09.04.2021

Gespanntes Warten bei den Sportvereinen

Manche Vereine konnten Anfang März für zwei Wochen mal kurz hoffen - Viele haben ihre Kursangebote ins Internet verlegt

Schriesheim. (max) Fünf Monate Lockdown stecken den Sportvereinen in den Knochen. Der Umgang mit der Zwangspause ist je nach Sportart und auch Reichweite des Vereins unterschiedlich. Die RNZ hörte sich um.

Serie: Vereine im Lockdown

Die zweiwöchige Öffnung für den Sport Anfang März ließ die Vereinsverantwortlichen kurz hoffen, jetzt ist wieder alles dicht. Der Vorsitzende des KSV, Herbert Graf, sagt: "Wir hatten gehofft, jetzt wieder öffnen zu dürfen, das hat sich jetzt zerschlagen." Der Kraftsportverein hat die Zeit genutzt, Studio und Umkleidekabinen renoviert und alles etwas "aufgehübscht", wie Graf sagt. Um den Mitgliedern auch zu Hause etwas bieten zu können, verschicken die Trainer des KSV zweimal wöchentlich Videos fürs Online-Training, wofür sich jedes Mitglied anmelden kann. Und das wird dankbar angenommen. Bis zu 120 Teilnehmer verzeichnet Graf pro Termin.

Auch der TV Altenbach unter der Leitung von Suzanne Epp ist zwangsweise ins Internet ausgewichen. Seit Februar werden fünf Kurse pro Woche angeboten. Epp ist begeistert, dass sogar ein 90-jähriges und mehrere Mitglieder in ihren Achtzigern an den Bildschirm-Kursen teilnehmen. Dabei entstehen häufig auch ungewöhnliche Situationen: "Dann klappt am Anfang das Einwählen nicht, oder einer fliegt raus, oder das Internet hängt – und wir telefonieren erst mal ganz viel rum. Das ist einfach lustig, da haben wir immer Spaß. Auch die Älteren", berichtet sie. Ersetzen könne das alles den persönlichen Kontakt nicht: "Aber es ist viel besser als nichts", findet Epp. Beide Vereinsleiter beklagen eine einseitige Fluktuation. Zwar seien nicht mehr Kündigungen als sonst eingegangen, die Nachrücker bleiben aber aus. So fehlen dem KSV bis Ende des Jahres laut Graf bis zu 200 Mitglieder, "und das geht richtig ins Geld."

Verzwickter mit dem virtuellen Angebot sieht es da bei den Volleyballern aus: "Es ist ein bisschen schwierig, den Ball online übers Netz zu kriegen, da machen wir nichts" sagt der Vereinsvorsitzende Reiner Jungk. Ähnlich ist es auf den Schießständen. Der erste Vorsitzende der Altenbacher Sportschützen, Johannes Kühn, sagt: "Als Schützen können wir natürlich online nichts anbieten", und der Betrieb liegt seit Monaten brach. Der letzte Wettkampf des Vereins fand im Februar 2019 statt. Das ist für einen Verein mit sportlichen Ambitionen eine Katastrophe, denn so wandern auch viele Aktive ab: "Das größte Risiko ist nicht an erster Stelle das finanzielle, sondern der Mitgliederverlust", sagt Kühn.

Der kommt auch dadurch zustande, dass die Veranstaltungen, die das Vereinsleben ausmachen und Geld in die Kasse spülen, nach wie vor ausfallen. Unlängst erst hätte das beliebte Ostereierschießen stattgefunden, auch das wurde abgesagt. Ähnliches beklagt auch der Sportschützenverein Strahlenburg. Beim letzten Osterwettbewerb wurden 1000 Eier ausgegeben. Dass so ein großes Event ausfällt, schmerze, so der Vorsitzende Georg Berg. Um einen Mitgliederschwund macht er sich weniger Sorgen, da der Verein viele junge Aktive hat. Das liegt laut Berg nicht zuletzt daran, dass vor allem großkalibrige, also als attraktiv empfundene Waffen im Einsatz sind.

Beim Volleyball-Verein steht alles still: "Die Halle ist zu, von daher hat sich das erübrigt", sagt Jungk. Mehr Glück hat Robert Long vom TC Schriesheim: "Wir bereiten uns normal auf die neue Saison vor und machen die Plätze fertig. Die Sommersaison und die Verbandsrunde beginnen offiziell am 1. Mai", sagt er, allerdings wurde der Start vorsorglich auf den 1. Juni verschoben. Die Tennisspieler dürfen nach Absprache mit dem Ordnungsamt schon auf den Platz– für die Vorbereitungen. Long macht sich Sorgen, dass eine wichtige Einnahmequelle des Vereins neben Turnieren bald wegbrechen könnte: "Die Vereinsaktivitäten kosten natürlich viel Geld, und wir haben auch Angst, dass uns Sponsoren abspringen, weil die das finanziell in der Situation auch nicht mehr leisten können."

Auch Dritte, die für die Vereine wichtig sind, haben die Vorsitzenden im Blick. So plante der TV Altenbach ein Zirkusprojekt für Kinder, das eine externe Übungsleiterin leiten sollte: "Wir haben da jemanden, die das anbieten würde. Ich hoffe einfach, dass ihr Laden überlebt und wir das dann noch machen können", so Epp. Ein Übungsleiter sei bereits ausgestiegen, berichtet sie. Long fürchtet eher um den Pächter des Klubrestaurants: "Er hat erst 2019 übernommen und kam gleich in den Lockdown. Das ist natürlich eine absolute Katastrophe."

Sehr zufrieden sind die Sportvereine mit der Zusammenarbeit mit der Stadt. Viele loben, dass sie vom Ordnungsamt immer schnell und präzise mit Informationen versorgt werden. Auch Hallenmieten, wie bei den Altenbacher Turnern, wurden erlassen. Aber man wünscht sich, dass eine bessere Teststrategie den Sport wieder ermöglichen würde, denn alle haben viel Arbeit, Zeit und Geld in ausgeklügelte Hygienekonzepte gesteckt. Wie es dann anläuft, darüber gehen die Meinungen auseinander. Kühn könnte sich vorstellen, dass "wir dann einen Run auf den Verein haben, weil alle was nachholen und sich endlich wieder treffen wollen". Epp befürchtet eher, dass die Verunsicherung noch anhalten wird und die Mitglieder erst mal gar nicht in die Halle wollen. Solange legen die Vereinsvorsitzenden ihre ganze Hoffnung in ein zügiges Impfen, denn im Grunde sind sie ja bereit – und warten nur auf den Startschuss.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung