23.03.2021

Altenbacher Spielplatz: "Kinder sollen nicht die Fehler der Vergangenheit ausbaden"

Die Elterninitiative suchte das Gespräch mit dem Anwohner und dem Bürgermeister. Sie appelliert, das Areal nicht zu verkleinern.

Schriesheim-Altenbach. (hö) Am heutigen Dienstagabend soll der Ortschaftsrat über die Spielplatzsanierung entscheiden – mal wieder. Denn um 19 Uhr trifft man sich in der Mehrzweckhalle, um zwei Wochen nach der letzten Sitzung zu sehen, ob es doch noch eine Lösung gibt. Bisher ist von allen Fragen die nach der zur Verfügung stehenden Fläche die heikelste: Ein Teil gehört einem Anwohner, der allerdings auch städtische Fläche für den Bau einer Zufahrt zu seiner Wiese braucht; in der Vergangenheit musste er deswegen über den Spielplatz fahren. Das war der Hauptgrund dafür, weswegen Bürgermeister Hansjörg Höfer einer Sanierung des Spielplatzes – trotz der im Haushalt eingestellten Gelder – lange nicht zustimmen konnte.

In der Sache an sich gibt es wohl relativ wenig Bewegung – trotz der Vertagung des Ortschaftsrates –, dafür melden sich in den letzten Tagen der Jugendgemeinderat und nun die Altenbacher Eltern zu Wort. Letztere hatten in der Sitzung am 8. März einen Antrag eingebracht, den 83 Bürger unterzeichnet hatten. Darin fordern sie einen Spielplatzneubau nach den Plänen von Rolf Schwarz, der auf dem städtischen Anteil des Grundstücks entstehen soll. In keinem Fall dürfe das Areal noch kleiner als jetzt werden.

Sonja Stoll erklärte in Vertretung der Eltern gegenüber der RNZ: "Uns ist eine persönliche und politische Neutralität sehr wichtig. Uns Eltern liegt es fern, die bestehenden Konflikte weiter zu befeuern." Allerdings sagte sie auch fast ein bisschen resigniert: "Wendet man sich als Bürger an den Altenbacher Ortschaftsrat, ist es beinahe unmöglich, nicht in irgendeiner Weise zu polarisieren. Selbst wenn man dies niemals beabsichtigte. In unserem Fokus stand es lediglich, Gehör für unser Anliegen zu finden. Unser Interesse gilt einem Spielplatz, welcher nicht verkleinert werden soll."

Am letzten Dienstag trafen sich, so Stoll, Vertreter der Elterninitiative mit dem Grundstückseigentümer auf dem Spielplatzgelände: "Es war uns sehr wichtig, alle Seiten zu hören und deren Argumente zu beleuchten. In diesem Gespräch wurde uns nochmals sehr deutlich, dass die bestehenden Konflikte und der Ärger des Grundstückseigentümers aus einer langen Vergangenheit herrühren." Doch jetzt "im Stadium der Fehleranalyse zu verharren und Schuldzuweisungen hin und her zu schieben", helfe Altenbach nicht weiter, so die Eltern: "Es wird Zeit, die aktuelle Situation – so bedauerlich sie auch sein mag – jetzt so zu nehmen, wie sie ist, und endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Denn wir sind der Ansicht, dass es nicht die Altenbacher Kinder und Familien sein dürfen, die die Fehler der Vergangenheit nun ausbaden sollten!" Das Allgemeininteresse sei in diesem Fall als höheres Gut zu betrachten.

Tags drauf, am Mittwoch, trafen sich erneut Vertreter der Elterninitiative mit dem Bürgermeister im Rathaus. Höfer machte ihnen deutlich, dass die Stadt dem Eigentümer des Nachbargrundstückes keinen Anteil der städtischen Spielplatzfläche für eine Überfahrt abgeben werde, es sei denn, es käme zu einem Flächentausch.

Ungeachtet dessen sehe der immer noch gültige Beschlussantrag von Ortsvorsteher Herbert Kraus die Planung des Spielplatzes auf verkleinerter Fläche – also abzüglich eines Bereiches für eine Überfahrt auf städtischer Fläche – vor. Würde diesem Antrag heute zugestimmt, entstünde mitten auf dem Spielplatz eine nicht nutzbare Fläche: Sie dürfte nach diesem Beschluss weder beplant werden, noch werde die Stadtverwaltung, wie angekündigt, dem Bau einer Überfahrt zustimmen, so Stoll. Kurz: "Niemand hätte etwas davon." Stattdessen wäre es nach Meinung der Eltern "zielführend, wenn Ortsvorsteher und Ortschaftsrat nicht gegen den Bürgermeister oder die Stadtverwaltung arbeiten würden, sondern Hand in Hand, damit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger auch tragfähige Entscheidungen zustande kommen".

Die Initiative appelliert daher an den gesamten Ortschaftsrat, ihren von über 80 Altenbachern unterschriebenen Beschlussantrag zuzustimmen, "um somit den Bau des Spielplatzes auf der gesamten Spielplatzfläche zu ermöglichen". Auf der letzten Sitzung wurde der zugelassen, obwohl Bürger eigentlich dazu nicht berechtigt sind. Für die anstehende Sitzung wurde dieser Antrag nicht in die Tagesordnung mit aufgenommen, "was wir angesichts der Pflicht zur Vertretung des Bürgerinteresses als äußerst enttäuschend empfinden". Deswegen fordern die Eltern, diesen Antrag erneut zur Abstimmung zu stellen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung