01.06.2021

"Duwagscheier" wird neuer Ort zum Feiern

Die hergerichtete "Duwagscheier" auf dem Obsthof Spieß sieht sich nicht als Konkurrenz zur Gastronomie.

Schriesheim. (max) Eine kühle Schorle im Freien, außerhalb der Stadt. Um dieses Angebot will Joana Pluschke die Schriesheimer bereichern – und das bereits am nächsten Samstag bei der Veranstaltung "Mode und Wein". Seit sieben Jahren lebt Pluschke zusammen mit Karlheinz Spieß auf seinem Obst- und Weinbauhof. Schon bei ihrem Einzug sagte sie zu ihrem Lebensgefährten: "Bist du doof, dass du hier nichts machst", denn das grüne Fleckchen am Rindweg würde sich für ein Verweilen bestens eignen. Der große Hof hat nämlich eine alte Tabakscheune, die nicht mehr genutzt wurde. Tabak war früher zwar eines der Hauptprodukte der Region, wird aber mittlerweile kaum noch nachgefragt und nicht mehr angebaut. Was also tun mit dem ganzen Platz? Die Außenwände sind mit Solarpaneelen behangen, doch innen stand der Schuppen leer.

Die ersten Schritte in Richtung Bewirtung ging Pluschke, indem sie eine kleine Hütte am Eingang des Hofes durchsetzte. Neben einigen Erzeugnissen des Betriebes bot sie auch Wein und Bier sowie Kaffee und Kuchen an. Die Gäste konnten das Gekaufte mitnehmen oder sich auf der Wiese neben der Hütte zum Verzehr niederlassen. Das improvisierte Angebot wurde auch gleich "super angenommen", wie Pluschke berichtet. Da die Heidelbergerin selbst lang in der Gastronomie tätig war und ihr eigenes Projekt als "Stadtkind" auf dem Hof haben wollte, hatte sie jetzt Blut geleckt.

Vergangenes Jahr organisierte sie zusammen mit der Schriesheimer Winzergenossenschaft, deren Vorstandsvorsitzender Spieß ist, und dem Bekleidungshaus "Elas Modeatelier" eine Weinprobe mit Modenschau auf der Wiese vor dem Hof. Die unter strengster Einhaltung der Coronaregeln angebotenen 99 Karten zu der Veranstaltung waren innerhalb einer Woche ausverkauft. Zwei Konzerte mit den Bands "Gonzos Jam" (wird am 26. Juni nachgeholt) und "Who2Ladies" mussten aufgrund der Pandemielage abgesagt werden. Was aber stattfinden konnte, war ein Konzert mit der Schriesheimer "T-Band" mit 200 Gästen, das als Ersatz für das ausgefallene Straßenfest Anfang September dienen sollte.

Da Pluschke zunehmend Spaß an der Ausrichtung der Feste fand und die Hütte für den Ausschank zu klein wurde, kam jetzt die Tabakscheune ins Gespräch. Über den Winter richtete die Familie den alten Schuppen her. Es wurden Wasser- und Stromleitungen verlegt, zwei Emporen eingebaut und der Vorplatz frisch gepflastert, um Tische aufstellen zu können. Auch ein Name war schnell gefunden: "Duwagscheier" ist einfach der Schriesheimer Dialektausdruck für eine Tabakscheune.

Eins ist der Organisatorin aber bei allem Enthusiasmus wichtig: Sie möchte keine Konkurrenz zur bestehenden Schriesheimer Gastronomie darstellen. Einige Gastronomen hatten Kritik geäußert, dass das zusätzliche Angebot den aktuell schwierigen Stand der Branche noch verschlimmern könnte. Pluschke hofft, dass ihr Projekt in Zukunft eher als Bereicherung und Ergänzung des bestehenden Angebotes angesehen wird, denn sie wollte niemandem etwas streitig machen: "Wir gehen auch total gern essen, und dann muss es auch ein richtiges Restaurant sein. Das bieten wir ja gar nicht an." Bei ihren Veranstaltungen könnte es mal ein Vesperbrett mit Wurst vom Ursenbacher "Worschte Miller" oder Kuchen von der Bäckerei Heiß geben, warme Küche ist aber nicht geplant: "Die Leute sollen vorher essen oder danach weiter ins Restaurant gehen. Bei uns gibt es dann die Schorle im Freien." Schon bei der Planung hatte sie beispielsweise das nahe gelegene Hofcafé "Hannes" kontaktiert und das Einverständnis der Betreiber eingeholt. Auch das Angebot der Familie Jäck, deren Scheune für Feste gemietet werden kann, unterscheide sich zu stark von ihrem, um ihnen die Kunden abzujagen.

Ehrenamtliche Unterstützung erhält die Betreiberin von Familie und Freunden: "Wir sind eine Riesen-Patchworkfamilie mit einem schönen Freundeskreis, da gibt es einen tollen Zusammenhalt, Personal brauchen wir keins."

Für dieses Jahr sind schon zwölf Termine geplant. Über den Sommer wird es keine Veranstaltungen geben, da für die Erntezeit alle Hände auf dem Hof gebraucht werden. Privatleute könnten die Räumlichkeiten in der Zeit aber mieten. Die "Duwagscheier" soll auch eine Entlastung für den Betrieb bringen. In den letzten Jahren wurde viel investiert, der Hof wirft aber wenig ab, und die Arbeit in der Landwirtschaft sei "körperlich nicht ewig möglich".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung