11.03.2021

Plakat und Mahnwache: Fukushima ist in Schriesheim noch nicht vergessen

Plakat und Mahnwache: Fukushima ist in Schriesheim noch nicht vergessen

Die Schriesheimer Ökostromer, Winfried Plesch, Frieder Menges, Bernhard Huck und Annette Dosch (v.l.), präsentieren ihr Plakat zur Atomkraftwerkskatastrophe in Fukushima, die sich am heutigen Donnerstag zum zehnten Mal jährt. Foto: Dorn
Die "Ökostromer" erinnern an die Katastrophe vor zehn Jahren, die zu ihrer Gründung geführt hat. Sie kritisierten bei ihrer Aktion Mängel im Kernkraftwerk Neckarwestheim.

Schriesheim. (vkn) Mit einem Großplakat weisen die Schriesheimer Ökostromer auf das schwere Unglück in einem Atomkraftwerk in Fukushima am 11. März 2011 hin. Außerdem haben sie für den heutigen Jahrestag eine Mahnwache organisiert.

Mit ihrer Aktion erinnern die Ökostromer an die Folgen der Katastrophe und fordern die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke, insbesondere von Neckarwestheim 2 unweit von Heilbronn. "Wir haben dieses Kraftwerk ausdrücklich auf unserer Liste aufgenommen", erläuterte Winfried Plesch von den Ökostromern mit Hinblick auf ein erst jüngst am 19. Februar veröffentlichtes Gutachten, das auf rostende Rohre in den Dampferzeugern hinweist. "Das bereitet uns große Sorgen. Es besteht das Risiko, dass es zu einem Bruch in einem Rohr kommt", so Plesch. Das sei ein enormes Sicherheitsrisiko und könne schlimme Folgen haben.

Das Großplakat mit dem Aufruf: "Nie wieder! 10 Jahre Fukushima: Alle Atomkraftwerke abschalten!" hängt auf einer angemieteten Werbefläche an der Ecke Kirch-/Schönauer Straße in der Innenstadt. Zum Jahrestag, am heutigen Donnerstag 11. März, haben die Ökostromer außerdem am Stadtbrunnen vor dem Kaffeehaus von 16 bis 18 Uhr eine Mahnwache organisiert. "Die ist vom Ordnungsamt genehmigt", so Plesch.

Derzeit sind in Deutschland noch sechs Atomkraftwerke am Netz. Das schwere Reaktorunglück in Fukushima vor zehn Jahren führte zu einem beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurz vor der Katastrophe hatte die damalige Regierungskoalition aus CDU und FDP noch eine Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke beschlossen. Stattdessen mussten bereits 2011 acht der damals noch 17 Reaktoren sofort vom Netz, drei weitere folgten bis heute. Ohne den großen Proteststurm in Deutschland wäre das nicht geschehen, sind sich die Schriesheimer Ökostromer sicher.

Als Folge dieses bundesweiten Protests formierten sich 2011 die "Schriesheimer Ökostromer", um mit ihrem Konzept vor Ort einen Beitrag für die Energiewende mit einem Ausstieg aus der Atom- wie Kohleenergieerzeugung zu bieten. In Kooperation mit den Elektrizitätswerken Schönau, den Stromrebellen aus dem Südschwarzwald, wurde das Angebot "Schriesheimer Ökostrom Plus" entwickelt, das ausschließlich auf erneuerbare Energien setzt und gleichzeitig eine Förderung des Gemeinwohls beinhaltet. Fünf Prozent des erwirtschafteten Kapitals aus der Abschreibung werden dabei jährlich für Gemeinwohlprojekte zur Verfügung gestellt, erklärt Plesch.

Die Bezieher des Schriesheimer Ökostroms entscheiden, welche der aus den Reihen der Ökostromer im Laufe des abgelaufenen Jahres vorgeschlagenen Projekte zum Zuge kommen. Im vergangenen Jahr wurde eine Summe von rund 1700 Euro an verschiedene Projekte ausgeschüttet. Rund 2000 Euro seien es dieses Jahr, so Plesch. "Die Fördersumme steigt, je mehr Strombezieher wir haben."

Die ehrenamtliche Gruppe der Ökostromer zählt im harten Kern derzeit acht Köpfe, und rund 400 Kunden beziehen den Schriesheimer Ökostrom, so Plesch. "Wir träumen davon, dass wir in Schriese einmal mehr als 20 Prozent der Haushalte erreichen", ergänzte Frieder Menges. "1000 wären eine schöne Zahl", gibt sich Plesch bescheidener. Bei einer Stadt von Schriesheims Größenordnung mit um die 15.000 Einwohner müssen die Ökostromer bei ihren Mitbürgern noch einige Überzeugungsarbeit leisten, um ihr stolzes Ziel zu erreichen.

Info: Mehr im Internet: www.schriesheimer.ökostromplus.de. Mahnwache und Infostand am heutigen Donnerstag, 11. März, 16 bis 18 Uhr, Stadtbrunnen (Kaffeehaus).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung