum Stau. Die Setzlinge für die jetzt jungen Pflanzen mussten schon vor einem halben Jahr gepflanzt werden.

Da die Blumenläden im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 geöffnet bleiben durften, wurde das Kontingent für dieses Frühjahr nicht reduziert. Jetzt bleiben die Kimmels auf der bereits produzierten Ware sitzen. Das Ausliefern und Abholen wird zwar angenommen, kann den regulären Verkauf aber nicht ersetzen. Außerdem ist das Liefern mit einem großen Aufwand verbunden, und es muss immer jemand mit dem Auto unterwegs sein, der dann im Betrieb fehlt. Und auch die Nachfrage ist anders: "Gerade die Frühjahrstopfpflanzen wie Primeln, Vergissmeinnicht oder Violen nehmen die Leute beim Stöbern mit. Das bestellt keiner."

Heinz Kimmel, der das Geschäft von seinen Eltern übernommen hat und schon als Kind mit anpackte, fürchtet um das Fortbestehen des Familienbetriebs: "Wir haben hier viel Geld und Arbeit investiert und auch versucht, ein Polster anzulegen. Aber mit jedem Tag, an dem wir nicht wieder öffnen dürfen, wird es dünner."

Um ihren Sorgen Luft zu machen und der Politik den Ernst der Lage zu verdeutlichen, haben die Kimmels die CDU Landtagsabgeordnete Julia Philippi eingeladen. Zur Unterstützung ist auch noch Hans-Georg Biller anwesend. Biller ist Geschäftsführer des Mannheimer Blumengroßmarktes und vertritt somit 1500 Fachgeschäfte. Für ihn ist die Situation der Familie Kimmel exemplarisch für die ganze Branche: "Wie lange soll denn noch geschlossen bleiben? Hier wird saisonal in Baden-Württemberg produziert, die Firmen gehen massiv in Vorleistung – und jetzt bleibt alles liegen." Er kritisiert das Vorgehen der Landesregierung im zweiten Lockdown massiv. Dabei stören ihn verschiedene Punkte. Zum einen das Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels: "Ich habe noch nie erlebt, dass Supermärkte und Discounter in so einem Umfang Blumen zum Valentinstag anbieten. Wie kann es sein, dass geduldet wird, dass dort Blumen vom Niederrhein oder aus Holland verkauft werden, während der regionale Handel verboten bleibt?"

Außerdem seien die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern ein Unding: "In Hessen darf der Blumenhandel öffnen und hier nicht. Da müssten einfach einheitliche Regeln her." Durch den Verkauf der Blumen in anderen Bundesländern würden sich die Besuche der Kunden auf einige wenige Betriebe konzentrieren, was auch für das Infektionsgeschehen nicht förderlich sein könnte. Auf Unverständnis bei allen Beteiligten trifft auch das Verbot der sogenannten "Vertrauenskasse". Bei diesem Konzept stehen die fertig gebundenen Sträuße vor dem Geschäft, die Kunden werfen den ausgezeichneten Betrag in eine Kasse und nehmen sich die Sträuße selbst: "Das ist völlig kontaktlos, das kann mir niemand erklären, warum das verboten ist. Wir brauchen jetzt ein Entgegenkommen der Politik. Trotz sinkender Infektionszahlen gibt es in unserem Bereich keine Lockerungen", bemängelt Biller.

Da Unternehmen, die Zierpflanzen produzieren, als landwirtschaftliche Betriebe zählen, fallen sie auch bei den Hilfszahlungen für den Einzelhandel durchs Raster. Das macht das Beantragen von Hilfen schwerer.

Die finanziellen Verluste schmerzen sehr, doch ein anderer Aspekt ist für die Kimmels schlimmer: "Wir arbeiten hier mit Freude und wollen etwas Schönes erschaffen. Da blutet einem das Herz, wenn wir das jetzt wirklich alles vernichten müssen", sagt Heinz Kimmel. "Normalerweise sind um diese Zeit schon 30 Prozent der Frühlingsware verkauft, und jetzt steht alles voll, und wir wissen nicht mehr, wohin mit den Pflanzen", klagt auch sein Sohn. Hans-Georg Biller sieht auch einen psychologischen Vorteil, den der Verkauf von Blumen hätte: "Alle sitzen zu Hause, und draußen ist es trüb und grau. Da könnten schöne Blumen doch auch einfach ein Zeichen sein, um zu zeigen: Jetzt geht’s bald weiter." Julia Philippi versprach, das Anliegen der Kimmels in den Landtag zu tragen – und ist sich sicher, dass die schrittweisen Lockerungen bald kommen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung