26.04.2021

Bundestagskandidat Alexander Föhr auf Zuhör-Tour

Föhr besuchte Landwirt, Winzer, Gastronom und Autohändler. Die Sorgen sind in der Pandemie nicht kleiner geworden.

Von Max Rieser

Schriesheim. Um die Bürger angemessen im Bundestag vertreten zu können, muss man wissen, was die Wähler überhaupt umtreibt. Und genau das wollte der Bundestagskandidat der CDU für den Wahlkreis Heidelberg-Weinheim, Alexander Föhr, vergangenen Freitag erfahren. Nachdem er in der vorherigen Woche seinen "Antrittsbesuch" im Rathaus absolviert hatte, ging es diesmal direkt in die Betriebe von Karlheinz Spieß und der Familie Jäck, in den "Goldenen Hirsch" und in das Autohaus "Knopf". Die vier Stationen sollten einen Überblick über das Geschehen in Schriesheim liefern.

Im Verlauf der dreistündigen Tour ging es viel um die Coronapolitik der Bundes- und Landesregierung, um Impfstrategie und Ausgangssperre. Aber auch um sehr spezifische Probleme der Unternehmen. Föhr betonte wiederholt, dass es ihm darum gehe, ein "Ohr am Ort" zu haben und in die Fußstapfen seines Vorgängers Karl A. Lamers treten zu wollen. Als Ziegelhäuser habe er einen Draht zur Region und wolle vor allem Politik für die Menschen an der Bergstraße machen. Dafür wolle er die Leute besser kennenlernen, die den Wahlkreis attraktiv machen.

Wenn ein Landwirt über "Frühverrentung" nachdenkt

Zunächst besuchte der Bundestagskandidat den Hof des Landwirts und Vorstandsvorsitzenden der Schriesheimer Winzergenossenschaft, Karlheinz Spieß. Spieß, der selbst zehn Jahre im Schriesheimer Gemeinderat saß, ist mit politischer Arbeit vertraut. Das merkte man durchaus, weil er Föhr mit sehr konkreten Fragen konfrontierte. Wegen Veränderungen bei der Nachfrage und bei den Anforderungen an die Landwirtschaft hat Spieß den Hof sukzessive von Tabakanbau und Schweinemast zum Obst-, Wein- und Ackerbau-Betrieb umgebaut.

Hier habe er nun das Problem, dass "Essen und Trinken nichts kosten darf." Er müsse seine Produkte an die Genossenschaft verkaufen, da der Einzelhandel die Preise immer mehr drücke. Das liege zum Teil an den Supermärkten und zum Teil an den Konsumenten, die zwar regionale und saisonale Erzeugnisse lieben, den Preis dafür aber nicht zahlen wollen. Er denke im Alter von 57 Jahren und im Vollbesitz seiner Kräfte bereits darüber nach, in Frührente zu gehen, da sich das Geschäft nicht mehr lohne. Es müssten Lösungen im Lebensmitteleinzelhandel gesucht werden, um die Abwärtsspirale bei den Preisen zu stoppen.

Föhr zeigte Verständnis und sprach von einer absurden Situation, in der jeder von Nachhaltigkeit und gutem Essen spricht, aber niemand dafür zahlen wolle. Spieß, der selbst seit 2019 eine Fotovoltaikanlage an einer Scheune installiert hat, sprach außerdem über erneuerbare Energien. Bevor fruchtbares Ackerland mit Solarpanels bebaut werde, sollte es eher Konzepte geben, Industriegebiete und Gewerbeflächen mit Solaranlagen zu bebauen. Das stieß auf Föhrs Interesse, der das Erneuerbare-Energien-Gesetz für nicht ambitioniert genug hält und sich auch vorstellen könnte, große Parkplätze zu überdachen und mit Solaranlagen zu versehen.

Um sich ein zweites Standbein aufzubauen, plant Spieß mit Lebensgefährtin Joana Pluschke, in einer ausgebauten Scheune unter dem Namen "Duwag Scheier" (Dialekt für Tabakscheune) Veranstaltungen auszurichten. Er betonte aber, damit nicht in Konkurrenz mit der Gastronomie treten zu wollen.

Auf dem Hof der Familie Jäck erfuhr Föhr von Winzer Max Jäck, dass die Weinfeste zwar fehlten, der Absatz aber nur geringfügig unter der Pandemie zu leiden habe. Landwirt Peter Jäck berichtete von ähnlichen Problemen wie Karlheinz Spieß bei der negativen Preisentwicklung. Die Familie könne aber einiges abfangen, da sie im eigenen Hofladen ihre Produkte gut verkaufe. Neben den Erzeugnissen aus dem eigenen Betrieb kauft Peter Jäck auch Bananen und Zitrusfrüchte zu, um den Kunden den Weg in den Supermarkt abzunehmen. Das Sortiment bereichern außerdem selbst gebackene Kuchen und kleine Speisen im Weckglas zum Mitnehmen. Auch er berichtete, dass das "zweite" Standbein mittlerweile zwingend dazugehöre.

Der Scheuerboden der Familie kann normalerweise ganzjährig für Hochzeiten und andere Feste genutzt werden, liegt aber seit einem Jahr brach. Johannes Jäck, der für den Obstbau zuständig ist, berichtete von klimabedingten Widrigkeiten wie der zu starken Sonneneinstrahlung beim Apfelanbau und der Beregnung der Plantagen, um Frostschäden vorzubeugen. Außerdem erklärte er die Entscheidung seiner Familie, keine Erdbeeren mehr anzubauen: Die Planung für die Mengen und der Anbau seien zu aufwendig. Der CDU-Kandidat betonte, dass mittelgroße Landwirtschaftsbetriebe wie jener der Jäcks wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen müssten.

Fabian Gieser und Michael Adamietz, den Betreibern des "Goldenen Hirschs", ging es vor allem um die Corona-Politik. Es fehle eine langfristige Öffnungsperspektive. Den Gästen gehe vermehrt der Atem aus, die Bestellungen nähmen ab. Auch das Hin- und Her-Wechseln bei den Ausgangssperren verunsichere unnötig und halte die Leute davon ab, sich abends noch etwas zu Essen im Restaurant zu holen. Sie kritisierten außerdem den bürokratischen Aufwand bei der Beantragung der Hilfsgelder und formulierten ihre Hoffnung, bald wenigstens den Außenbereich öffnen zu dürfen.

Die Gastronomie biete hierfür einen sichereren Rahmen als Privathaushalte, in denen sich dann eine Vielzahl von Menschen unbeobachtet treffe, argumentierten die beiden. Föhr sagte, dass er sich sicher sei, dass die Bundesnotbremse nun mehr Gewissheit bringt und dass er eine Abwicklung der Coronahilfen über die Finanzämter von Anfang an für sinnvoller gehalten hätte.

Im Autohaus "Knopf" berichtete der Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens, Andreas Ullrich, dass die Verkäufe seit November praktisch bei null stehen. Das liege unter anderem daran, dass es nicht möglich sei, Probefahrten anzubieten. Auch die finanzielle Unsicherheit vieler Menschen und das zunehmende Arbeiten im Homeoffice ließen die Verkäufe stagnieren. Die Kunden verstünden nicht, warum sie dicht gedrängt im Supermarkt einkaufen, aber die weitläufigen Verkaufsräume des Autohauses nicht genutzt werden dürften. Das Wechseln von Lockdown zu Teil-Lockdown zu Öffnung und wieder zurück erzeuge ein hohes Maß an Verunsicherung. Föhr äußerte auch hier die Hoffnung, dass die Bundesregelung in Zukunft wohl etwas mehr Sicherheit geben könne.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung