21.02.2021

Landtagswahl 2020: SPD-Kandidat Sebastian Cuny hat Spaß daran, auf Menschen zu treffen

Landtagswahl 2020: SPD-Kandidat Sebastian Cuny hat Spaß daran, auf Menschen zu treffen

Sebastian Cuny (42) bereitet meistens das Abendessen für Mann und Sohn zu und legt dabei Wert auf gesunde Zutaten. Am liebsten grillt er aber und lässt sich dabei auch nicht von frostigen Temperaturen abschrecken. Foto: Dorn
Ursprünglich standen bei ihm PR und Werbung im Mittelpunkt, an eine politische Karriere hatte er anfangs noch nicht gedacht. Dann kam immer mehr politisches Engagement dazu.

Von Annette Steininger

Schriesheim. Die Hausnummer wäre eigentlich gar nicht notwendig gewesen. In der Zufahrt lehnen Wahlplakate an der Wand, die Sebastian Cunys (42) Konterfei zeigen. Und wem jetzt noch nicht klar ist, dass man sich dem Haus eines überzeugten Sozialdemokraten nähert, wird dies spätestens beim Blick aufs Gartenhäuschen erfahren: Da baumelt das Schild "In diesem Haus wird SPD gewählt."

Landtagskandidat Cuny bietet der RNZ-Redakteurin einen Platz auf den roten Stühlen am Esstisch an. Überhaupt die Möbel: Die gelungene Kombination aus Modern-Puristisch und historischem Mobiliar im liebevoll sanierten Haus aus den 1930er Jahren fällt sofort ins Auge. "Mein Mann ist Architekt; das habe ich alles ihm überlassen", erzählt Cuny schmunzelnd.

Unweit der B3 und direkt am Kanzelbach hat das Paar, das sich 2013 das Ja-Wort gab, sein Zuhause. Natürlich auch Ben (6), der Pflegesohn, den Cuny aber einfach seinen Sohn nennt. Er und sein Mann waren damals vor vier Jahren das erste schwule Paar überhaupt, das die Pflegschaft für ein Kind im Rhein-Neckar-Kreis übernahm. "Mir war eigentlich schon immer klar, dass ich Kinder will", erzählt Familienmensch Cuny, der gern mit Ben nachmittags auf den Spielplätzen tobt.

Die Zeit mit der Familie ist ihm wichtig, auch wenn ihn gerade der Wahlkampf beansprucht. Aber Mann und Kind nimmt er beim Flyer-Einwerfen auch einfach mal mit. Überhaupt ist er für die tatkräftige Unterstützung von Familie und Freunden sehr dankbar. Dabei sind keineswegs alle SPD-Wähler.

Vor Jahren hatte Cunys inzwischen verstorbene Oma einen Familienkaffee am Samstag ins Leben gerufen, den dann seine Tante in Neckarhausen fortsetzte. Da geht es lustig zu, aber da wird auch mitunter heiß politisch diskutiert. "Das war das beste Info-Stand-Training, das ich bekommen konnte", meint Cuny schmunzelnd. Aktuell gibt es "diese fantastischen Treffen" nicht – "das fehlt mir schon" –, aber immerhin ist es der Familie bereits ab und an gelungen, sich via Videotelefonat zu verabreden.

Das hat auch Vorteile: So konnten diesem Treffen auch Familienmitglieder beiwohnen, die weiter weg leben. Denn Cuny, der selbst in Schriesheim aufgewachsen ist, hat auch Verbindungen nach Frankreich. Von dort stammt sein Vater, der inzwischen auch wieder in seinem Geburtsort bei Verdun lebt. Die Besuche bei seinen Großeltern damals als Kind sind dem Landtagskandidaten in lebhafter Erinnerung geblieben. Nicht nur die doppelte Staatsbürgerschaft, sondern auch die Vorstellung, dass sich seine Opas in den Weltkriegen vielleicht gegenüber gestanden haben, machten ihn früh zum überzeugten Europäer.

Überhaupt war Cuny schon immer ein politischer Mensch. Bereits im zarten Grundschulalter schaute er mit seinem Vater den Presseclub. Aber auch seine inzwischen verstorbene Mutter war ein politisch interessierter Mensch. Ihr war es wichtig, dass ihr Sohn als Einzelkind Rücksichtnahme und Teilen lernt. Zwei Grundsätze, die Cuny prägten.

"Ich war kein einfacher Schüler", erinnert sich der Sozialdemokrat rückblickend mit einem Schmunzeln. "Ich habe schon damals gern meine Meinung gesagt." Da sich seine Mutter als Lehrerin in Schriesheim und er einig waren, dass sie sich besser nicht in derselben Schule befinden sollten, ging Cuny aufs Gymnasium in Heidelberg. Das war auch der Beginn einer gewissen Radleidenschaft. Bis heute nutzt Cuny gern sein rotes Zweirad, auch mal für Radtouren mit der Familie am Wochenende.

Nach dem Abi studierte er Politik und Geschichte, "weil es mich interessiert hat", erzählt Cuny. Doch eigentlich wollte er PR und Werbung machen. Bei einem Wahlkampf nach dem Studium lernte er zwei Jusos aus Edingen-Neckarhausen kennen und gründete mit ihnen die PR-Agentur "Image hoch drei", die er mittlerweile alleine und in Teilzeit führt. Parallel zum Start in die Selbstständigkeit absolvierte Cuny noch ein PR-Management-Studium. Von 2011 bis Ende des vergangenen Jahres war er für den noch amtierenden SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck tätig.

Über all diese Jahre hinweg engagierte sich der heutige SPD-Fraktionsvorsitzende und stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD Rhein-Neckar bereits politisch. "Das ist mein ganz großes Hobby. Ich bin gern mit Menschen zusammen und helfe", erzählt er. Dass er auch kommunalpolitisch Karriere machen könnte, daran hatte er anfangs gar nicht gedacht. Sein Eintritt in die SPD 1996 noch vor seinem 18. Geburtstag war eher dem Wunsch nach dem bundespolitischen Wechsel geschuldet. Aber der Ortsverein habe ihn mit offenen Armen empfangen. Cuny entdeckte für sich das Thema "Jugend", weil es damals einfach kaum Angebote für diese außerhalb der Vereine gab. Er war es auch, der die Gründung des Schriesheimer Jugendgemeinderats mitinitiierte. 2004 wurde er dann erstmals in den Gemeinderat gewählt.

Cuny macht es Spaß, anzupacken und mitzugestalten; er hat durchaus auch schon mal eine Anregung vom Spielplatz mitgenommen. So wird er dort immer mal wieder wegen einer verzweifelten Haus- oder Wohnungssuche angesprochen. Wohnen, Familie und Teilhabe sind auch die Wahlkampfthemen, die ihm besonders am Herzen liegen.

Um den Kopf zwischendurch wieder freizubekommen, liest Cuny gern, vorzugsweise Thriller. Auch Stadionbesuche, wenn sie möglich sind, liebt er: "Da kann man mal so richtig laut sein." Oder er schwingt abends den Kochlöffel, wobei er am liebsten grillt, sogar im Winter. Frostige Temperaturen schrecken ihn auch beim Radfahren nicht ab; schon schwingt er sich auf den roten Drahtesel, um zum nächsten Termin zu sausen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung