16.04.2021

Frostschäden?: Schriesheims Winzer warten noch ab

Ihre Kollegen aus Süd- und Mittelbaden rechnen mit Einbußen. Die nächsten Tage werden an der Bergstraße entscheidend.

Schriesheim. (hö) Eigentlich gibt es momentan einen April, wie er früher war: wechselhaft und teilweise eisig. Aber der Kälteeinbruch zu Beginn des Monats kann auch bei den Winzern und Obstbauern zu Frostschäden führen, so wurden bereits in der letzten Woche teilweise die Apfelplantagen – wie bei Werner Volk in Leutershausen – beregnet.

Nachdem die Temperatur in der Nacht zum Dienstag auf Minusgrade gefallen war, sind in Baden vor allem Weinberge rund um den Kaiserstuhl, im Markgräflerland und im Ortenaukreis betroffen, in Württemberg das Weinsberger Tal und das Zabergäu. Die frühsommerlichen Temperaturen im März hatten dazu geführt, dass sich die Knospen früh öffneten. Sie sind nun in frostigen Nächten besonders gefährdet. Betroffen sei vor allem der Lemberger, so der Präsident des Weinbauverbands Württemberg, Hermann Hohl: "Wir müssen davon ausgehen, dass wir hier mit einem reduzierten Ertrag in diesem Jahr rechnen müssen." Holger Klein vom Weinbauverband Baden meint: "Wenn es nachts weiterhin sehr kalt bleibt, sind sicher weitere Schäden zu erwarten."

Und wie sieht es in Schriesheim aus? Für die Winzer ist es noch zu früh, klare Aussagen zu treffen, wie sich die momentane Witterung auf die Reben auswirkt. Denn an der Bergstraße tut sich an den Rebstöcken noch nicht allzu viel. Das ist gerade in Mittelbaden mit seinen frühen Lagen anders als hier, weiß Georg Bielig. Im Moment geht er zwar von einigen leichten Schäden aus, aber die seien noch überschaubar. Für Winfried Krämer, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Winzergenossenschaft, sind selbst Minusgrade nicht das Problem, es kommt eher darauf an, wann und wie lange sie auftreten. Aber er sieht an den Daten seiner eigenen Wetterstation im Wingert, dass es vielleicht Ungemach geben könnte: "Am Mittwoch war es grenzwertig, ganz dicht an der Null-Grad-Grenze." Am frühen Donnerstagmorgen war es sogar für zwei Stunden minus zwei Grad kalt, wie Bielig berichtet: "Das ist nicht schön." Zumal im Moment Luft- und nicht Bodenfrost herrscht, der auch die oberen und damit späteren Lagen betreffen kann. Und es ist im Moment auch – mal wieder – zu trocken.

Krämer wie auch Bielig wollen erst einmal das Wochenende abwarten. Zumindest sind bis dahin keine eisigen Nächte mehr vorhergesagt, mit den Temperaturen geht es langsam aufwärts. Insofern könnte vielleicht das Schlimmste abgewendet werden. An sich muss das kalte Wetter nicht unbedingt ein Schaden sein, meint Bielig. Dann würde die Tendenz der frühen Blüte und damit der frühen Ernte vielleicht einmal gebrochen. Im letzten Jahr begann die Lese bereits am 18. August, drei Wochen früher als noch vor 30 Jahren – und seit 2014 (mit Ausnahme von 2016) wurde aus dem Herbsten ein "Sommern". > Metropolregion

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung