06.05.2021

Lampenhain: Schriesheimer sorgt sich um die Zukunft des Seniorenheims

Das Landratsamt pocht auf eine Schließung des Pflegeheims "Haus Rausch-Wegerle", und seinen Bewohnern droht die Kündigung - Doch es besteht noch Hoffnung

Von Christoph Moll

Schriesheim/Heiligkreuzsteinach. Der Schriesheimer Herbert Hornung versteht die Welt nicht mehr. Seit vier Jahren fühlt sich seine inzwischen 95-jährige Mutter Elisabeth im kleinen Seniorenheim "Haus Rausch-Wegerle" im Heiligkreuzsteinacher Ortsteil Lampenhain wohl. Sein Vater lebte bis zum Tod Mitte des vergangenen Jahres auch dort. Vor einigen Wochen erhielt Hornung einen Brief mit der Kündigung des Heimvertrages. "Hiermit müssen wir ihnen leider schweren Herzens mitteilen, dass unsere Einrichtung zum 30.06.2021 geschlossen wird", hieß es darin. Auch die Angehörigen der übrigen 21 Bewohner erhielten die Kündigung. Doch es besteht noch Hoffnung: Gleichzeitig wurde die Umwandlung in Wohngruppen angekündigt, sodass ein Großteil der Bewohner bleiben könnte.

Herbert Hornung war froh, als er für seine Eltern vor einigen Jahren ein schön gelegenes und bezahlbares Pflegeheim in der Nähe fand: "Es ist dort wunderschön. Und die Betreuung ist sehr liebevoll, das Personal ist sehr engagiert und zuvorkommend." Umso unverständlicher sei es, dass die Behörden auf die Schließung wegen Vorschriften beharren. "Für die Bewohner wäre es eine Katastrophe, wenn sie aus ihrer Umgebung gerissen werden."

"Die Einrichtung erfüllt auch nach Ablauf der zehnjährigen Übergangsfrist nicht die Anforderungen der Landesheimbauverordnung", teilt Susanne Uhrig, Sprecherin im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises, der Heimaufsichtsbehörde, mit. "Unter den derzeitigen baulichen Gegebenheiten besteht keine Option, die Einrichtung weiter zu betreiben." Die Landesheimbauverordnung regele die Gestaltung der Bau- und Raumkonzepte in Heimen wie unter anderem die Einzelzimmervorgabe, zugeordnete Sanitärbereiche, Aufenthaltsflächen, Wohngruppengröße und den Küchenbereich in den Wohngruppen. "In der betroffenen Einrichtung sind diese zentralen gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt", so Uhrig. Angehörige müssten für die derzeitigen Bewohner der Einrichtung alternative Heimplätze suchen.

"Die Bewohner sind schon ewig dort und sehr zufrieden", entgegnet Hornung und fragt: "Warum muss das unbedingt umgesetzt werden?" Ja, es habe dort viele Doppelzimmer gegeben. Doch für seine Eltern sei dies genau richtig gewesen. Auch dass jedes Zimmer eine Dusche brauche, versteht Hornung nicht: Es gehe doch kaum jemand alleine duschen. "Überall werden die hohen Pflegekosten angeprangert, und hier werden die kleinen, günstigeren, etwas älteren Seniorenheime einfach geschlossen", kritisiert der 59-Jährige weiter.

Karin Schmitt, Inhaberin und Einrichtungsleiterin des Heims "Haus Rausch-Wegerle", berichtet von mehreren Rettungsversuchen in den vergangenen Jahren. "Es hieß, dass wir eine Befreiung bekommen, weil ein Umbau nach der Landesheimbauverordnung finanziell nicht tragbar ist", so die 65-Jährige. Denn bei einem Umbau im Bestandsgebäude wären nur 16 Plätze möglich, was den Betrieb unrentabel machen würde. Und eine mögliche Erweiterung mit einem Anbau auf rund 45 Plätze würde Millionen Euro verschlingen, so Schmitt. "Für Investoren ist das aber immer noch zu klein", betont die Inhaberin. "Die wollen mindestens 70 Plätze." Eine solche Erweiterung sei aber wegen der Lage am Waldrand nicht möglich. Eigentlich hätten die Behörden bereits auf eine Schließung im Februar bestanden, berichtet Schmitt. Dann gab es aber noch eine letzte Verlängerung bis zum 30. Juni.

Die große Hoffnung nun: Inzwischen gibt es einen Käufer für das Gebäude, der das Heim in zwei Wohngruppen umwandeln würde. So könnten 14 der zuletzt 22 Bewohner bleiben – überwiegend die fitteren Senioren und solche, die schon lange da sind. Denn eine vollstationäre Pflege wird es nicht mehr geben. Die rund 20 Angestellten erhielten deshalb ebenfalls die Kündigung, höchstens zwei könnten in den Wohngruppen arbeiten. Ein großer Umbau wäre für das Wohngruppen-Modell nicht notwendig. Ein Antrag wurde bereits gestellt. Ob dies alles klappt, ist aber noch nicht ganz klar. "Es wäre aber eine tolle Sache", meint Schmitt. Sie fürchtet aber um ihr Lebenswerk. "Wir sind seit fast 40 Jahren für die Bewohner da", sagt sie und fügt ungläubig hinzu: "Würde unser Heim in Hessen stehen, hätte es Bestandsschutz."

Bürgermeisterin Sieglinde Pfahl meint, dass eine gute Lösung entwickelt worden sei. "Es ist unser Anliegen, dass Bürger auch im Alter an ihrem Wohnort bleiben können", so Pfahl, die die familiäre Atmosphäre des Hauses sehr schätzt.

Auch Herbert Hornung hofft, dass seine Mutter bleiben kann. Er hatte bereits einen neuen Pflegeplatz für sie in einem anderen Heim gefunden, will dem Vorhaben aber eine Chance geben. "Das wäre die beste Lösung", sagt er.

Hintergrund: Das Seniorenwohn- und Pflegeheim "Haus Rausch-Wegerle" im Heiligkreuzsteinacher Ortsteil Lampenhain wurde im Jahr 1982 von Karin Schmitt und ihren zwei Schwestern gegründet. Alle waren in der Pflege tätig. Gestartet wurde einst mit gerade einmal fünf Plätzen. Im Jahr 1995 folgte eine Erweiterung auf 34 Plätze – darunter einige in Doppelzimmern. Auch heute gibt es noch acht Bewohner, die nicht alleine im Zimmer sind, weil sie dies aber auch genau so möchten. "Früher hieß es auch, dass Demenzkranke nicht alleine bleiben sollen", erinnert sich Karin Schmitt. Von der Corona-Pandemie blieb das Heim verschont, es gab keinen Ausbruch. Inzwischen sind die Bewohner geimpft. Stolz ist man auf die durchschnittliche "Verweildauer" der Bewohner, die nach eigenen Angaben des Heimes zwischen vier und fünf Jahren liegt. Der aktuelle "Rekord" liegt bei acht Jahren. In Pflegeheimen würden Bewohner durchschnittlich nur etwa ein Jahr verbringen, weiß Schmitt. cm

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung