02.09.2004

"Nur Schimpfen hat keinen Wert"

Durch die Initiative eines Anwohners weisen "Marvin" und "Susi" auf die Spielstraße in der Kirchgasse hin

Bunte Hinweise auf spielende Kinder. Fotos: Kreutzer


Schriesheim. (nam) Dem ein oder anderen verdutzten Autofahrer werden sie schon aufgefallen sein: Seit Kurzem erinnern zwei Holzfiguren in der Kirchstraße daran, die vorgegebene Schrittgeschwindigkeit einzuhalten. Sie rufen noch einmal die blauen Schilder am Straßenanfang ins Gedächtnis: Hinweise darauf, dass die Kirchstraße ein verkehrsberuhigter Bereich ist, eine Spielstraße für Kinder. Bisher scheint das die meisten Autofahrer nicht besonders interessiert zu haben. Dagegen wollte Erwin Schnatz (Foto) etwas unternehmen.

Seit fünf Jahren wohnt der 63-Jährige nun schon in Schriesheim und fühlt sich hier auch sehr wohl, wie er betont. Aber mit dem Verkehr in der Kirchstraße kann er sich nicht abfinden. "Sie fahren rücksichtslos, da kann von sieben Stundenkilometern keine Rede mehr sein." In Schnatz' Augen eine Zumutung für die Anwohner, besonders die Kinder. Besonders Mütter nähmen es mit dem Tempolimit in der Spielstraße nicht so genau, eine Tatsache, die ihm völlig unverständlich ist. "Ich habe fünf Enkel. Aber wenn sie zu Besuch kommen, kann man die Kinder nicht rauslassen. Die springen aus dem Hof raus auf die Straße. Das ist nicht nur gefährlich, sie werden auch noch beschimpft."

Schnatz ärgert sich, dass die zuständigen Behörden keinerlei Unterstützung anbieten, sondern die Temposünder unbescholten davonkommen lassen. Also hat er selbst die Initiative ergriffen, denn "nur Schimpfen hat keinen Wert". Die Idee, die Autofahrer nochmal auf die Spielstraße hinzuweisen hatte Schnatz schon länger. "Erst wollte ich eine große Puppe anbringen," sagt er. Bevor er nach Schriesheim umzog, wohnte er in Korb, einem Ortsteil der Stadt Mückmühl. Hier sah er zum ersten Mal "diese wunderbaren Kinderfiguren", die die Autofahrer zum vorsichtigen Fahren auffordern. Und so kam Schnatz, selbst Vater von zwei erwachsenen Kindern, auf die Idee, dass diese Holzfiguren auch für Schriesheim geeignet seien. Er brachte in Erfahrung, wer die Figuren angefertigt hatte und gab bei dem Modellschreiner zwei Schablonen in Auftrag. Schnatz arbeitet gern mit Farbe, und gab so den "Sperrholzkindern" noch den passenden Anstrich. Namen haben sie übrigens auch, "Marvin" und "Susi" hat sie "Vater" Schnatz getauft.

Positive Reaktionen gab es auch schon. Bei Arbeiten im Vorgarten haben ihn Spaziergänger - mit Kindern - auf die Figuren angesprochen, berichtet Schnatz und freut sich über die Anerkennung seiner Mühe. Die Figuren sind sein kleiner Beitrag zur Verkehrssicherheit in Schriesheim, denn "schließlich kann man dem Bürgermeister nicht mit allem in den Ohren liegen". Schnatz hofft nun, dass die Figuren noch lange erhalten bleiben und nicht dem Vandalismus zum Opfer fallen. Die Spielzonenschilder würde er am liebsten mit einem weiteren Zusatz wie etwa "bitte Schritttempo fahren" versehen. Andere Gemeinden hätten das schon vorgemacht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung