22.03.2021

Wenn die Roller wieder schreien

Wenn die Roller wieder schreien

Man sieht es den Schülern an, dass sie viel Spaß beim Rollerfahren haben. Foto: Dorn
"Spielerisch und pädagogisch wertvoll": Schüler der Strahlenberger Grundschule sind dank des Rotary Clubs Schriesheim-Lobdengau jetzt auf Rollern unterwegs

Von Max Rieser

Schriesheim. Das eintönige Lernen vor dem Bildschirm hat ein Ende. Zumindest für die Schüler der Strahlenberger Grundschule. Denn das "Rollermobil" des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hat die Schule mit einem Satz Roller ausgestattet: "Wir haben 30 Roller für die Schüler und einen größeren für die Lehrer bekommen", freut sich Schulleiterin Steffi Zschätsch. Die Roller können von den Schülern selbstständig aus einem Lagerraum entnommen werden und jederzeit, außer in der großen Pause, denn da ist es zu voll, bespielt werden.

Zusätzlich stehen noch Rampen und andere Gegenstände zur Verfügung, um auch einen abwechslungsreichen Parcours aufbauen zu können. Und das klappt wunderbar, wie die vierte Klasse unter Anleitung von Klassenlehrerin Katrin Brandt demonstriert. Sie sagt: "Wir haben die Roller mehrmals täglich im Einsatz, das macht wirklich Spaß. Die Kinder können sich nach der Bewegung viel besser konzentrieren und auch nach Klassenarbeiten ist die Zerstreuung für alle angenehm."

Generell sei die physische Betätigung gerade in Zeiten des Homeschooling sehr wichtig, betont Zschätsch: "Wir machen auch vermehrt Ausflüge in den Wald, und da kommt uns auch unsere direkte Nähe zu den Weinbergen zugute. Aber auch auf dem Schulhof können die Kinder jetzt mehr machen, weil der Sportunterricht in der Halle ja leider ausfallen muss."

Die dringend erforderliche Sanierung des Schulhofs sei eines der nächsten Projekte für die Schule, sagt Zschätsch. Um die Roller vom ADFC zu mieten, nahm der Förderverein der Grundschule Kontakt mit Karl F. Glenz auf.

Glenz ist Vorstandsmitglied des Rotary Clubs Schriesheim-Lobdengau und steht schon seit vielen Jahren in Kontakt mit der Schulleitung. Eines der größten Projekte der Schriesheimer Rotarier, wie sich die Mitglieder selbst nennen, ist das Projekt "Gesunde Kids – Fit fürs Leben". Es fußt auf den drei Säulen Ernährung, Bewegung und Persönlichkeitsbildung, um Kinder auf ein ganzheitlich gesundes Leben vorzubereiten. Da die Roller genau in den Baustein der Bewegung passen, trug Glenz die Idee an Klubpräsidentin Birgit Zilles heran. Da auch sie gleich angetan war, konnte die Rotary-Hilfe das Geld für die Miete der Roller stellen.

"Wir wollen damit zeigen, dass auch in dieser Zeit tolle Aktionen möglich sind, die den Kindern spielerisch und pädagogisch wertvoll etwas geben", so Glenz. Birgit Zilles sagt: "Ich freue mich, dass das trotz Corona in meiner einjährigen Präsidentschaft geklappt hat, denn mir war es wichtig, etwas für Bewegung und Sport zu tun." Für die Initiative der Rotarier ist die Schulleitung dankbar, und auch die Schüler freuen sich sehr. "Die Roller sind entspannt zu fahren. Sie haben große Luftreifen und fahren viel besser als normale Cityroller", sagt eine Schülerin.

Eine Schulkameradin findet: "Ich bin froh, dass wir uns wieder sehen können und auch mal was anderes machen als Unterricht zu Hause." Eine weitere ärgert sich: "Ich finde es schade, dass wir noch keine AGs machen dürfen. Wir wollten mit der Theater AG letztes Jahr im Mai Hänsel und Gretel aufführen und das ging nicht und seitdem hatten wir auch keine Proben mehr."

Trotzdem sind Brandt und ihre Schüler froh, dass sie wieder zusammen sein können. Und auch die Direktorin sagt: "Der Alltag an einer Grundschule ist von sozialem Miteinander geprägt, und wir freuen uns, dass das jetzt wieder geht." Die Roller haben auch geholfen, die Schüler wieder an den Unterricht zu gewöhnen: "Die Umstellung, wieder mehrere Stunden am Stück in der Klasse zu sein, war für viele schwierig. Da konnte man sich beim Rollern etwas ablenken", sagt Brandt.

Sie ist froh, dass fast alle Lehrer schon geimpft sind, würde sich aber eine Maskenpflicht auch für die Schüler wünschen: "Man kommt sich beim Unterrichten natürlich oft sehr nah und da könnte die Maske alle schützen. Leider wollen das auch viele Eltern nicht." Sie betont außerdem: "Ich wäre froh, wenn wir über die Maßnahmen nicht immer erst über die Medien erfahren würden, sondern die Informationen direkt vom Land kämen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung