17.05.2021

Brantner will "klimaneutralen Wohlstand" in der Region schaffen

Brantner will "klimaneutralen Wohlstand" in der Region schaffen

Franziska Brantner freute sich über den Präsenztermin am Samstag und streichelte begeistert einen Hund. Foto: Dorn
Grünen-Bundestagskandidatin Franziska Brantner besuchte den Wochenmarkt - Klares Bekenntnis zu möglicher Koalition mit der FDP

Schriesheim. (max) Endlich wieder ein Präsenztermin – und dann regnete es. Franziska Brantner, die Spitzenkandidatin für den Bundestag der Grünen in Baden-Württemberg, konnte das aber nicht abhalten. Unterstützung erhielt sie an ihrem Wahlkampfstand von den Gemeinderätinnen Fadime Tuncer und Dagmar Wenger. Im Zuge des Wahlkampfs besuchte die 41-jährige Lörracherin verschiedene Wochenmärkte der Region, um zu hören, was die Menschen in ihrem Wahlkreis umtreibt. Sie kandidiert bereits für ihre dritte Legislaturperiode im Bundestag, wo sie unter anderem auch als parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion fungiert.

In Schriesheim war sie vor allem froh, die Menschen wieder vor Ort antreffen zu können. Es sei ein "ganz anderes Gefühl", von Angesicht zu Angesicht mit den Leuten zu sprechen als virtuell. Trotzdem seien die digitalen Gespräche eine gute Möglichkeit gewesen, mit den Wählern in Kontakt zu treten. Gerade junge Leute und, was sie überrascht hätte, Frauen hätten das Online-Angebot gut angenommen. Für die Zukunft gelte es, das Beste aus persönlichem und virtuellem Kontakt herauszuarbeiten. Eine Frage, die viele Grünen-Wähler zurzeit umtreibt, kam auch prompt am Stand auf: "Wollt ihr wirklich mit der FDP, wie Christian Lindner sie führt, koalieren?" Brantner sagt: "Ja, denn mit ihnen haben wir in der Vergangenheit am meisten erreichen können." (siehe Korrektur unten) Dennoch werde ihre Fraktion nicht das Anhängsel einer anderen Partei werden, sondern: "Wir haben in allen Bereichen unsere eigenen Positionen, die wir vertreten können." So zum Beispiel Brantners Haltung zur Flüchtlingsfrage in der Mittelmeerregion. Man dürfe Italien und Griechenland nicht allein lassen. Stattdessen müssten andere europäische Staaten vorangehen. Es bräuchte eine europäische Behörde, die die Einwanderung im Blick hat. Wer nicht bereit sei, Geflüchtete aufzunehmen, müsse sich finanziell beteiligen.

Für die ehemalige Abgeordnete im Europaparlament ist das Thema "Europa" generell ein wichtiges. Man müsse sehen, dass die USA vorhätten, 21 Billionen Dollar in ihre Wirtschaft zu investieren, auch China nehme eine Vorreiterrolle auf dem Weltmarkt ein. Europa dürfe sich angesichts solcher Tendenzen nicht abhängen lassen. Hier gehe es darum, im digitalen Bereich eine solide Stellung einzunehmen und die Industrie europäisch zu denken. Man dürfe als Zulieferer nicht zur "verlängerten Werkbank von China" werden. Ebenfalls müsse der Klimaschutz in größeren Dimensionen gedachte werden, denn hier sei "sogar Europa nur eine kleine Einheit". Die Pandemie habe zudem gezeigt, dass innereuropäische Grenzen stärker abgebaut werden müssten.

Auch für die Rhein-Neckar-Region sei es wichtig, einen "klimaneutralen Wohlstand" zu schaffen. Hier gehe es darum, bestehende Initiativen und Projekte zu stärken, mit weniger Verpackungsabfall zu wirtschaften und mehr mit Holz zu bauen. Doch nicht nur das Bestehende gele es zu bewahren. Gleichzeitig müsse mehr in den Gesundheitssektor in der Region investiert werden, um Gesundheitsforschung und -technik weiter voranzutreiben. Verkehrstechnisch sollten die Anbindungen verbessert und "Park & Ride"-Konzepte ausgebaut werden.

Beim Gespräch mit Bürgermeister Hansjörg Höfer zeigte Brantner sich begeistert über das mobile Impfzentrum in der Mehrzweckhalle: "Da ist Zug dahinter, da geht es voran."

Korrektur: In dem Artikel wird die grüne Bundestagsabgeordnete Brantner mit den Worten zitiert, man wolle als grüne Bundespartei mit der FDP koalieren, weil man gemeinsam in der Vergangenheit am meisten erreicht hätte. Die Formulierung ist nicht korrekt und basiert auf einem akustischen Missverständnis. Brantner meinte die SPD, mit der die Grünen im Gegensatz zur FDP bereits auf Bundesebene regiert haben. Brantner sagte außerdem: "Wir werben bis September um jede Stimme für grüne Politik, danach werden wir mit allen demokratischen Parteien prüfen, wie viel Klimaschutz und sozialer Zusammenhalt möglich ist."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung