03.04.2021

"Jeder Mensch ist einzigartig – jeder Tod auch"

Corona stellt die Sterbebegleitung der Kirchengemeinden vor neue Herausforderungen und auch Probleme. Der Osterglaube bietet Trost.

Von Marion Gottlob

Schriesheim. Mit der Coronakrise hat sich fast jeder Bereich des Lebens geändert – so auch die Begleitung von Sterbenden. "Es ist schwierig", sagt Suse Best, Pfarrerin der evangelischen Kirche Schriesheim. Ihr katholischer Amtskollege Ronny Baier stimmt zu: "Manches ist in der Coronazeit sehr bedrückend." Doch beide sind sich einig: "Wenn wir als Seelsorger gerufen werden, kommen wir." Die RNZ hat mit den beiden Pfarrern und der katholischen Gemeindereferentin Iris Reinhardt zum Thema Sterbebegleitung in diesen Zeiten gesprochen.

Suse Best hat vor dem Studium der Theologie zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert: "Ich habe gelernt, Menschen genau zu beobachten." Die Erfahrung kommt ihr bei der Begleitung von Sterbenden zugute. Wie zu normalen Zeiten besucht sie auch jetzt schwerkranke Menschen auf Wunsch.

So wurde sie vor Kurzem zu einer Seniorin nach Hause gebeten. Die ältere Frau war schon so schwach, dass sie immer wieder einschlief. Sobald sie jedoch die Ankunft der Pfarrerin spürte, öffnete sie die Augen und lächelte den Gast an. Daraufhin sprach Best das "Vater unser" und betete den Psalm 23: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser." Die Pfarrerin erklärt: "Gerade ältere Menschen fühlen sich in den vertrauten Worten geborgen."

Sie beobachtet den Trend, dass Familien in Coronazeiten öfter Sterbende zu Hause begleiten: "Manche Angehörigen haben den Mut dazu. So können Berührungen und gute Worte helfen. Sterbende hören bis zuletzt, auch wenn sie es nicht mehr zeigen können.

Baier erlebt es so, dass auch und gerade in Corona-Zeiten der Beistand eines Seelsorgers als tröstlich erlebt wird: "Den Sterbenden hilft die Krankensalbung. Nach dem Tod ist dann für die Angehörigen die Segnung des Verstorbenen bewegend – der Abschied kann zu einem guten Ende geführt werden."

Best hat erlebt, dass die Betroffenen an und mit Corona verstorben sind. Manchmal stellen Angehörige die Frage nach der Schuld: "Wie kam es zu der Infektion?" In ihrer Predigt an Karfreitag wird sie sich mit so schwierigen Themen wie Schuld beschäftigen: "Wir werden schuldig, sobald wir leben. Schuld gehört zum Leben. Doch wir haben im Christentum die große Zusage, dass Jesus für unsere Schuld einsteht."

Baier wurde zu solchen Schuldgedanken noch nicht befragt, aber er betont: "Auch in Corona-Zeiten pflegen Angehörige schwerstkranke Menschen rund um die Uhr. Sie können und wollen das nicht aufgeben, aus Angst vor einer Infektion."

Sowohl Pfarrerin Best wie auch Pfarrer Baier haben die Erfahrung gemacht: "Oft wählen Sterbende einen Moment des Alleinseins, um zu sterben." Also einen Augenblick, in dem alle Angehörigen den Raum verlassen haben. Warum? Das weiß niemand. Aber dieses Phänomen gibt es auch in Corona-Zeiten.

Das Trauergespräch mit Angehörigen hat sich dagegen verändert. Die katholische Gemeindereferentin Iris Reinhardt erklärt: "Ich führe das Gespräch mit den Angehörigen in unserem kleinen Pfarrsaal mit Abstand und hinter einer Trennwand aus Plexiglas." Sehr schwierig ist es, dass es keine Gesten wie Hände-Reichen, ein Streicheln über den Arm oder eine kurze Umarmung zum Trost geben darf.

Zur Beerdigung ist nur eine bestimmte Anzahl von Menschen zugelassen. Manchmal versammeln sich noch weitere Gäste auf dem Friedhof mit Sicherheitsabstand. Das Singen ist nicht gestattet. Doch Vorsänger, Liturgen und Pfarrer dürfen mit Sicherheitsabstand singen. Das tut auch Pfarrerin Suse Best: "Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind. Bei ihm ist Trost und Heil."

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung