19.03.2021

Fürs Radeln bestenfalls Mittelmaß

Die Kommunen der Region schneiden nicht besonders gut ab. Schriesheim ist erstmals dabei.

Von Micha Hörnle

Bergstraße/Neckar. In Sachen Fahrradfreundlichkeit haben die Kommunen der Region offenbar noch ordentlich Nachholbedarf. Denn beim großen Radklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) – hier gaben Radler Schulnoten bei insgesamt 27 Fragen – schnitten sie mal mit einer schlechten 3, mit einer guten oder glatten 4 ab: Am besten noch Ladenburg mit einer 3,4 (Platz 46 bei den Städten unter 20.000 Einwohnern), Schriesheim und Hirschberg (Plätze 203 und 165) kommen auf eine 3,8, Weinheim (Platz 264 bei allen Städten von 20.000 bis 50.000 Einwohner) und Edingen-Neckarhausen (Platz 270) bilden mit einer 4,0 das Schlusslicht.

Das hört sich schlimmer an als es ist. Denn selbst die Fahrradhochburg der Region, Heidelberg, kommt nur auf eine 3,5; die allermeisten der 1024 Kommunen, für die Ergebnisse vorliegen, erreichen Noten zwischen 4 und 5. Die beste Note, eine 1,96, erhielt Wettringen im Münsterland. Die durchschnittliche Note aller 418 Kommunen unter 20.000 Einwohnern liegt bei 3,8 – also Punktlandung für Schriesheim und Hirschberg. Die insgesamt 264 Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner kommen im Schnitt auf eine 3,9 – also schneidet Weinheim nicht gerade vorteilhaft ab.

Immerhin: Ladenburg und Weinheim haben sich nicht groß verschlechtert, Schriesheims, Hirschbergs und Edingen-Neckarhausens Radfahrer beteiligten sich zum ersten Mal in genügend großer Zahl – das Minimum sind 50 Teilnehmer – an der Internetumfrage. Insgesamt machten in Weinheim mit 134 Antworten von Radlern die meisten mit, gefolgt von Edingen-Neckarhausen (101), Ladenburg (87), Schriesheim (79) und Hirschberg (58).

Die Stärken Schriesheims beispielsweise liegen mit Schulnoten im Zweier-Bereich in der vergleichsweise guten Erreichbarkeit der Innenstadt, im zügigen Fahren – und dass praktisch jede Altersgruppe radelt. Das gilt, mit tendenziell besseren Noten, auch für Ladenburg; allerdings punktet die Römerstadt mit öffentlichen Leihrädern, die es in Schriesheim nicht gibt. Das geben die Radfahrer auch als die größte Schwäche der Weinstadt an, genauso wie die (ausbleibende) Fahrradförderung der jüngsten Zeit und die Kontrolle von Falschparkern auf den Radwegen (Note jeweils 4,8). Ebenfalls als nicht gut bewertet werden die Ampelschaltungen für die Radler (4,7), die Verkehrsführung an Baustellen (4,4) oder die Öffnung von Einbahnstraßen in der Gegenrichtung – gedacht ist da wohl vor allem an die Heidelberger Straße (4,2). Hier schneidet Hirschberg mit einer 2,5 am besten ab; ansonsten erreicht diese Gemeinde durchweg ähnliche Noten wie die südlichen Bergsträßer Nachbarn und hat auch dieselben Schwächen.

Überhaupt: die Radwege. Schlechte Noten bekommt in Schriesheim ihre Reinigung (4,4), ihre Breite (4,3) oder der Winterdienst (4,2); ihre Oberfläche kommt besser weg (3,9). Im Gegensatz zu Ladenburg, dem fast durchweg bessere Noten gegeben werden, punktet Schriesheim mit einer deutlich besseren Mitnahmemöglichkeit von Rädern im öffentlichen Nahverkehr (3,7, Ladenburg: 4,0). Weinheims größtes Plus sind die öffentlichen Leihräder (und zugleich Edingen-Neckarhausens großes Manko; Noten 2,3 und 4,9). In beiden Kommunen ist die Falschparkerkontrolle wie fast überall das größte Problem (Weinheim: 5,3, Edingen-Neckarhausen: 4,9).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung