22.04.2021

Von der neuen "Notbremse" sind nicht alle Händler gleich betroffen

Von der neuen "Notbremse" sind nicht alle Händler gleich betroffen

Für Teile des Schriesheimer Einzelhandels hat die „Notbremse“ des Bundes erhebliche Folgen, für andere nicht - Daniela Schmitt von „Blumen Kimmel“. Foto: Dorn
Die Kunden des Einzelhandels sind verunsichert, und die Geschäfte tasten sich Tag für Tag vor.

Von Max Rieser

Schriesheim. Öffnen, schließen, öffnen, schließen. Für die meisten wird der Mix aus "Click & Meet", "Click & Collect" und normalen Öffnungen immer verwirrender. Ab einem Inzidenzwert von über 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen müssen alle Geschäfte des Einzelhandels, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, zurück zum Bestellen und Abholen. Doch welche sind das überhaupt und welche nicht?

Angelika Gottschling, die Inhaberin des Blumenladens "Blumen Angelika", ist verwirrt: "Wir haben bis jetzt noch keine konkreten Informationen." Auch die Kunden seien komplett verunsichert: "Jeder zweite Anrufer fragt eigentlich, ob wir offen oder geschlossen haben." Die letzten Informationen vom "Fachverband Deutscher Floristen" hätten besagt, dass Blumenläden weiterhin geöffnet bleiben dürfen. "Bis jetzt hatten wir es ja richtig gut", so Gottschling. Blumen seien seit dem 1. März als "lebensnotwendige Produkte für das Seelenwohl" eingestuft worden, und sie durfte normal öffnen. Wie sich das neue Infektionsschutzgesetz auf ihr Geschäft auswirkt, weiß sie noch nicht: "Der Verband hat empfohlen, von Tag zu Tag zu planen." Das sei aber schwierig, da die Blumenläden frische Waren nicht lang lagern können. Müssten sie also kurzfristig schließen, müsste alles vernichtet werden. Außerdem ginge jetzt die Saison für ihre Branche richtig los, was eine Schließung doppelt bitter machen würde.

Daniela Schmidt, Mitgeschäftsführerin von "Blumen Kimmel", sagt: "Bei uns läuft alles ganz normal weiter." Der "Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen" habe mitgeteilt, dass der Markt "inzidenzunabhängig geöffnet bleiben darf". Die Leute seien aber auch verunsichert. Wie bei "Blumen Angelika" würden viele vorher anrufen. Das wäre aber keine extra Belastung: "Wir geben gern Auskunft!" Dass sie geöffnet bleiben dürfen, vermutet Schmidt auch in der laufenden Saison: "Da wurden wir vielleicht auch deshalb etwas berücksichtigt."

"Click & Collect" hat sich trotz aller Unkenrufe gut eingespielt

Das "Bauzentrum Bloemecke" muss zurück zu "Click & Collect". Bis einschließlich vorige Woche durften Privatkunden den Markt unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen normal betreten. Geschäftsführer Thomas Bloemecke findet es schwierig, dass die Verordnungen des Landes immer erst spät auf der Internetseite abrufbar sind: "Manchmal kommen die neuen Regeln erst samstags, und wir müssen das dann bis Montag umgesetzt haben." Beschweren will sich Bloemecke aber nicht. Der Markt könne seine Kunden weiterhin mit Waren versorgen. Künstler und Gastronomen würden die Einschränkungen weit schwerer treffen. Die Leute seien froh, dass sie wieder etwas stöbern könnten, der Markt achte aber darauf, dass der Einkauf möglichst schnell abgewickelt werde, damit sich nicht zu viele Kunden im Markt aufhalten würden, sagt der Geschäftsführer: "Wir wollen ja dazu beitragen, dass es bald vorüber ist." Beim Liefern sei der Baumarkt deshalb bei den Mengen nicht wählerisch: "Wir fahren meistens richtig große Lieferungen aus, wenn aber jemand nur zwei Sack Mörtel braucht, ist das auch kein Problem. Die bringen wir", so Bloemecke.

Der Raiffeisenmarkt Schriesheim hat wohl weiterhin normal geöffnet, aber die Geschäftsleitung stand nicht für ein Gespräch mit der RNZ zur Verfügung.

Bei "Haushaltswaren Brunn" in der Heidelberger Straße ist nach wie vor Bestellen und Abholen angesagt: "Wann es normal weiter geht, wissen wir noch nicht", sagt die Mitarbeiterin Margret Steck. Auch die Kunden seien häufig verwirrt, ob nun auf oder zu sei. Haushaltswaren würden aber nachgefragt, berichtet sie. Die Kunden wüssten immer sehr genau, was sie wollen, wenn sie anrufen. Einfach schauen und etwas mitnehmen gehe aber nicht, da der Innenraum nicht betreten werden dürfe. Um trotzdem den ein oder anderen Spontankauf anzuregen, sind einige Regale im Abholbereich im Hof des Geschäftes aufgebaut. Stephanie Parketta leitet das Geschäft "Haus- und Gartenbedarf Wilhelm Müller": "Bei uns steht das Telefon nicht mehr still", berichtet sie. Die Kunden wollten vor allem wissen, ob nun geöffnet sei oder nicht. Am letzten Samstag habe es einen regelrechten Ansturm gegeben, da viele Leute befürchtet hätten, der Einzelhandel würde wieder komplett schließen. Allgemein hätte sich "Click & Collect" aber gut eingespielt. Aktuell seien Gartenmöbel, Sonnenschirme und Liegestühle gefragt. Parketta vermutet: "Die Biergärten haben zu, da wollen sich wahrscheinlich einige den eigenen Garten gemütlich machen.

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Margret Streck von „Haushaltswaren Brunn“. Foto: Dorn

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Thomas Bloemecke vom Bauzentrum. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung