25.05.2021

Schriesheimer Waldschwimmbad: Klares Votum für Edelstahl-Beckensanierung

Kontroverse Debatte über das 700.000 Euro teure Projekt blieb aus - 200.000 Euro steuert die Stadt bei - Bademeister-Problem ungelöst

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ein bisschen war die Anspannung, gerade bei der Ersten Vorsitzenden der Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Waldschwimmbads (IEWS), Sabine Portz, und ihrem Vize Thomas Merkel mit Händen zu greifen. Denn die geplante Sanierung des Schwimmbeckens in der Edelstahl-Variante ist mit gut 700.000 Euro nicht nur ein heftiger finanzieller Brocken, sondern wurde unter den Mitgliedern durchaus emotional diskutiert – Stichwort "Pathologie-Look".

Doch nach zwei Stunden Mitgliederversammlung dann die Erleichterung: Der Beschluss fiel fast einstimmig aus – dabei hatte Portz mit deutlich mehr Widerspruch gerechnet, wie sie später der RNZ gestand. Allerdings hatte Michael Pabst vom IEWS-Technik-Team mit seinen Erläuterungen auch gute Vorarbeit geleistet, dass alles so glatt ging.

Die Probleme hatte zuvor der Technische Leiter Jürgen Merkel, Thomas Merkels Vater, angesprochen: "Im Leitungssystem gibt es keinen Wasserverlust, aber im Becken: Es kommen uns 3000 Kubikmeter abhanden – aber wir wissen nicht genau, wo." Thomas Merkel hatte eine Vermutung, die jeder sehen kann: "Wohl am Beckenkopf, wo sich etliche Platten angehoben haben." Der Wasserverlust kostet auch, etwa 10.000 Euro im Jahr. Für Pabst ist das neue Edelstahlbecken, das wie eine Hülle in das alte geflieste gelegt wird, die einzig sinnvolle Lösung: "Wir haben die nächsten 40, 50 Jahre Ruhe, der alte Beton samt Fliesen ist nun am Ende seiner Lebensdauer angelangt."

Ein weiteres Plus, so Pabst: Die Kosten für die Wartung und Instandhaltung seien relativ gering. Nun dränge die Zeit, denn die Arbeiten sollen nach dem Ende der jetzigen Saison beginnen und bis zur nächsten abgeschlossen sein – zumal das Angebot der Herstellerfirma (und derzeitigem Marktführer) Berndorf nicht ewig gültig sei und im Moment die Preise rasant steigen würden: "Wenn wir erst nächstes Jahr sanieren, kostet das 100.000 Euro mehr", so Jürgen Merkel.

Die einzige Frage, die Skepsis angesichts der Edelstahl-Anmutung anklingen ließ, kam von Andreas Geisenheiner: "Ich schätze das Hellblau des alten Beckens." Denn nicht nur er fürchtete um die zukünftige, vielleicht zu kühle Anmutung eines Edelstahlbeckens. Pabst antwortete, dass auch mit Edelstahl das Becken "nicht nach Pathologie aussehen werde", die Farbe werde "eher noch anmutiger".

Schließlich sei das Waldschwimmbad nicht das erste Bad in der Region, das so saniert worden sei: "Die Erfahrungen mit Edelstahl sind nur positiv", und für Thomas Merkel ist das "die hundertprozentige Garantie gegen Wasserverlust". Andere Anmerkungen der Mitglieder betrafen eine mögliche Beckenabdeckung, um vor Wärmeverlust zu schützen. Für den Technischen Leiter Jürgen Merkel keine gute Idee: Mit 250.000 Euro Extrakosten wäre eine Plane unverhältnismäßig teuer. Schon jetzt heize die Solarthermie gut – und da das Edelstahlbecken nicht mehr ganz so tief wie das alte sei, spare man auch hier an Energiekosten.

Schließlich nahm auch IEWS-Mitbegründer Wolfgang Amann, der die Abstimmung leitete, den Kritikern in einem leidenschaftlichen Plädoyer den Wind aus den Segeln: "Wir machen das doch für unsere Kinder." Für ihn sei das Edelstahlbecken "kein Kochtopf", er sehe "keine andere Lösung". Und nach dem einstimmigen Votum – bei zwei Enthaltungen –, sagte er erleichtert: "In einem Jahr werden wir sagen: Gott sei Dank, dass wir das gemacht haben." Lob kam auch vom langjährigen IEWS-Vorsitzenden und Portz-Vorgänger Bernd Doll: "Hier wurde gut vorgearbeitet." Ganz allein gelassen wird die IEWS mit der Sanierung nicht: Von den 709.000 Euro Gesamtkosten – davon 555.000 allein für das Becken – stemmt der Betreiberverein 150.000 aus Erspartem, immerhin 200.000 Euro steuert die Stadt bei, wie bei der letzten Gemeinderatssitzung nicht-öffentlich beschlossen wurde.

Die IEWS muss also noch 359.000 Euro an Darlehen aufnehmen. Nicht zuletzt deswegen – aber auch wegen 70.000 Euro weniger Einnahmen und erhöhter Ausgaben durch Corona – wurden, wieder einstimmig, die Mitgliederbeiträge um zehn Euro pro Erwachsenem erhöht. "Wir kommen darum nicht herum", sagte Thomas Merkel. Und schließlich sei das Bad im Vergleich zu anderen ja immer noch günstig.

Da nehmen sich die laufenden Arbeiten am Haupteingang – neue Bodenplatten plus Tor samt Drehkreuz – mit 35.000 Euro fast bescheiden aus. Zudem soll es hier bald auch einen Trinkwasserbrunnen geben; die Leitungen liegen schon, fehlen nur noch Spender für den etwa 6000 Euren Brunnen, der mit Quellwasser gespeist wird.

Auch sonst war die Open-Air-Versammlung unproblematisch: Fast der gesamte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, den Bericht von Sabine Port über die Schwierigkeiten seit Beginn der Pandemie und vor allem die Modalitäten der Wiedereröffnung an diesem Freitag – Stichwort "Testpflicht für Kinder" – nahmen die Mitglieder, ohne zu murren, zur Kenntnis.

Ein Daueraufreger bleibt das alte Problem der zu wenigen Halbtags-Bademeister – und was die Stadt da tun könne. Kämmerer Volker Arras erklärte, warum das alles so kniffelig ist: "Natürlich wären drei festangestellte Bademeister wünschenswert. Die Frage ist nur: Was machen die im Winter? Wir hatten auch einige dann schon im Bauhof eingesetzt, aber die blieben da nicht lange." Kurz: "Der Verein wird keinen festen Bademeister finden, der im Winter ohne Beschäftigung ist."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung