09.09.2004

Dicke Brummer auf rutschiger Fahrbahn

Beim Fahrsicherheitstraining testen OEG-Fahrer die Grenzen ihrer Busse aus - Fahrmeister Buffy: "Schon ab 30 km/h kann viel passieren"

Eine nasse Folie simuliert eine dünne Schneeschicht oder eine Aquaplaning-Situation. Der Bremsweg auf dem rutschigen Untergrund ist drei- bis viermal so lang wie auf einer trockenen Fahrbahn. Fotos: Kreutzer


Schriesheim. (stek) Vorgestern gab es beim OEG Bahnhof erstaunliches zu beobachten: Nahverkehrsbusse vollführten ungeahnte Manöver und schossen mit quietschenden Reifen und in gefährlicher Schräglage über den Hof. Grund für die heiße Sohle war das erste Sicherheitstraining für OEG Busfahrer, das den Rangierplatz in einen kleinen Hockenheimring für die Zwölftonner verwandelte.

"Schon ab 30 Kilometer pro Stunde kann viel passieren", erläuterte Wolfgang Buffy, Fahrmeister bei der MVV OEG AG, gegenüber der RNZ. Ziel der Veranstaltung sei es, "den Fahrern das Verhalten ihrer Busse auch mal in extremen Situationen vor Augen zu führen". Was zwölf Tonnen und ein wenig Wasser oder ein enger Parcours bewirken können, wurde den ersten drei Fahrern im praktischen Teil des Trainings drastisch klar. Der von Fahrlehrer Michael Beismann gesteckte Slalom verschaffte ihnen einen ersten Eindruck der Kräfte, die an ihren Bussen wirken und sie destabilisieren. Schon bei dem Schritt von 35 auf 40 km/h waren die Busse kaum noch innerhalb der abgesteckten Route zu halten. Ganz zu schweigen davon, was mit den Fahrgästen passieren würde, wenn sich ein Bus mit einem solchen Temperament in die Kurve legen würde.

Der aufwändigste der Tests, die übrigens alle vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat genau vorgegeben sind, ist der Bremstest auf einer bewässerten Folie. Simuliert wird damit zum Beispiel eine hauchdünne Schneeschicht oder die Gefahren von Aquaplaning. Norbert Kost, seit vielen Jahren MVV Fahrer, zeigte sich denn nach seiner ersten Bremsfahrt auch ziemlich erstaunt: "40 Kilometer pro Stunde und kaum ein Bremseffekt auf der Folie." Die Busse rasten tatsächlich ohne größeren erkennbaren Bremseffekt über die Bahn hinweg. Bei zusätzlichen Lenkmanövern geriet die Sache endgültig außer Kontrolle. Normalerweise beträgt der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h zirka 15 Meter. Unter den erschwerten Bedingungen verlängert er sich um mindestens das drei- bis vierfache.

Zwölf Tonnen, relativ unkontrolliert, können ziemlich einschüchternd sein. Daher ist das Sicherheitstraining auch eine äußerst sinnvolle Veranstaltung. Immerhin haben die Fahrer die Verantwortung für abertausende Fahrgäste und oft genug entstehen "brenzlige Situationen", die durch Erfahrung am besten bewältigt werden können.

Etwas unverständlich ist jedoch, dass diese Tests freiwillig sind. Es gibt keinerlei Bestimmungen, dass die Fahrer nach der Fahrprüfung weiter trainieren müssen. Zugegeben, die simulierten Situationen sind wahrscheinlich eher seltene Phänomene, doch gerade deshalb bergen sie besondere Gefahren. Sicheres fahren hat viel mit Erfahrung zu tun und so ist es mehr als beruhigend, dass die Nahverkehrsunternehmen einiges investieren, um die Sicherheit im Verkehr zu gewährleisten.

Für die Fahrer ist das Ganze neben der Bedeutung für die Sicherheit auch eine mindestens interessant zu nennende Erfahrung. "Schon auch spannend, den Bus mal so zu erleben", fand einer der Fahrer. Über die nächsten drei Wochen durchlaufen alle 35 Fahrer die Tests und ziehen hoffentlich ähnliche Schlüsse wie die ersten drei Probanden. Vorsicht ist schließlich die Mutter der Porzellankiste, und das gilt auch im Straßenverkehr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung