09.04.2021

So lief es seit Mittwoch beim Impfen bei den Hausärzten

So lief es seit Mittwoch beim Impfen bei den Hausärzten

Nurten Kaya (im Hintergrund: Dr. Georg Raupp) impfte am Mittwoch in der Dok:Tor-Gemeinschaftspraxis eine Patientin. Foto: Dorn
Es gab doch mehr Dosen als zunächst gedacht. Keine Konkurrenz zum mobilen Zentrum in der Mehrzweckhalle.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Bereits am Donnerstag war bei den Schriesheimer Hausärzten die erste Schlacht geschlagen: Alle zugeteilten Dosen wurden aufgebraucht. Tatsächlich begann das Impfen nicht direkt am Dienstag nach Ostern, sondern erst einen Tag später. Aber dann ging es los – und zwar mit Macht. Denn entgegen den ersten Meldungen, dass nur 30 Dosen pro Praxis zugeteilt würden, waren es tatsächlich deutlich mehr. Denn die Maximalzahl von 30 gilt nicht für eine Praxis, sondern für die Anzahl der Ärzte, die darin arbeiten. Und so verfügte beispielsweise die Gemeinschaftspraxis im Dok:Tor über 240 Dosen und die Hausarztpraxis von Alexander Tecl am Schillerplatz über 60 (denn auch sein Vater Dr. Robert Tecl darf noch als Arzt mitgezählt werden).

Doch die Patienten waren ungeduldig: Schon direkt nach den Feiertagen "standen die Telefone nicht mehr still", sagt Dr. Kai Wachter. In seiner Dok:Tor-Gemeinschaftspraxis pikste am Mittwoch und Donnerstag Dr. Georg Raupp am ersten Tag fast zehn Stunden lang im Akkord – nur unterbrochen von einer Mittagspause – rund 130 Mal die Patienten, den Rest dann tags drauf. Auch wenn man sich jetzt durch die Hausärzte einen zusätzlichen Schwung für die Impfkampagne verspricht: Ganz nach Gutdünken dürfen sie nicht vorgehen, denn die Mediziner sind eng an die Vorgaben der Landesimpfordnung gebunden.

Und das heißt, nur die Über-70-Jährigen oder Leute, die in der Schule oder in der Pflege arbeiten, oder Schwerkranke dürfen momentan immunisiert werden, also im Grunde die, die jetzt auch schon in die Kreisimpfzentren (oder zumindest die, die älter als 75 Jahre sind, am Wochenende in die Mehrzweckhalle) gehen können.

Doch das ist nicht jedermanns Sache, viele Patienten vertrauen da doch lieber ihrem Hausarzt. Und tatsächlich gibt es immer noch eine Menge Schriesheimer, die zu den Prioritätsgruppen 1 und 2 gehören, die aber immer noch nicht geimpft sind, wie Raupp und Tecl berichten. Insofern blieb auch nichts liegen oder wurde – was eigentlich im Moment rechtlich nicht geht – an die Prioritätsgruppe 3 gegeben. Die meisten Patienten sind aber pragmatisch: Sie gehen dorthin, wo sie zuerst geimpft werden, wie Teck weiß.

Die Hausärzte sehen sich nicht als Konkurrenz zu den Kreisimpfzentren oder zur temporären Einrichtung ab diesem Samstag in der Mehrzweckhalle. "Je mehr Stationen es gibt, desto schneller kommen wir voran", sagt Raupp. "Eine Parallelität ist da durchaus sinnvoll." Tatsächlich hat die neue Praxis, dass jetzt auch Hausärzte impfen können, nicht dafür gesorgt, dass der Ansturm auf das mobile Zentrum, das am Samstag und Sonntag in der Mehrzweckhalle eingerichtet wird, nachgelassen hat: Rathaussprecherin Larissa Wagner berichtet, dass alle 280 Termine vergeben seien. Zwar hätten einige Impfwillige abgesagt – vielleicht auch deswegen, weil sie jetzt bei ihren Hausärzten zum Zuge gekommen sind –, aber es würden Nachrückerlisten geführt. Deswegen ist sie sich sicher, dass alle Dosen auch aufgebraucht werden.

In der Mehrzweckhalle bekommen die Schriesheimer "Moderna", bei den Hausärzten "Comirnaty", das man eher als "Bion-Tech" kennt. Diese Stoffe sind von ihrer Wirkung und ihrem Schutzgrad sehr ähnlich – und auch deswegen ist die Nachfrage im Moment sehr hoch. "In der nächsten Woche bekommen wir noch ,Bion-Tech’, da gibt es keine Nachfrageschwierigkeiten", berichtet Tecl – um hinterherzuschieben: "Aber dann wohl ,Astra-Zeneca’. Ich bin gespannt, wie es damit läuft."

In den nächsten Wochen erwartet Tecl dennoch "mehr Flexibilität", wenn sich die Impfstoffversorgung entspannt. Dann kann er auch Ehepaare zusammen impfen, wenn der Mann beispielsweise 71 Jahre (und damit berechtigt), seine Frau aber erst 68 Jahre alt ist. Apropos Grenzfälle: So nahe an der Ländergrenze kann es immer mal wieder vorkommen, dass Ex-Schriesheimer über 70 nun in Hessen wohnen, aber immer noch an der Bergstraße ihren Hausarzt haben. Und die haben, so berichtet Tecl, Pech: Denn man darf sich in Baden-Württemberg nur impfen lassen, wer hier wohnt oder seinen Arbeitsplatz hat. Das Dilemma ist also: vom Alter her zwar impfberechtigt, nach der Landesimpfordnung aber nicht.

Und endlich kommen auch diejenigen, die nicht so mobil oder gar bettlägerig sind, ihre Dosis; denn bisher hatten die auch in den Kreisimpfzentren kaum eine Chance – was schon Lissy Breitenreicher beklagt hatte, die seit Januar für gut 170 Schriesheimer Senioren Impftermine bei den großen Zentren ausgemacht hatte. Zum Immunisieren machen die Ärzte jetzt Hausbesuche, bei Tecl waren es fünf, bei Raupp gut 40 – immerhin fast zwei Prozent aller Patienten der Praxis. Raupp hat eine Liste erstellt, spätestens nächste Woche kommen dann alle – samt Angehörigen – an die Reihe.

Was auch, entgegen erster Befürchtungen, ganz ohne Probleme klappt, ist die Logistik der Kühlkette: Der sonst tiefgefrorene Impfstoff von "Bion-Tech" wird bereits aufgetaut von den Apotheken – die sich praktischerweise im selben Haus wie die beiden Praxen befinden – geliefert und muss dann, wenn auch im Kühlschrank, gelagert, aber innerhalb von 120 Stunden aufgebraucht werden. Und das war definitiv der Fall, übrig blieb nichts.

Eigentlich funktioniert die Anmeldung bei der Gemeinschaftspraxis wie beim von ihr betriebenen Schnelltestzentrum – nämlich voll digital per Internet. Aber weil bei den Senioren nicht jeder mit der neuen Technik umgehen kann, tut es oft eben auch das gute alte Telefon.

Von den Patienten gab es in den letzten Tagen nur positive Rückmeldungen auf die neue Impfstrategie. Beispielsweise meldete sich Hans-Joachim Feurer bei der RNZ. Der 75-Jährige – also Prioritätsgruppe 2 – erhielt am Dienstagabend um 20.30 Uhr einen Anruf von seiner Hausarztpraxis Dr. Eduard Fischer, dass er nun einen ersten Termin am nächsten Dienstag habe. Das hat ihn überrascht und gefreut: "Das ist ein außergewöhnliches Engagement, das es vielleicht so nicht bei den Kreisimpfzentren gibt. Wenn alle so engagiert und flexibel wären, wäre vieles leichter." Solche positiven Geschichten wollte Feurer "mal herausgestellt sehen". Ihm geht es im Grunde wie so vielen: In die großen Zentren wollte er nicht gehen, "ich habe extra gewartet, bis mein Hausarzt mich impfen kann". Und in der Praxis von Dr. Fischer bekommt er zudem dem Impfstoff seiner Wahl, den von "Bion-Tech". Denn: "Den anderen Mitteln traue ich nicht so recht."

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Bei den Hausärzten – wie hier in der Dok:Tor-Gemeinschaftspraxis – gibt es momentan den Wirkstoff „Comirnaty“, den man eher als „Bion-Tech“ kennt. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung