07.04.2021

So feierten die Kirchen das Osterfest

So feierten die Kirchen das Osterfest

Der katholische Pfarrer Ronny Baier bei der Festmesse in Schriesheim mit der Osterkerze, deren Feuer in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag entzündet worden war. Fotos: Dorn
Unterschiedlich feierten die beiden Kirchen: die Katholiken mit einer musikalischen Festmesse, die Protestanten tauften fünf Konfirmanden

Von Marion Gottlob

Schriesheim. An diesem Osterfest wählten katholische und evangelische Kirche in der Stadt sehr unterschiedliche Wege: Während man in der evangelischen Kirche auf die Anwesenheit von "normalen" Besuchern – mit Ausnahme von geladenen Gästen zur Tauffeier – verzichtete und online ging, blieb die katholische Kirche beim Präsenz-Gottesdienst mit Hygiene-Konzept und Online-Übertragung. Während die evangelische Kirche nach einer langen Corona-Pause das Abendmahl im Gottesdienst erstmals am Gründonnerstag im Internet (und damit für jeden zuhause) feierte, hatte die katholische Kirche auf eine Pause bei der Eucharistie-Feier verzichtet – auch an Ostern gab es dieses Sakrament in Präsenz, jedoch ohne Kelchkommunion und mit Sicherheitsabstand.

Diese katholische Festmesse zu Ostern war sowohl Gottesdienst wie Konzert – so herausragend waren die musikalischen Beiträge zur Feier. Als Pfarrer Ronny Baier seinen Dank aussprach, gab es spontanen Applaus, ja fast Standing Ovations. Doch die rund 50 Besucher klatschten auch für die Helfer- und Video-Teams und für die Ministrantengruppe Beifall. Gerade in Corona-Zeiten wussten die Menschen die besonderen Anstrengungen der Helfer zu schätzen.

Die Besucher wurden empfangen mit einem Duo G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 423, das für Violine und Fagott (statt Viola) arrangiert war. Lara Siefert (Violine) und Antonia Zimmermann (Fagott) füllten die Kirche mit wunderbarem Wohlklang. Es folgte das Lied von Johann Sebastian Bach "Auf, auf! Mein Herz mit Freuden". Sänger Thorsten Gedak konnte mit seiner Stimme tief berühren, achtsam und einfühlsam. Immer wieder hüllte er die Seelen seiner Zuhörer mit seinem Gesang in Zuversicht und Hoffnung ein. Wilfried Althammer an der Orgel ergänzte das Ensemble als Solist wie auch als Begleiter optimal. Ein wahrer, geistlicher Musikgenuss.

Pfarrer Baier begrüßte seine Gemeinde: "Jeden Tag springt uns der Tod ins Auge. Er zerschneidet Beziehungen, entlässt Menschen ins Alleinsein, bringt Schmerz und Leid mit sich. Das Osterfest setzt dem eine Hoffnung entgegen, die vom Leben kündet. Die Auferstehung steht zwar für ein Happy End unseres irdischen Lebens, denn der Tod behält nicht das letzte Wort, sie soll aber nicht nur Jenseitshoffnung sein, sondern schon jetzt im Hier und Jetzt erfahrbar werden."

Später segnete Baier das Oster- und Taufwasser: "Ostern und Taufe gehören zusammen. Taufe stiftet Gemeinschaft mit Jesus. Wir feiern heute keine Taufe, wollen uns aber im österlichen Taufgedächtnis an unsere Taufe erinnern." In seiner Predigt erinnerte er an Maria Magdalena, die an Ostern das leere Grab gefunden und über den Verbleib der Leiche Jesu gerätselt hatte: "Sie schaute auf die Lücke und auf das, was ihr fehlte. Wie oft schauen auch wir auf die Lücke."

Dann erkannte Maria Magdalena Jesus und "sie wandte sich vom Tod ab und dem Leben zu", so Pfarrer Baier. Margarethe Berlinghoff sprach die Fürbitten: "Wir sind dankbar und hoffen, dass die Impfung und die Tests einen Ausweg aus der Corona-Pandemie versprechen. Wir bitten für alle, die an Covid-19 erkrankt sind und in besonderer Gefahr sind. Wir beten für alle, die hoffen und geduldig warten, dass das Leben bald wieder geselliger werden darf."

Sie bat aber auch: "Wir bitten für alle, die aufgrund von Versagen der Kirche diese lieber verlassen als bleiben wollen. Jesus Christus, Du schaust auf die Not der Welt und der Menschen, mit denen wir verbunden sind, und lässt sie nicht allein." Nach der Kommunion mit Abstandsregeln folgten der Segen und das Schlusslied mit Thorsten Gedak nach einer Melodie von Georg Friedrich Händel: "Dir, Auferstandener, sei Lobgesang. Diesem Friedenskönig dien’ ich lebenslang."

Es war noch dunkel, als sich gegen Viertel vor sechs fünf Jugendliche und ihre Taufgäste der evangelischen Kirche näherten. In der Kirche blieb es fast dunkel. Die wenigen Besucher suchten sich mit Handy-Lampen ihre Plätze. Kurz darauf wurden in vielen Wohnungen Computer hochgefahren: So konnte um 6 Uhr die Osternachtfeier mit Taufe starten – in Präsenz und online.

Es begann mit der Schöpfungsgeschichte: "Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." Zwei Kerzen auf dem Altar wurden entzündet. Es erklang das Taizélied: "Bleibet hier und wachet mit mir." Es folgte ein Streifzug durch die Bibel mit Stationen, an denen Licht zum Zeichen für Vergebung und Hoffnung wurde.

Pfarrerin Suse Best betete: "Gott, wir dürfen zu Dir kommen, ohne Bedingungen. Stärke unsere Hoffnung." Zum nächsten Taizégesang "Jubilate Deo, omnis terra, psalite, domino in laetitia. Halleluja" wurde die Osterkerze in die Kirche getragen, während es auch draußen hell wurde. Gemeindediakon Albrecht Röther predigte: "An Ostern macht Gott frei: Dich! Der Tod selbst hat seinen Schrecken verloren. Endlich frei: Wir müssen nicht mehr schlecht über uns denken, wir müssen nicht mehr um Anerkennung buhlen, wir müssen keine Angst mehr haben."

Für die wenigen geladenen Tauf-Gäste wurden kleine Kerzen entzündet. Pfarrerin Best sagte: "Die Lichter strahlen mir ins Herz. Der Herr ist auferstanden." Sie leitete das Ritual der Taufe ein: "Wir haben hier fünf junge Leute, die sich für die Taufe entschieden haben. Es sind wohlüberlegte Entscheidungen." Zu der Gruppe gehörte Lea (13): "Seit ich klein war, glaube ich an Gott." Max fügte hinzu: "Ich will meine Beziehung zu Gott festigen."

Nach der Taufe sang Lea mit der Band: "You call me out upon the waters – Du lässt mich über Wasser gehen." Zum Schluss ging es, mit Sicherheitsabstand, im Walzer-Schritt zu dem Lied "Wir wollen alle fröhlich sein" nach draußen zum Osterfeuer – Best: "Gott, behüte die Täuflinge, dass sie geborgen in dir ihr Leben leben." Es wurden getauft: Lea Weißmann, Hanja Hoppe, Neele Gille, Max Fleck und Ben Vogel. Lea sagte anschließend gelassen zu der Tauffeier: "Mich hat Corona nicht besonders gestört. Es könnte schlimmer sein."

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So feierten die Kirchen das Osterfest-2
Um 6 Uhr früh begann die Osternachtfeier der evangelischen Kirche. Zum Schluss versammelten sich die fünf frisch getauften Konfirmanden mit ihren Begleitern rund um das Osterfeuer.

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung