30.04.2021

Sebastian Cuny organisiert sein Leben als zukünftiger Abgeordneter

Neues Büro suchen, neue Einrichtung kaufen, neue Mitarbeiter finden - das gehört zu den derzeitigen Aufgaben des SPD-Mannes.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Vor fast sieben Wochen wurde der Schriesheimer Sebastian Cuny in den Landtag gewählt. Die RNZ begleitet in den kommenden Wochen den Sozialdemokraten auf seinem Weg nach Stuttgart. Die erste Zeit nach dem Wahlergebnis war eher unspektakulär: Viel Organisatorisches war zu erledigen, Mitarbeiter mussten eingestellt werden – und schließlich war er auf der Suche nach einem Wahlkreisbüro. Jetzt ist aber fast alles geschafft.

Auf den ersten Blick sieht es noch etwas nach Kraut und Rüben aus, das "Lager" in der Schönauer Straße. Die vier Schreibtischstühle, Tische und Rollcontainer sind noch in Kartons verpackt, das vielleicht wichtigste Utensil wartet noch auf seine Inbetriebnahme: die Kaffeemaschine. Hingucker im neuen Büro wird aber das rote Ledersofa sein, das Cuny per Kleinanzeige im Saarland aufgetrieben hat – und praktischerweise besuchte er beim Abholen auch noch seine Großmutter. "Utes Bücherstube" stellte ihm auch etliche Büromaterialien zusammen, das meiste davon in Rot – wie es sich für einen Roten gehört.

Die Suche nach geeigneten Räumen war nicht ganz so einfach. "Überall habe ich gesagt, dass ich nach der Suche nach einem Büro bin", sagt der 42-Jährige. Schließlich gab es ein Angebot mitten in der Altstadt; so eine Lage war Cuny gewohnt, denn schließlich war er fast zehn Jahre lang Mitarbeiter des scheidenden SPD-Abgeordneten Gerhard Kleinböck, der seine Räume im Herzen der Ladenburger Altstadt, in der Metzgergasse, hatte. Aber Cuny nahm von der zentralen Lage wieder Abstand: "Das war eine Nummer zu groß für ein Wahlkreisbüro." Zumal er sich für Innenstadtlagen eher richtige Geschäfte wünscht: "Mit einem Wahlkreisbüro bekommt man dort nicht so viel Leben rein." Dann schweifte sein Blick über "1b-Lagen", also etwas aus dem Dunstkreis der Heidelberger Straße, aber auch das zog sich, offenbar gibt es – Leerstand hin, Leerstand her – doch so etwas wie ein Mangel an Büroflächen in Schriesheim.

Am Ende, Glücksfall Nummer 1, wurde er in der Zentgrafenstraße fündig. Dort steht eine Naturheilpraxis leer. Und, Glücksfall Nummer 2, die liegt direkt am bisherigen "Lager" für die Büroeinrichtung in der Schönauer Straße. Das wiederum, Glücksfall Nummer 3, ist die momentan unbewohnte Schriesheimer Wohnung seines französischen Vaters, der coronabedingt gerade in seiner alten Heimat bleiben muss. Mit der Standortwahl ist Cuny zufrieden: "Die Räume passen zu mir." Dass die Zentgrafenstraße nicht ganz so prominent liegt, ficht ihn nicht an: "Wir wollen durch Aktivitäten sichtbar werden." Noch im Mai sollen die neuen Räume eröffnet werden. Auch in Weinheim plant Cuny eine Anlaufstelle: Einmal pro Woche will er im dortigen Büro in der Hauptstraße präsent sein.

Im Moment steckt Cuny noch mitten in der Organisation seines Büros: "Das war eine längere Vorlaufzeit, als ich eigentlich gedacht hatte." Im Grunde fühlt er sich momentan "wie ein Existenzgründer", sogar eine Art "Wirtschaftsplan" gibt es: Wie viel darf er für Miete ausgeben, wie viel für Mitarbeiter? Zwar gibt es dafür Pauschalen – 12.000 Euro im Monat für Personal und 2200 Euro für die Wahlkreisarbeit –, aber das will genau kalkuliert sein. Von seinem SPD-Landtagskollegen Daniel Born aus Schwetzingen – die drei Nordbadener SPD-Abgeordneten tauschen sich in einer Whatsapp-Gruppe aus – erhielt er beispielsweise den Tipp, nicht zu viel für Miete auszugeben und stattdessen mehr Geld für die Wahlkreisarbeit, also für Plakate und Aktionen, auszugeben.

Im Moment plant Cuny mit drei Mitarbeitern – zwei stehen schon fest: Julia Weiß aus Dossenheim war schon mit in Cunys Wahlkampfteam dabei, im Moment arbeitet sie noch an der Uni in Heidelberg; die 29-Jährige hat, wie auch Cuny, Politikwissenschaft studiert und ist erst seit zwei Jahren Genossin. Sie freut sich darauf, "die Interessen der Bürger nach Stuttgart zu tragen". Darin hat die zweite Mitarbeiterin, Janina Ries, bereits Erfahrung. Denn die Neckarhäuserin arbeitete lange in Kleinböcks Wahlkreisbüro mit, war sozusagen Cunys Kollegin. Dass der seine neuen Mitarbeiter gut kennt, war ihm wichtig: "Ich muss mich auf sie verlassen können, dazu sollten wir die gleiche Wellenlänge haben." Denn noch ist nicht genau klar, wie oft und wie lange ihr neuer Chef in Stuttgart sein muss. Cuny will aber möglichst oft in Schriesheim sein, allein schon wegen seines kleinen Sohns. Ein Zimmer in der Landeshauptstadt will er sich nicht nehmen.

Die erste Sitzung des Landtags ist am 11. Mai, allerdings ist Cuny jetzt schon offiziell Abgeordneter: In der letzten Woche erhielt er die Urkunde, dann folgte der Abgeordnetenausweis. Er gesteht: "Im Kopf ist das noch nicht angekommen." Dabei hat sich die 19-köpfige SPD-Landtagsfraktion schon getroffen, "sie ist arbeitsfähig". Cuny ist dabei nicht der einzige "Frischling", sechs Abgeordnete sind ganz neu dabei, darunter auch Jan-Peter Röderer aus Sinsheim. "Alle Neuen sind in etwa in meinem Alter", sagt Cuny, "daher wird die Situation von Familien stärker ein Thema sein". Allerdings: Bei null fängt Cuny in der Landespolitik auch nicht an, nach seinen vielen Jahren bei Kleinböck. Die Wogen zwischen den beiden sind nach Kleinböcks Rückzug wieder einigermaßen geglättet, unlängst übergab ihm sein Ex-Chef auch diverse Schriftwechsel. Und Cuny kündigt an: "Ich werde ihn auch um Rat fragen."

Nach der Konstituierung des Landtags wird darüber entschieden, in welchem Ausschuss Cuny sitzen wird. "Mein Wunsch wäre der Europa-Ausschuss", sagt der Deutsch-Franzose, "aber bitte nicht den Haushaltsausschuss. Ich bin kein Mensch der Zahlen." Von der Ausschusszugehörigkeit ist auch abhängig, wann Cuny seine erste Rede im Landtag hält: "Das ist im Moment noch nicht absehbar." Aber so wichtig ist es für seine Wahlkreisarbeit auch nicht, welcher Ausschuss es am Ende sein wird: "Meine erste Aufgabe ist das Zuhören und die konkrete Hilfe. Jedem sollte klar sein: Cuny und sein Team sind für jedes Thema an Neckar und Bergstraße die Ansprechpartner. Und das neue Wahlkreisbüro soll dafür der Mittelpunkt sein." Sein Motto für seine erste Legislatur: "Der Schwerpunkt liegt eindeutig in der Wahlkreisarbeit. In Stuttgart werde ich erst einmal keine großen Räder drehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung