16.03.2021

Schneller geht es nicht zum Schnelltest

Tag 1 im Schnelltestzentrum - Kapazität für 800 Tests - Prozedere dauert maximal drei Minuten - Ergebnis nach einer Viertelstunde per E-Mail

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das geht wirklich fix: In nur drei Minuten, eher kürzer, werden die Daten erfasst, man bekommt einen Code, dann steckt ein Helfer ein Stäbchen in den Rachen, 15 Minuten später erhält man eine E-Mail mit dem Ergebnis – und alles kostenlos. So läuft das im neuen Schnelltestzentrum des Ärztehauses "Dok:Tor" (Eingang Römerstraße), das am Montag seinen ersten Tag hatte. Genaugenommen war es der zweite Tag, denn am Samstag gab es für 70 Wahlhelfer einen Testlauf: "Das lief hervorragend", sagt Dr. Kai Wachter, dessen Hausarztpraxis zusammen mit dem Apotheker Johannes Opitz das neue Center auf die Beine gestellt hat.

Der ganz große Ansturm hat noch nicht eingesetzt, am Montag waren es 120 Buchungen, 400 sind jetzt schon möglich, man kann sich aber auch noch auf 800 steigern. Damit könnte man im besten Fall an einem Tag knapp sechs Prozent aller Schriesheimer testen – und zwar von 8 bis 18 Uhr, sogar auch samstags. Die bisherigen Corona-Ambulanzen in der Stadt wie die von Dr. Alexander Tecl am Schillerplatz arbeiteten ganz normal weiter, sagt Wachter, und er will ihnen auch keine Konkurrenz machen, das neue Schnelltestzentrum sei nur ein Zusatzangebot. Oder eine von drei Säulen der momentanen Teststrategie in Schriesheim: die "Bürgertestung" wie hier, die Tests für das Personal von Schulen und Kindergärten vor Ort und schließlich die Tests bei den Hausärzten. Bürgermeister Hansjörg Höfer kündigte in diesem Zusammenhang an, dass die Fünft- und Sechstklässler, die wieder in den Präsenzunterricht gehen können, ab nächster Woche getestet werden sollen. Mit Dossenheim habe er insgesamt 5000 Selbsttests gekauft.

Im Moment arbeiten in der Römerstraße in dem ehemaligen Bewegungsraum fünf Personen pro Schicht – es gibt täglich zwei –, darunter auch Ehrenamtliche wie vom Arbeitskreis Schriesheimer Senioren, die bei der Erfassung der Daten mithelfen. Den Abstrich nehmen allerdings Medizinstudenten vor – wie Ann-Nicoline Wachter (sechstes Semester in Ulm) und Joudi Khal (zehntes Semester in Heidelberg), die Hausarztpraxis Wachter hatte an den Unis für die Hilfe im Testzentrum geworben. Mit geübtem Griff steckt Khal das Stäbchen in den Rachen, denn hier gibt es deutlich mehr "Material" als in der Nase. Auch wenn es unangenehm ist: Ein tiefer Abstrich ist nötig, "man muss etwas spüren", sagt Kai Wachter. Für Kinder gibt es den garantiert schmerzfreien "Lollitest". Ist das Ergebnis negativ, sei das "zu 99 Prozent sicher", so Wachter. Bei einem positiven Resultat folgt ein PCR-, also Labor-Test, den wiederum nur die Hausärzte anbieten.

Für die Ausstattung des neuen Zentrums – von den Tests über die Kittel und Einweghandschuhe bis hin zur Software – hat Johannes Opitz gesorgt, weil er schon ähnliches für Seniorenheime organisiert hat – und an seine gewaltigen Stückmengen an Bestellungen hängte sich das Schnelltestzentrum dran. Im Prinzip klappe der Nachschub, sagt der Apotheker, aber es gibt immer mal wieder Engpässe. Dass die Schnelltests für die Schriesheimer kostenlos sind, liegt an der Vergütung des Bundes: neun Euro für den Test an sich und zwölf Euro für den Personalaufwand. Denn schließlich werden die Medizinstudenten auch bezahlt – zumal etlichen ihre sonstigen Nebenjobs coronabedingt weggebrochen sind. Für die Stadt entstehen durch das neue Center auch keine Kosten, was wiederum Bürgermeister Höfer freut.

Für ihn ist das Schnelltestzentrum ein großer Schritt nach vorn in Sachen Pandemiebekämpfung vor Ort: "Ich erhoffe mir davon, dass wir bei den bisherigen Fallzahlen bleiben. Im Moment haben wir in Schriesheim vier aktive Fälle. Wenn es uns gelingt, möglichst viele Personen zu testen, können wir einigermaßen zur Normalität zurückkehren. Aber am meisten sehnen wir uns alle nach einer Impfung." Das sieht auch Wachter so – und so könnte aus dem Schnelltest- bald auch ein Impfzentrum werden, das auch die anderen Hausärzte nutzen können.

Damit auch das Prozedere so fix abgewickelt werden kann, wäre es Wachter am liebsten, wenn sich jeder vorher im Internet (www.covid-testzentrum-schriesheim.de) anmelden würde – per Telefon ist das nicht möglich. Prinzipiell kann auch jeder getestet werden, der keinen Internetzugang hat, allerdings einfach mal auf gut Glück vorbeizuschauen, davon rät Wachter ab: "Nur die Volldigitalisierung macht unser Schnelltestzentrum wirklich schnell."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung