08.03.2021

Anwohner kritisiert den Umfang der Rodungen am Branichhang

Stadt rechtfertigt Vorgehen - Zunächst bleiben die Baumstämme liegen

Schriesheim. (hö) Es sieht schon ziemlich wüst aus, am Branichhang unweit vom Bergwerk: Zwischen den Gärten der Branichstraße und dem Schutzzaun zur Talstraße hin wurde seit dem vorletzten Donnerstag auf einer Länge von 350 Metern ein gut 20 Meter breiter Streifen des sogenannten Grenzwirtschaftswaldes gerodet; die Arbeiten sind nach Auskunft der Stadtverwaltung mittlerweile abgeschlossen.

Nach Ansicht eines Anwohners, der die RNZ kontaktierte, handelt es sich keineswegs nur um abgestorbene Bäume, die die Stadtverwaltung aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen. Im Gegenteil: Ihn wundert, das auch kerngesunde Bäume dran glauben mussten. Auch das Argument des Rathauses, dass hier besonders viel Gehölz verdorrt sei, kann er nicht nachvollziehen: "Probleme mit der Trockenheit haben wir hier nicht" – und verweist auf seine eigenen acht Eichen, die am selben Hang nur etwas weiter oberhalb stehen. Auch eine Gefährdung der Talstraßenhäuser sieht er nicht, deswegen wurde schließlich im Herbst 2014 der Auffangzaun errichtet. Kurz: Für den Anwohner ist das Ausmaß der Rodungen schlicht zu groß. Zudem stört ihn, dass nach Aussage eines Arbeiters die abgesägten Stämme und Äste einfach liegen bleiben sollen, weil es zu teuer wäre, sie per Kran zu entfernen.

Im Rathaus bestreitet man, dass man auch im großen Stil gesunde Bäume umhauen ließ. Sprecherin Larissa Wagner schrieb auf RNZ-Anfrage: "Es ist nicht richtig, dass offenbar völlig intakte Bäume ohne Legitimierung gefällt wurden. Grundsätzlich wurden nur abgestorbene Gehölze gefällt", die 80 Prozent des gesamten Gehölzbestandes ausgemacht hätten. Zwei vitale Bäume habe die Firma, die sich in Sachen Verkehrssicherheit gut auskennt fällen müssen, weil sie sich in den nächsten Jahren zu einer Gefahrenquelle entwickeln könnten und weil sie anderen Bäumen, die entfernt werden mussten, im Wege standen. Außerdem blieben auch etliche größere Bäume stehen, die aber wohl bald geschnitten werden müssen.

Von den gefällten Baumstämmen gehe indessen keine Gefahr für die Talstraßenbewohner aus. Weil deren Wurzeln ja in der Erde blieben, bliebe auch der Hang stabil, sodass Felsstürze nicht zu erwarten sind. Zudem gebe es ja die Hangsicherung, diese sei "darauf ausgelegt, mehrere Tonnen abfangen zu können". Der Zaun schütze die Talstraße aber weniger vor entwurzelten Bäumen, sondern vor Geröll und Felsbrocken. Wagners Fazit: "Somit ist durch die aktuellen Arbeiten zu keinem Zeitpunkt von einer Steigerung der Gefahr für Anwohnerinnen und Anwohner auszugehen."

Aber haben die Fällungen nicht das Landschaftsbild am Branichhang sehr verändert? Das bestreitet das Rathaus auch gar nicht. Es verweist auf die anlaufenden Gespräche mit dem Amt für Landwirtschaft und Naturschutz des Kreises, wie der Hang mittelfristig aussehen soll. "Grundsätzlich soll ein Kompromiss zwischen einer dauerhaften Verkehrssicherheit und einem artenreichen Lebensraum für Tiere und Insekten gefunden werden." Zunächst, so bestätigt Wagner, würden die gerodeten Gehölze erst einmal liegen bleiben, aber "noch in diesem Jahr soll eine Beräumung beziehungsweise Umschichtung der vorhandenen Materialien erfolgen". Wagner schreibt der RNZ: "Zum jetzigen Zeitpunkt lässt es sich aber leider nicht vermeiden, vorübergehend diesen aktuellen Übergangszustand in Kauf zu nehmen."

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung