14.02.2021

Kommandant Oliver Scherer berichtet, wie Corona die Feuerwehr betrifft

Kommandant Oliver Scherer berichtet, wie Corona die Feuerwehr betrifft

Kommandant Oliver Scherer: „Corona ist auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorbeigegangen.“ Foto: Dorn
Hygienekonzept, ausgesetzte Ausbildung und Treffen, die fehlen - Voll einsatzfähig, doch es ist alles mühsamer

Von Caja Plaga

Schriesheim. Feuerwehr-Arbeit ist Teamarbeit. Wie beeinflussen also die coronabedingten Kontaktbeschränkungen die Einsätze und den Alltag der Feuerwehr? Es sind gute Konzepte nötig, damit auch im Lockdown Brände gelöscht und Unfallfolgen beseitigt werden können. "Wie bei allen anderen ist Corona auch an der Feuerwehr nicht ohne Spuren vorbeigegangen", sagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Schriesheim, Oliver Scherer.

Die Arbeit seiner Feuerwehrleute sei massiv beeinflusst. Schon bei der Personalplanung ergäben sich die ersten Probleme. Sollte bei einem Einsatz mit beispielsweise 25 Einsatzkräften eine Person im Nachhinein positiv auf Corona getestet werden, müssten alle anderen Beteiligten vorsorglich in Quarantäne. Somit würden diese 25 Kräfte für die nächsten zwei Wochen ausfallen, und es käme zu erheblichen Personalengpässen. "Deshalb ist unser oberstes Ziel, die Feuerwehr vom Virus freizuhalten", sagt Oliver Scherer.

Um eine Verbreitung des Erregers bei Einsätzen zu verhindern, habe die Freiwillige Feuerwehr ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Man habe das Personal auf den Einsatzfahrzeugen reduziert. Nur so könne der erforderliche Abstand eingehalten werden: "Normal sind neun Personen auf einem Wagen, jetzt sind es nur noch zwischen vier und sechs."

Außerdem werde während des kompletten Einsatzes und der Vor- und Nachbereitungszeiten Maske getragen. Am Eingang des Feuerwehrhauses müsse sich jeder vor dem Betreten die Hände desinfizieren, dazu kommen noch Zutrittsbeschränkungen: Man dürfe das Haus nur aus triftigem Grund betreten, also im Wesentlichen in Zusammenhang mit einem Einsatz.

Nach einem Einsatz werden alles gebrauchte Material und die Fahrzeuge vollständig gereinigt und desinfiziert. Das würde deutlich mehr Zeit beanspruchen als noch vor der Pandemie: Damals wurden nur die Flächen mit Patientenkontakt desinfiziert. "Dadurch geht viel Ehrenamtszeit drauf", sagt Scherer. Auch wenn ein Alarm eingeht und die Feuerwehrleute so schnell wie möglich ausrücken müssen, kosten die Corona-Auflagen wertvolle Minuten: bei Ankunft im Gerätehaus erst Hände desinfizieren, statt sofort loszulegen. Und auch das Umziehen mit eingehaltenem Abstand brauche einfach länger.

Eine besondere Belastungsprobe seien Großeinsätze mit mehreren beteiligten Feuerwehren. Bei der Zusammenarbeit, um zum Beispiel Großbrände zu löschen, müsse man auf die verschiedenen Hygienekonzepte vertrauen, die jede Wehr für sich ausgearbeitet habe. Dennoch betont Scherer, dass im Großeinsatz nicht immer alles eins zu eins eingehalten werden könne: "Es gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass eben kein Corona-Fall unter den Feuerwehrleuten ist."

Nicht nur die eigentlichen Einsätze der Feuerwehr sind von den Corona-Maßnahmen betroffen: "Seit Ende März finden keine Übungen mehr statt", berichtet der Kommandant, "die Jugendfeuerwehr, der Spielmannszug und die Altersmannschaft ruhen auch". Die Feuerwehr sei zwar weiterhin einsatzbereit, es fehle aber an allem, was die Feuerwehr sonst ausmacht: "Das Soziale ist komplett eingefroren." Auch die Ausbildung neuer Feuerwehrleute sei beeinträchtigt und zeitweise sogar unmöglich. Um mit ausrücken zu können, müsse man eine Ausbildung absolvieren. Dies sei zu Beginn der Pandemie verboten worden, und so hätten einige Feuerwehr-Anwärter erst mal eine ganze Weile warten müssen. Genau dieses Warten untergrabe aber die Motivation. Deshalb hatte sich Scherer um eine Lösung bemüht, und im September 2020 durfte der Ausbildungsbetrieb mit Fachkräften nur aus dem eigenen Haus wieder aufgenommen werden. Die Freude war aber nur von kurzer Dauer, denn schon Ende Oktober wurden die Schulungen für neue Wehrleute wieder untersagt – und bis jetzt auch nicht wieder aufgenommen.

Nur ein ganz kleiner positiver Effekt sei während der ersten Welle im Frühjahr 2020 zu bemerken gewesen. Durch die Schließung der meisten Betriebe und Büros und den Wechsel ins Homeoffice wären damals mehr Feuerwehrleute abrufbereit gewesen, als das sonst üblich sei. Dieser Vorteil war aber mit der Rückkehr an die Arbeitsplätze im Sommer wieder verpufft.

Scherers Fazit: Das Fehlen der Übungen und Veranstaltungen außerhalb der eigentlichen Einsätze macht den Feuerwehr-Alltag zur Zeit schwierig. Alles Soziale, was die Gruppe zusammenschweißt, fällt weg. Trotzdem hat die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr auch unter Pandemiebedingungen höchste Priorität – und ist mit zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen gesichert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung