14.05.2021

Grüne Liste freute sich über große Resonanz bei Putzaktion

Gullyeinsatz und Gießkanne aus Bach gefischt - 30 Teilnehmer säuberten den Kanzelbach - Nächste Aktion im Herbst?

Von Max Rieser

Schriesheim. Fröhlich plätschernd durchzieht der Kanzelbach Schriesheim. Doch wer genauer hinschaut, sieht an vielen Stellen unschöne Ansammlungen von Abfall. Mal eine Plastiktüte, mal ein Schuh. Das sieht nicht schön aus und ist auch für Fische und Vögel gefährlich. Das nahm die Schriesheimer Grüne Liste zum Anlass, um schon wie in der Vergangenheit zu einer Putzaktion aufzurufen.

Am Samstagnachmittag traf sich nun vor dem Rathaus eine Gruppe von gut 30 Parteimitgliedern, Sympathisanten und Umweltfreunden, um den Bachlauf gemeinsam von Unrat zu befreien. Zu den Tüchtigen zählten insgesamt 17 Kinder, die, ausgerüstet mit Regenhose und Gummistiefeln, motiviert waren loszulegen.

Wegen der Pandemielage war im Vorfeld darum gebeten worden, sich nur in erlaubter Anzahl zusammenzutun und sich am Bachlauf zu verteilen. Viele der kleinen Helfer besuchten die gleiche Kindergartengruppe, wodurch sie ohnehin beinah täglich Kontakt hatten und außerdem zweimal die Woche getestet werden.

Neben der Ortsvereinsvorsitzenden Fadime Tuncer war auch der Fraktionschef der Grünen Liste, Christian Wolf, anwesend. Er bedauerte, dass die Bachputzaktion in Altenbach zuletzt coronabedingt ausfallen musste. Auch dass das letzte Reinigungstreffen der Wählervereinigung schon eine Weile her sei, berichtete er und dass das Foto, mit dem sie für die Aktion geworben hatten, aus dem Jahr 2007 stammte. Solange sei man aber keineswegs untätig gewesen. So habe man in der Vergangenheit häufig die Weinberge von Unrat befreit oder im vergangenen Jahr nach Silvester eine größere Putzaktion in und um Schriesheim organisiert. Beim generellen Engagement erwähnte Wolf auch die Schriesheimer Jagdpächter, die sich immer vorbildlich darum kümmern würden, ihre Gebiete sauber zu halten.

Die diesjährige Initiative ging von Stadtrat Bernd Molitor aus, der mit einem Transporter angefahren kam. Im Gepäck hatte der Tontechniker eine Kiste auf Rollen, die sonst für Konzertequipment genutzt wird, voll mit Müllsäcken. Diese konnten sich die Helfer abholen, und schon ging es los. Einen speziellen Auslöser habe es nicht gegeben, meinte Molitor, aber es gebe immer genug Müll, um den man sich kümmern könnte. Das sei eine Entlastung für die örtliche Abfallentsorgung und schärfe das Bewusstsein, nichts unachtsam wegzuwerfen.

Eigentlich sollten die ersten Gruppen am Einstieg unterhalb des Feuerwehrhauses starten und das Gebiet bis zur Mehrzweckhalle reinigen. Durch die große Teilnehmerzahl konnte aber sogar noch ein Stück hinter dem Rathaus Richtung Gaulsbrücke geputzt werden.

Dabei war auch Felix Wagner, der mit seinen Kindern gekommen war und fand: "Es ist einfach schöner, in einer Stadt zu leben, in der die Natur sauber ist und die Kinder nicht Gefahr laufen, in eine Scherbe zu treten." Da sei eine solche Aktion nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung für einen Samstagnachmittag, sondern auch gut, um den Kleinen bewusst zu machen, wie man mit der Umwelt umgehen sollte. Das fand auch Michaela Schmitt. Ihr Sohn Jakob besucht den Waldkindergarten, wo man sich zurzeit ohnehin viel mit Abfallentsorgung beschäftige. Die Erzieherinnen hätten dort in einem kontrollierten Umfeld Müll vergraben und nach einer Zeit wieder hervorgeholt. So hätten die Kinder gesehen, dass viele Abfälle nur langsam verrotten.

Durch die rege Teilnahme an der Kanzelbach-Aktion war nach einer Stunde alles erledigt. Vor der Mehrzweckhalle wurden die vollen Säcke gesammelt und später entsorgt. Neben viel Verpackungsmüll fischten die Helfer eine Gießkanne, einen Absperrpfosten und sogar einen Gullyeinsatz aus dem Bach.

Spaß habe es allen gemacht, freute sich Molitor. Ihn selbst freute vor allem, dass so viele Kinder begeistert teilgenommen hätten und sehr stolz über ihren Einsatz gewesen seien. Außerdem habe dies auch "einen Lerneffekt". Zur Belohnung gab es im Anschluss für alle noch ein Eis. Viele Erwachsene seien überrascht gewesen, wie tief der Kanzelbach an manchen Stellen ist. Ein paar kleine Teilnehmer seien zeitweise bis zum Bauch im Wasser gestanden: "Damit hatte keiner gerechnet, dass man so tief im Kanzelbach stecken kann", sagte Molitor und lachte.

Durch die begeisterte Teilnahme könnte sich der Organisator vorstellen, dass es im Herbst die nächste Aktion gibt. Aufgrund der pandemiebedingt höheren Nutzung der Wanderwege wäre hier ein Einsatz möglich. Aber auch in Weinbergen und Grünflächen gebe es genug zu tun: "Das ist eine schöne Gelegenheit, sich zusammenzutun und auch die Stadt zu unterstützen", fand Molitor.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung