14.05.2021

Was der Hunde-Führerschein bringt

Vor allem im Wald wären Tiere wichtig, die gut gehorchen. Jäger haben ihre eigenen Nachweise.

Von Max Rieser

Schriesheim. Seit letzter Woche ist es beschlossene Sache. Der Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU sieht einen "Sachkundenachweis" für Hundehalter vor. Wie beim normalen Autoführerschein soll es eine schriftliche und eine praktische Prüfung geben. Was bisher in Baden-Württemberg bislang nur für sogenannte Kampfhunde galt, soll jetzt für jeden Hundebesitzer Pflicht werden. In Niedersachsen existiert der "Hundeführerschein" bereits länger. Die Kosten belaufen sich dort auf ungefähr 40 Euro pro Prüfung, also auf 80 Euro insgesamt.

Doch wie kommt der Beschluss vor Ort an? Da dem Ordnungsamt der genaue Wortlaut des "Hundeführerscheins" nicht vorliegt, kann es diesen im Moment noch nicht bewerten. Nach Auskunft der Kämmerei sind aktuell 824 Hunde in Schriesheim gemeldet. Bei zwei Hunden handelt es sich der Rasse nach um Kampfhunde. Jedoch wurde bei diesen beiden Hunden die Kampfhundeeigenschaft durch Verhaltensprüfung widerlegt. Der Schriesheimer Hundesportverein reagierte nicht auf wiederholte RNZ-Anfragen.

Steffen Vree – er ist Leiter des größten Hegerings der Mannheimer Jägervereinigung, zu dem auch Schriesheim gehört – findet deutliche Worte: Für ihn als Jäger ist ein gut erzogener Hund das A und O. Er sagt: "Ich sehe das positiv mit dem Hundeführerschein. Das bringt aber nur was, wenn man das dann entsprechend sanktioniert." Könnte man die Prüfung einfach endlos wiederholen, ohne dass es Konsequenzen gäbe, brächte das wenig. Trotzdem sei es gut, denn es gebe immer mehr Hundehalter. Das zeige sich auch an den Preisen für Welpen: "Vor zwei Jahren lag der Preis für einen Welpen noch bei ungefähr 1000 Euro. Jetzt sind 2500 Euro schon ganz normal."

Der "Hundeführerschein" betrifft ihn allerdings nicht direkt: "Wenn ich als Jäger was auf mich halte, habe ich mit meinem Hund die jagdliche Brauchbarkeit nachgewiesen. Dazu zählt eine Gehorsams- oder Begleithundeprüfung. Die Anforderungen sind um ein vielfaches höher als bei Privatleuten." Die meisten hielten sich laut Vree an diese Empfehlung. Das sei auch gut so, denn: "Wenn Sie Ihren Fifi nicht rufen können und der nicht bei Ihnen an der Leine bleibt, ohne Sie irgendwohin zu zerren, dann ist in der Erziehung was falsch gelaufen, dann nutzt er auch als Jagdhund nichts." Das kann für Jäger fatal werden, denn nur Hunde, die die Brauchbarkeitsprüfung absolviert haben, sind in der Jagdhaftpflicht versichert. Es sei auch schon vorgekommen, dass Jagdpächtern die Lizenz entzogen wurde, da sie mit nicht jagdlich brauchbaren Hunden gejagt hatten.

Aber auch für Privatleute sei ein Hundeführerschein generell sinnvoll. Gerade in der Brut- und Setzzeit, die vom 1. April bis 15. Juli gilt, muss der Hund dem Besitzer absolut gehorchen. Tut er das nicht, kann es nicht nur für die Wildtiere, die ihre Jungen verlieren können, unangenehm werden: "Ich frage die Leute im Wald dann immer: ,Mögen Sie Ihren Hund nicht?’". Denn gerät der Hund in die Kinderstube einer Wildschweinmutter, den sogenannten Kessel, kann es für den Hund blutig enden: "Da kommen Sie nur noch mit einer Leine nach Hause. Die Sau versteht da keinen Spaß, und wenn die den Hund seitlich aufschlitzt, kommt der nicht mehr weit."

Der Hegeringleiter hofft, dass sich Hundebesitzer durch die Prüfungen vor allem mehr Gedanken über das Sozialverhalten der Tiere machen. Es gebe zu viele, die sich einen Hund zulegen würden, ohne sich über die Verantwortung im Klaren zu sein. Es sei auch wichtig, Hunde vom jüngsten Welpenalter an in Kontakt mit anderen Hunden zu bringen. Denn Hunde, die sich immer auf den Schutz von Herrchen oder Frauchen verlassen müssten und den Umgang mit anderen Tieren und auch Menschen nicht kennen, würden häufig zu "Angstbeißern" werden. Solche "Angstbeißer" kämen oft aus ärmeren Ländern. Die Idee, den Hund vor dem Elend oder Tod dort zu bewahren, sei zwar edel, die meisten der Tiere seien aber traumatisiert und würden sich oft auffällig verhalten.

Vree hofft, dass die praktische Prüfung etwas mehr Umsicht in den Umgang mit den Hunden bringt. Immer wieder würde er beobachten, dass den Leuten der Weg zur Hundeschule schon zu viel sei. So sehe man oft, dass die Tiere nicht richtig erzogen seien und Leute ihren Hund beispielsweise auf der Straße an der Leine anbrüllen würden. Dabei sollte man in so einer Situation bewusst leise mit dem Hund sprechen, um ihn zum Hinhören zu zwingen. Schreien sollte man nur in Notsituationen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung