12.06.2021

Théo Kerg Museum Schriesheim: Claudia und Mario Urlaß stellen aus

Théo Kerg Museum Schriesheim: Claudia und Mario Urlaß stellen aus

Claudia und Mario Urlaß im Schriesheimer Museum Théo Kerg. Foto: Behrens
Die künstlerische Forschung als Prinzip. Die Exponate harmonieren durch ihre Farbigkeit, aber auch durch bestimmte Ansätze miteinander.

Von Julia Behrens

Schriesheim. Wenn ein Künstlerpaar ausstellt, ist das immer spannend. Was verbindet, was unterscheidet die Werke, fragt man sich instinktiv. Bei Claudia und Mario Urlaß harmonieren die Exponate durch ihre Farbigkeit, aber auch durch bestimmte Ansätze miteinander. In ihrer Ausformung und der Art ihrer Entstehung differieren sie jedoch stark.

Jetzt ist das Ehepaar, das in Wiesloch lebt und dort zusammen ein Atelier betreibt, mit dem "Resultat" seiner Arbeit in der gleichnamigen Schau im Museum Théo Kerg in Schriesheim zu erleben. Eingeladen hatte sie noch Lynn Schoene, die im Februar 2020 verstorbene Leiterin des Hauses, deren ausgezeichnete kuratorische Tätigkeit heute von ihrem Partner, dem Künstler Tom Feritsch, weitergeführt wird.

Claudia Urlaß beeindruckt zum einen mit fein in Reihen ausgeführten zeichnerischen Setzungen. Große Konzentration steckt sie in diese Bleistiftarbeiten, in denen sie ein scheinbar teppichartiges Gewebe aus kleinen, eng aneinander liegenden Senkrechten webt. Urlaß studierte zunächst Kunst, Physik und Mathematik auf Lehramt, bevor sie sich für eine Laufbahn als freie Künstlerin entschied und sich an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Bereich Malerei und Grafik ausbilden ließ.

In einer anderen Werkgruppe führt sie ihre Faszination für Mathematik nach eigener Aussage zur intensiven Beschäftigung mit der "Fibonacci-Folge", bei der die Summe zwei aufeinander folgender Zahlen die jeweils nächste Zahl ergibt. Daraus schafft sie – in Schwarz, Weiß und Grau – abstrakte Kompositionen auf Papier sowie Objekte im Raum, die sie in Variationen rhythmisiert und ihnen damit auch etwas Musikalisches verleiht.

Es ist vor allem dies Prinzip der künstlerischen Forschung, das die Werke seiner Frau mit seinen eigenen verbindet, betont Mario Urlaß im Gespräch. Es geht darum, vorhandene Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften aufzugreifen, neu zu interpretieren und – auf der Suche nach einer universellen Ausdrucksweise – eigene Formen hervorzubringen.

Der Professor für Kunst und Didaktik an der PH Heidelberg befasst sich seinerseits mit Phänomenen aus der Biologie. Im Erdgeschoss des Kerg-Museums ist er mit einigen "Modellen" vertreten: schwarzen, vegetabilen Gebilden, die eigentümlich und urzeitlich wirken. Unter einer Beschichtung mit Lavasand verstecken sich allerdings aufwendig designte Hundespielzeuge – in den Augen des Künstlers ein Zeichen für die Analogien zwischen Tier- und Pflanzenwelt.

Mario Urlaß, den eine spontane, experimentelle Arbeitsweise kennzeichnet und der wie seine Frau in mehreren Kunstgattungen zu Hause ist, erzeugt gern solche meist zwischen Flora und Fauna angesiedelten und in Naturtönen gehaltenen "Hybride", die in hoher ästhetischer Qualität Verblüffung und Neugier hervorrufen. Am gleichen Ort entstanden, überzeugt das künstlerische "Resultat" des Paares sowohl im Hinblick auf die Einzelpositionen als auch im musealen Zusammenklang.

Info: Resultat. Claudia und Mario Urlaß. Bis 11. Juli. Museum Théo Kerg, Talstr. 52, 69198 Schriesheim. www.kk-schriesheim.de. Mi. 17-19 Uhr, Sa. u. So. 14-17 Uhr.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung